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Viele Briten blicken nach dem EU-Austritt einer unsicheren Zukunft entgegen. 

Großbritannien macht ernst

Briten unsicher wegen Brexit: Wie konnte es soweit kommen? 

London - Am Mittwoch hat Premierministerin Theresa May offiziell den Austritt Großbritanniens aus der EU beantragt. Ein Überblick über die wichtigsten Ereignisse seit dem Austrittsvotum der Briten.

Während ihrer offiziellen Austrittsrede sprach die britische Premierministerin Theresa May von einem Tag des Feierns für die einen und einem Tag der Trauer für die anderen. Nach wie vor ist man sich in Großbritannien uneins über die Bewertung des EU-Austritts. Fest steht: Der Brexit wird kommen und viele Briten blicken einer unsicheren Zukunft entgegen. Doch wie konnte es überhaupt soweit kommen? 

Ja zum Brexit Bei dem Referendum am 23. Juni 2016 spricht sich eine Mehrheit von 51,9 Prozent der Wähler für den Austritt Großbritanniens aus der EU aus: 17,4 Millionen Briten stimmen für den Brexit, 16,1 Millionen für den Verbleib. Damit wird das Vereinigte Königreich, das 1973 dem Vorläufer der EU beigetreten war, der erste Mitgliedstaat, der die EU verlässt.

Das Pfund stürzt ab Der überraschende Ausgang des Referendums trifft die Finanzmärkte hart: Weltweit brechen die Börsen ein, die britische Währung stürzt heftig ab. Das Pfund hat seit dem Ja der Briten zum EU-Austritt gegenüber Euro und Dollar 15 bis 16 Prozent an Wert verloren.

Cameron tritt zurück Einen Tag nach dem Referendum erklärt der britische Premierminister David Cameron, der für den Verbleib in der EU geworben hatte, seinen Rücktritt. Der Wortführer des Brexit-Lagers, Boris Johnson, verzichtet am 30. Juni überraschend auf eine Kandidatur für Camerons Nachfolge.

Brexit-Befürworter übernehmen die Regierungsgeschäfte Am 13. Juli wird Theresa May Premierministerin. Sie galt lange als EU-Skeptikerin, hatte sich vor dem Referendum aber dem Lager der Brexit-Gegner angeschlossen. May setzt den Austrittsbefürworter David Davis als "Brexit-Minister" ein. Brexit-Wortführer Johnson wird Außenminister, neuer Minister für internationalen Handel wird der EU-Skeptiker Liam Fox.

Widerstand in Schottland Am 15. Juli reist May nach Schottland, wo die Wähler mit einer Mehrheit von 62 Prozent für einen Verbleib in der EU gestimmt haben. Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon droht mit einem neuen Referendum zur Unabhängigkeit von Großbritannien.

Austrittserklärung bis Ende März Am 2. Oktober kündigt May an, bis Ende März den Austrittsantrag nach Artikel 50 des EU-Vertrags in Brüssel einreichen. Danach beginnen die auf zwei Jahre angelegten Verhandlungen über die Entflechtung der Beziehungen zur EU.

Juristische Entscheidung Am 3. November entscheidet der Londoner High Court, dass die Regierung die Verhandlungen mit Brüssel nur mit Zustimmung des britischen Parlaments einleiten darf. Am 24. Januar bestätigt Großbritanniens Oberstes Gericht die Entscheidung. Die Regierung behält ihren Brexit-Zeitplan trotzdem bei.

"Harter" Brexit Am 17. Januar kündigt May an, dass sie einen "harten Brexit" anstrebt. Mit dem Austritt aus der EU will Großbritannien zugleich auch den europäischen Binnenmarkt verlassen.

Begeisterung bei Trump Am 27. Januar wird May als erster ausländischer Staatsgast vom neuen US-Präsidenten Donald Trump im Weißen Haus empfangen. Trump lobt den Brexit als "wunderbare Sache" für Großbritannien.

Abstimmung im Parlament Am 14. März stimmt das britische Parlament für das von der Regierung vorgelegte Brexit-Gesetz. Zwei Tage später wird es von Königin Elizabeth II. unterzeichnet.

Schottische Unabhängigkeit Noch am 14. März kündigt die schottische Regierungschefin Sturgeon an, Ende 2018 oder Anfang 2019 ein neues Unabhängigkeits-Referendum zu organisieren. Am 16. März erklärt May, für eine solche Abstimmung sei dies "nicht der richtige Moment".

Offizielle Austrittserklärung Am 29. März übergibt der britische EU-Botschafter Tim Barrow in Brüssel den Antrag auf einen Austritt aus der EU. Dieser löst offiziell Artikel 50 des EU-Vertrags aus, der den Austritt aus der Union regelt. Damit läuft die zweijährige Frist, in der beide Seiten die Details des Brexit aushandeln müssen.

AFP

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