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Ein Gesicht des Krieges: Wie gelähmt und völlig verstört sitzt der kleine Omran aus Aleppo nach einem Luftangriff in einem Krankenwagen. Foto: Aleppo Media Center

Bruder des syrischen Jungen Omran erliegt Verletzungen

Das Bild des kleinen Omran aus Aleppo, der nach einem Luftangriff verstört auf seinem Stuhl sitzt, bewegte die Welt. Der Junge überlebte. Sein zehnjähriger Bruder aber erlag am Wochenende seinen schweren Verletzungen.

Damaskus (dpa) - Der Bruder des syrischen Jungen Omran, dessen Bilder nach einem Luftangriff in Aleppo um die Welt gingen, ist gestorben. Der Zehnjährige sei am Samstag seinen Verletzungen im Bauchbereich erlegen, die er bei demselben Angriff am Mittwochabend erlitten habe.

Das sagte der Fotograf der Szene, Mahmud Raslan, der Deutschen Presse-Agentur. Er habe die Familie getroffen und ihr sein Beileid ausgedrückt. Dem Fotografen zufolge war der Junge am Freitag nach einer Operation noch stabil. Sein Zustand habe sich am Samstag allerdings drastisch verschlechtert. Weitere Aktivisten und die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bestätigten den Tod.

Die Aufnahmen seines Bruders Omran hatten Menschen weltweit erschüttert. Auf einem Video des oppositionellen Aleppo Media Center (AMC) ist zu sehen, wie der Junge auf einem Stuhl im Krankenwagen sitzt, völlig in Staub eingehüllt, die Füße nackt. Er schreit nicht, er weint nicht, doch der Schock steht ihm ins Gesicht geschrieben - gerade durch diese Stille wirkt das Entsetzen so herzzerreißend.

Es sind Bilder, wie sie Ibrahim al-Hadsch von der oppositionsnahen Hilfsorganisation Weißhelme und seine Kollegen - alles freiwillige Helfer - fast jeden Tag zu sehen bekommen. "Ich kann der Welt sagen, dass es jeden Tag Dutzende Omrans in Aleppo gibt", sagte er vor dem Tod von dessen Bruder. "Unser Job wird mit jeder Stunde härter."

Die Weißhelme hätten vier Hauptstützpunkte in Aleppo, von denen sie rund um die Uhr zu Rettungseinsätzen ausrückten. An Tagen, an denen die Stadt bombardiert werde, flögen Kampfjets für gewöhnlich mehr als 40 Angriffe. Oft seien die Helfer dabei auch selbst in Lebensgefahr, erzählt Al-Hadsch. 47 der Weißhelme seien im Einsatz bereits getötet worden, 95 hätten Verletzungen erlitten. Und die Notfälle führten sie auch zu zerstörten Häusern in der Stadt, die sie sehr genau kennen. Weil es ihre eigenen sind.

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