Kanzlerkandidaten Laschet, Baerbock und Scholz
+
Die Spitzenkandidaten für die kommende Bundestagswahl von CDU/CSU, Armin Laschet (l-r), Bündnis 90/Die Grünen, Annalena Baerbock, und SPD, Olaf Scholz

Das Parlament in Deutschland

Bundestagswahl und Bundeskanzlerwahl: Wann und wie wird der nächste Bundeskanzler gewählt?

Seit 2005 ist Angela Merkel im Amt, das sie nach der vorgezogenen Bundestagswahl 2005 von ihrem Vorgänger Gerhard Schröder übernommen hat. Wie funktioniert die Bundeskanzlerwahl 2021, bei der Merkel nicht mehr antreten möchte?

Berlin – Nach vier Legislaturperioden, in denen sie als Bundeskanzlerin gewählt worden ist, tritt Angela Merkel bei der Bundestagswahl 2021 nicht mehr als Kanzlerkandidatin der Unionsparteien an. Bei der auf die Bundestagswahl folgenden Bundeskanzlerwahl übernimmt daher auf jeden Fall ein anderer Kandidat das Amt. (Wahldaten, Liveticker, Hintergrundberichterstattung - alle Infos rund um die Bundestagswahl 2021 bekommen Sie in unserem Politik-Newsletter.)

Erst Bundestagswahl, dann Bundeskanzlerwahl

In Deutschland wählen die Bürger den Bundeskanzler nicht direkt. Stattdessen stimmen sie bei der Bundestagswahl über die Verteilung der Sitze im Parlament ab. Die vom Volk gewählten Vertreter stimmen im Anschluss an die Bundestagswahl darüber ab, welche Person als Bundeskanzler oder Bundeskanzlerin an der Spitze der Regierung stehen soll.

Die verschiedenen Parteien werden nicht nur aufgrund ihres Wahlprogramms und ihrer Haltung zu verschiedenen politischen Fragen gewählt. Für viele Bürger ist auch wichtig, wer der zukünftige Bundeskanzler werden soll. Daher küren die Parteien bereits Monate vor der Bundestagswahl und der Bundeskanzlerwahl einen Kanzlerkandidaten, der durch das Land tourt und Werbung für sich und seine Partei macht. Für die Bundestagswahl 2021 schicken die großen Parteien beispielsweise folgende Kandidaten ins Rennen:

  • CDU/CSU (Unionsparteien): Armin Laschet, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen
  • SPD: Olaf Scholz, Finanzminister der aktuellen Regierung
  • Grüne: Annalena Baerbock, Parteivorsitzende
  • FDP: Christian Lindner, Parteichef
  • AfD: Tino Chrupalla, Parteivorsitzender, und Alice Weidel, Fraktionsvorsitzende im Bundestag (als Doppelspitze)
  • Linke: Janine Wissler und Dietmar Bartsch (beide Bundesparteivorstand)

Bundeskanzlerwahl – der Ablauf

Nach der Bundestagswahl verfügt in der Regel keine Partei über ausreichend viele Stimmen und damit Sitze, um im Alleingang die Mehrheit zu stellen. Daher verhandeln Parteien, die ähnliche Ziele und Programme verfolgen, über die Bildung einer Koalition. Teil der Verhandlungsmasse ist dabei auch die Kandidatur zum Bundeskanzler. Der Ablauf der Bundeskanzlerwahl verläuft wie folgt:

  • Nach Gesprächen mit den verschiedenen Fraktionen im Bundestag schlägt der Bundespräsident Personen aus verschiedenen Parteien für die Kandidatur vor.
  • Die Abgeordneten stimmen im Anschluss ohne Aussprache über die Vorschläge ab.
  • Um die Bundeskanzlerwahl zu gewinnen, benötigt ein Kanzlerkandidat die absolute Mehrheit, das heißt, er muss mindestens die Hälfte aller Stimmen plus eine erhalten.
  • Ist kein Kandidat im ersten Wahlgang erfolgreich, hat der Bundestag 14 Tage Zeit, um mit absoluter Mehrheit einen Kanzler zu wählen, dabei ist die Zahl der Wahlgänge unbegrenzt.
  • Führt das nicht zum Erfolg, ist direkt im Anschluss ein Wahlgang durchzuführen, bei dem für den Sieg die einfache Mehrheit ausreicht (der Kandidat mit den meisten Stimmen gewinnt).

Die Amtszeit des neu gewählten Bundeskanzlers beginnt zu dem Zeitpunkt, an dem dieser durch den Bundespräsidenten ernannt wird.

Bundeskanzlerwahl – Amtszeit und Wiederwahl

Ist die Kanzlerwahl abgeschlossen, überreicht der Bundespräsident dem erfolgreichen Bewerber die Ernennungsurkunde. Die Amtszeit endet gewöhnlich mit dem ersten Zusammentritt des Bundestages einer neuen Wahlperiode.

Damit ist der Bundeskanzler als Spitze der Regierung ebenso vier Jahre im Amt wie die bei der vorhergehenden Bundestagswahl gewählten Abgeordneten. Allerdings ist es möglich, die Amtszeit zu verkürzen. Denn die Parlamentarier dürfen dem aktuellen Bundeskanzler während einer Legislaturperiode das Misstrauen aussprechen und ihn abwählen. Bei diesem sogenannten konstruktiven Misstrauensvotum ist direkt ein Nachfolger durch eine Wahl zu bestimmen. Das ist in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland bisher einmal geschehen. Helmut Kohl wurde so als Nachfolger von Helmut Schmidt zum Bundeskanzler gekürt.

Auf Merkur.de erfahren Sie vorab immer aktuell, was die Umfragen für die Bundestagswahl 2021 sagen. Darüber hinaus versorgen wir Sie mit allen wichtigen Daten und Zahlen auf unserer interaktiven Karte mit allen Ergebnissen für Wahlkreise und Gemeinden.

Auch interessant

Kommentare