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Stolz präsentiert der frühere FDP-Spitzenkandidat sein Buch "Jetzt rede ich".

Brüderle kehrt zurück

Berlin - Seinen persönlichen Tiefpunkt hatte Rainer Brüderle vor einem halben Jahr erreicht, als die FDP aus dem Bundestag flog. Am heutigen Mittwoch meldet sich der 68-Jährige wieder gut gelaunt zurück. Mit einem Buch.

Am 22. September 2013 war Rainer Brüderle ganz unten angekommen: Mit versteinerter Miene stand der FDP-Spitzenkandidat an der Seite von Philipp Rösler, Guido Westerwelle und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger auf der verhagelten Wahlparty im Berliner Congress-Centrum. Da war die FDP erstmals seit Kriegsende aus dem Bundestag geflogen. Ein gutes halbes Jahr später sitzt der 68-Jährige am Mittwoch gut gelaunt in einem anderen Tagungszentrum der Hauptstadt und trommelt für sein Buch, in dem er sich den Frust von der Seele schreibt.

Von den glücklosen FDP-Spitzenpolitikern war zuletzt wenig zu hören: Ex-FDP-Chef Rösler arbeitet für das Weltwirtschaftsforum, der frühere Außenminister Westerwelle betätigt sich seit neuestem im Kuratorium der Bertelsmann-Stiftung, Leutheusser-Schnarrenberger will Generalssekretärin des Europarats werden. Auch Brüderle zog sich in seine pfälzische Heimat zurück, um sich von einem schweren Knochenbruch und dem "bittersten Jahr" für ihn persönlich und "unsere FDP" zu erholen.

Am Mittwoch hat der Mann mit dem unverwechselbaren Nuschel-Akzent einen ungewöhnlichen Werbeträger für sein Buch "Jetzt rede ich" mitgebracht: Linken-Fraktionschef Gregor Gysi sitzt neben seinem einstigen politischen Erzrivalen auf dem Podium. "Er ist ein bisschen wütend, das macht die Sache nicht schlecht", fasst Gysi seine Lektüre zusammen.

Wütend - das ist Brüderle vor allem über den Umgang der Medien mit ihm in dem, was er die "Stern-Affäre" nennt: Die Journalistin Laura Himmelreich hatte Anfang 2013 in dem Magazin über anzügliche Bemerkungen Brüderles berichtet. Der Artikel trat eine Debatte über Sexismus los - und schädigte nachträglich seinen Wahlkampf. Bis heute mag Brüderle in seinem Verhalten gegenüber der Journalistin keinen Fehler erkennen: Die Kampagne des "Stern" sei "politisch motiviert" gewesen, schreibt er in seinem Buch, in dem er nach beharrlichem Schweigen erstmals überhaupt Stellung nimmt.

Auch am Mittwoch betont er, dass Himmelreich auch nach besagtem Abend noch mit ihm alleine im Auto gefahren sei. "Sie hatte also offensichtlich keine Angst vor mir." Als Opfer sehe er sich nicht, "aber ich wurde unfair behandelt". Doch eigentlich will Brüderle an diesem Tag nicht nur über die Affäre reden. Dafür allein habe er doch das 150-seitige Interviewbuch nicht gemacht. "Das Ausscheiden der FDP war eine Zäsur in der politischen Landschaft der BRD. Ich wollte einfach meine Sicht in die Beobachtungen mit einbringen."

Ausführlich schildert Brüderle in dem Buch die "depressive Stimmung" im FDP-Präsidium nach dem Wahldebakel im September und die Personalquerelen nach dem Niedergang in den Umfragen und dem Rücktritt Westerwelles. Damals den Posten des Wirtschaftsministers gegen den Fraktionsvorsitz einzutauschen, sei ihm nicht leichtgefallen - "aber Politik ist kein Wunschkonzert". Auch wenn er keine politischen Ämter mehr anstrebt und sich künftig lieber um seine neue Beratungsfirma kümmern will, sieht sich Brüderle immer noch als Parteisoldat.

Ob die neu aufgestellte FDP die Äußerungen ihres ehemaligen Spitzenmanns so gerne hört, bleibt unklar: Brüderle zitiert am Mittwoch ausgiebig den neuen Parteichef Christian Lindner, der ihn weiter als "wichtigen Ratgeber" schätze. Anders klingt indes Wolfgang Kubicki: Brüderles Buch helfe "der liberalen Sache nicht weiter, weil es ja nur rückwärtsgewandt sein kann", sagt der FDP-Vize in einem Interview.

Auch wenn Brüderle an diesem Tag wieder zurück ist in Berlin - die FDP ist bei Umfragewerten von drei bis vier Prozent davon noch weit entfernt. Da hilft es auch nicht wenn sogar Gysi sich wünscht, dass es in Deutschland "libertäres Gedankengut" brauche. Auch er fügt sogleich hinzu: "Aber ich weiß nicht, ob die FDP es schafft."

AFP

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