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Der griechisceh Premierminister Antonis Samaras bittet Kanzlerin Angela Merkel, Platz zu nehmen.

Rückenwind für Reformkurs

Merkel beschwört Griechenlands Chancen

Athen - Ausschreitungen wie beim Besuch der Kanzlerin 2012 wird es wohl nicht geben. In Athen will Merkel nun den Sparkurs des größten Krisenlandes im Euroraum loben - und für dessen Fortsetzung werben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist am Freitag zu einem rund siebenstündigen Kurzbesuch in der griechischen Hauptstadt Athen eingetroffen. Am Tag nach der Rückkehr des größten Krisenlandes im Euroraum an die Kapitalmärkte will Merkel den konservativen Ministerpräsidenten Antonis Samaras in seinem Sparkurs bestärken. Sie tat das schließlich mit den Worten: "Ich glaube ganz fest, dass nach einer sehr, sehr schwierigen Phase, die in Griechenland natürlich auch noch durchaus anhält für viele Menschen, in diesem Land unglaublich vieles an Möglichkeiten steckt, was noch gar nicht voll erfasst ist." Gerade in den für Griechenland klassischen Wirtschaftsbereichen Tourismus und Landwirtschaft stecke viel Potenzial.

Merkel informierte sich zu Beginn ihres Besuches gemeinsam mit dem griechischen Ministerpräsidenten Antonis Samaras bei einem Treffen mit jungen Unternehmern über die Bemühungen der griechischen Wirtschaft, in der Schuldenkrise wieder Tritt zu fassen. Zum Auftakt des Gespräches machte sie den jungen Firmengründern Mut: Auch nach der deutschen Wiedervereinigung habe es Schwierigkeiten für viele Menschen gegeben. Sie sei aber sicher: „Die Chancen und die Möglichkeiten überwiegen. Und ich bin ganz sicher, das wird auch in Griechenland so sein, trotz der schweren Wegstrecke.“ Am Abend (17.30 Uhr) wollen Merkel und Samaras die Öffentlichkeit über Ergebnisse ihrer Gespräche informieren.

Wegen ihres harten Sparkurses war Merkel bei ihrem Athen-Besuch mitten in der Schuldenkrise im Oktober 2012 von vielen Griechen persönlich für die schlechteren Lebensbedingungen verantwortlich gemacht worden. Ausschreitungen wie damals werden nun nicht erwartet. Die Polizei hat Demonstrationen im Regierungsviertel verboten.

Merkel hatte vor wenigen Tagen beim CDU-Europaparteitag ihre zentrale Botschaft für Samaras und die Griechen angedeutet. Griechenland gehe einen schweren Weg. „Aber wir stehen Griechenland zur Seite“, sagte sie. Ihr Sprecher Steffen Seibert erklärte kürzlich, die Kanzlerin bewundere den griechischen Weg. Zwar sei er für große Teile der Bevölkerung schwer, zeige nun aber erste Erfolge.

In Athen verbot die Polizei nach der Explosion einer Autobombe, die am Donnerstag Sachschäden angerichtet hatte, für Freitag alle Demonstrationen im Regierungsviertel. Gewerkschaften, die stärkste Oppositionspartei Bündnis der radikalen Linken (Syriza) und autonome Gruppierungen riefen zu Protesten auf.

Griechenland war am Donnerstag - fast vier Jahre nach dem Finanzkollaps - an die Kapitalmärkte zurückgekehrt. Erstmals seit dem Hilferuf an die Euro-Partner vertrauten private Investoren dem Land wieder längerfristig Geld an. Nach Angaben des Finanzministeriums in Athen wurden drei Milliarden Euro am Anleihemarkt eingesammelt, rund eine halbe Milliarde mehr als angepeilt.

Anleger erhalten für die neuen Staatspapiere mit fünfjähriger Laufzeit eine Nominalverzinsung von 4,75 Prozent. Das größte Krisenland im Währungsraum löst sich damit ein Stück weit vom Tropf der Geldgeber. In der Schuldenkrise war die Rendite zehnjähriger Papiere zeitweise auf über 30 Prozent gestiegen. Seit der Beinahepleite im Frühjahr 2010 war Griechenland vom privaten Kapitalmarkt abgeschnitten, weil Anleger wegen des finanziellen Desasters das Vertrauen in das Land verloren hatten.

Geldgeber und griechische Regierung reagierten erleichtert auf die Rückkehr an die Kapitalmärkte. Samaras warnte seine Landsleute aber zugleich davor, im Kampf gegen die Krise nachzulassen. „Macht keinen Fehler: Wir haben noch einen langen Weg vor uns“, erklärte der Ministerpräsident im griechischen Fernsehen. Die EU-Kommission begrüßte das Kapitalmarkt-Comeback genauso wie der Internationale Währungsfonds (IWF). IWF-Direktorin Christine Lagarde sagte in Washington, dies sei ein „Zeichen, dass Griechenland auf dem richtigen Weg ist“.

Kritik kam erwartungsgemäß von Alexis Tsipras, dem Chef der größten griechischen Oppositionspartei. Das Land brauche einen Schuldenschnitt, sagte der Vorsitzende der radikalen Linken. Die Bürger haben bislang wenig von den Fortschritten am Kapitalmarkt. Die wirtschaftliche Lage des Landes bleibt kritisch, die Arbeitslosigkeit beträgt 27 Prozent.

dpa

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