NSU-Prozess

Bundesanwaltschaft unterstützt Nebenklägerin

München - Im Streit um die Zulassung einer Nebenklägerin im NSU-Prozess hat die Bundesanwaltschaft ihre Meinung geändert. Vor Prozessbeginn war sie dagegen, die Frau als Nebenklägerin anzuerkennen - jetzt ist sie dafür.

Die Bundesanwaltschaft hat sich am Dienstag im Münchner NSU-Prozess dagegen ausgesprochen, einer Anwohnerin der Kölner Keupstraße die Anerkennung als Nebenklägerin in dem Münchner Verfahren zu entziehen. Das hatten die Verteidiger der Hauptangeklagten Beate Zschäpe vergangene Woche beantragt.

Das Votum der Bundesanwälte ist überraschend. Vor Beginn des Prozesses hatte die Anklagebehörde den Wunsch der Frau und ihres Anwalts noch abgelehnt. Dabei geht es um die Frage, ob die Frau tatsächlich zu den Opfern des Nagelbombenattentats im Juni 2004 zählt. Bei dem Anschlag waren 22 Menschen teils schwer verletzt worden. Die Frau befand sich während der Explosion in ihrer Wohnung und erlitt keine körperlichen Verletzungen. Ungeklärt blieb, ob psychische Probleme und eine Frühgeburt von dem Anschlag verursacht wurden oder andere Ursachen hatten.

Bundesanwältin Anette Greger sagte am Mittwoch, die Frau habe ein Recht auf Nebenklage, weil die Täter „alle Personen im potenziellen Streubereich“ der Nagelbombe treffen wollten, ganz gleich, wo sie sich tatsächlich aufhielten. „Bestimmend ist der Vorsatz der Täter“, erklärte die Anklägerin.

In einem Schriftsatz vom Dezember 2012 argumentierte die Bundesanwaltschaft noch anders. Darin heißt es, aus den Akten würden sich keine Hinweise auf Verletzungen ergeben, weshalb keine Voraussetzung erkennbar sei, die die Frau „zum Anschluss als Nebenklägerin berechtigen“ würde. Das Gericht hat über den Antrag der Zschäpe-Verteidiger noch nicht entschieden.

Außerdem wurde am Dienstag ein Zeuge gehört, der zum Unterstützerumfeld des NSU in Chemnitz zählte. Er sagte, die Chemnitzer Szene habe Kontakte in ganz Deutschland und international gepflegt. Er sei auch selber zu Veranstaltungen nach Bayern oder Baden-Württemberg gereist und habe dort andere Neonazis getroffen. Eine seiner Reisen habe ihn nach Heilbronn geführt, wo der NSU die Polizistin Michele Kiesewetter ermordet haben soll.

Die Bundesanwaltschaft wirft dem NSU zehn Morde und zwei Sprengstoffanschläge vor. Am Mittwoch soll ein führender Neonazi aus Kassel über die Verbindungen des NSU nach Hessen aussagen.

dpa

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