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Britney Spears sagt vor Gericht aus: „Ich bin traumatisiert“

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Von: Anna-Katharina Ahnefeld

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Britney Spears-Anhänger nehmen an einem Protest im Rahmen einer Gerichtsanhörung zur Vormundschaft der Popsängerin im Stanley Mosk Courthouse. Britney Spears hat in einer Anhörung vor Gericht ein Ende der seit 2008 bestehenden Vormundschaft über ihre Person und ihre Finanzen gefordert.
Britney Spears-Anhänger nehmen an einem Protest im Rahmen einer Gerichtsanhörung zur Vormundschaft der Popsängerin im Stanley Mosk Courthouse teil. © Chris Pizzello/dpa

Seit bereits 13 Jahren ist US-Sängerin Britney Spears entmündigt. In einer Gerichtsanhörung forderte sie das Ende. Und gibt erschütternde Details preis.

Los Angeles – „Ich will bloß mein Leben zurück“. Es sind erschütternde Worte, die eine der größten Popstars der Jahrtausendwende am Mittwoch von sich gab. Britney Spears. Per Telefonschalte war die 39-Jährige in ein Gericht zugeschaltet. Ihre Aussage dauerte nach Angaben von US-Medien knapp 30 Minuten – eine der ersten Male, dass Britney Spears ihr Schweigen brach. Hintergrund ist der immer stärker schwelende Vormundschaftsstreit mit ihrem Vater Jamie Spears. Seit 13 Jahren darf die Sängerin nicht mehr eigenständig über sich selbst und ihr Vermögen bestimmen.

Britney Spears: Vom Teenie-Star zur zutiefst verzweifelte Frau

Wie konnte aus dem einst fanatisch gefeierten Teenie-Star eine entmündigte und wohl zutiefst verzweifelte Frau werden? Die New-York-Times-Dokumentation „Framing Britney Spears“, die Anfang des Jahres erschien, legte offen, wie entmenschlicht der Umgang mit ihr offenbar ablief. Der Film zeichnet die kometenhafte Karriere der Sängerin bis hin zu ihrem Absturz nach. Dieser war, so das Narrativ, geprägt von Misogynie und Sensationsgeilheit der Öffentlichkeit. Und endete am 1. Februar 2008 in der Vormundschaft ihres Vaters Jamie Spears. Die damalige Begründung lautete auf psychische Probleme und Unzurechnungsfähigkeit. Seit 2019 hat Spears Vater aus gesundheitlichen Gründen die Vormundschaft an die Managerin Jodi Montgomery abgegeben. Seitdem entscheidet die über Britney Spears. Die Hoheit über ihr auf 60-Millionen-US-Dollar geschätztes Vermögen blieb jedoch bei Jamie Spears.

Seit Langem kursiert in sozialen Medien der Hashtag „FreeBritney“. Fans versuchen, in den teilweise kryptisch anmutenden Posts und Videos des Stars auf ihren sozialen Plattformen versteckte Hilfe-Botschaften zu entziffern. Nun ihre öffentliche Aussage vor der Richterin Brenda Penny. Bereits seit August 2020 läuft ein Rechtsstreit um ihr Vermögen, nachdem ihr Anwalt beantragt hatte, ihren Vater als Verwalter abzusetzen.

Britney Spears: Rechtsstreit über Vormundschaft der Sängerin – seit 2008 ist einstiger Teenie-Star entmündigt

Zu Beginn ihrer Aussage soll Britney Spears US-Medienberichten zufolge unterstrichen haben, dass sie wolle, dass die Öffentlichkeit davon erfahre. „Ich habe der Welt gesagt, dass ich glücklich und in Ordnung bin“, zitiert CNN sie bezüglich der bestehenden Vormundschaft. Doch: „Ich bin traumatisiert. Ich bin nicht glücklich, ich kann nicht schlafen“, so Spears, die virtuell zugeschaltet war und aus einem Brief vorlas. Weiter machte sie deutlich, dass sie ein Ende der Vormundschaft (Englisch: „Conservatorship“) wünsche – und ihre Familie für das, was sie ihr angetan habe, verklagen wolle.

Die Schilderungen, die folgen, sind erschreckend. Sie müsse gegen ihren Willen Lithium einnehmen. Ein starkes Medikament, das unter anderem zur Behandlung von Depressionen und bipolaren Störungen eingesetzt wird. „Ich fühlte mich betrunken, ich konnte mich nicht einmal mit meiner Mutter oder meinem Vater über irgendetwas unterhalten. Ich habe ihnen gesagt, dass ich Angst habe und sie ließen sechs verschiedene Krankenschwestern zu mir nach Hause kommen, um mich zu überwachen, während ich dieses Medikament nehme, das ich anfangs nicht einnehmen wollte.“

Niemand aus ihrer Familie helfe ihr. Alles, was sie tue, müsse von ihrem Vater genehmigt werden. Sie wolle ihren Freund, den Tänzer Sam Asghari, heiraten und mit ihm ein Kind bekommen. Dafür müsste ihr die Spirale, die zur Empfängnisverhütung eingesetzt sei, entfernt werden. Doch sie dürfe nicht zum Arzt gehen. „Diese Vormundschaft schadet mir viel mehr als das sie nützt.“ Die New York Times berichtete vor dem Gerichtstermin, dass Spears hinter den Kulissen bereits seit Jahren versucht, sich von der Vormundschaft zu befreien. Auch ist bekannt, dass Spears sich mittlerweile weigert, aufzutreten, solange ihre Vormundschaft besteht.

Weiter gab sie an: „Ich verdiene es, zwei bis drei Jahre Pause zu machen. Ich fühle mich zusammengetrieben, gemobbt, ausgeschlossen und allein. Ich habe es satt, mich allein zu fühlen. Ich verdiene es, die gleichen Rechte zu haben, ein Kind zu haben oder ähnliches.“ Wie unter anderem Variety schrieb, musste die Richterin Spears zweimal bitten, langsamer zu sprechen, damit der Gerichtsschreiber mit dem Protokoll hinterherkommt.

„FreeBritney“ – Britney Spears sagt vor Gericht in Los Angeles über Vormundschaft aus

Wie der US-Sender CNN berichtete, versammelten sich am Mittwoch – zeitgleich zur Gerichtsanhörung – in Los Angeles zahlreiche Fans und Aktivistinnen und Aktivisten für eine „#FreeBritney“-Demonstration. Auch landesweit fanden weitere Protestzüge statt. Die Menschen demonstrierten für das Ende der Entmündigung. Zahlreiche US-Stars sympathisieren mit der Bewegung, darunter US-Sängerin Miley Cyrus. Eine Entscheidung fiel an dem Tag nicht im Gericht. Britney Spears forderte jedoch einen selbstgewählten Rechtsanwalt. Aktuell wird sie von einem vom Gericht bestimmten Anwalt vertreten. Dieser sagte laut Variety aus, dass Spears ihn bisher nicht gebeten habe, offiziell das Ende der Entmündigung zu beantragen. Er würde es tun, wenn sie ihn damit beauftrage.

Es sind knapp 30 Minuten, in denen Britney Spears US-Medienberichten zufolge verzweifelt, hektisch und flehentlich sprechend verhandelt. Am Schluss ihrer Abrechnung fällt schließlich besagter Satz: „Ich will bloß mein Leben zurück“. (aka)

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