Olaf Scholz (SPD), Bundesminister der Finanzen, spricht im Bundestag zu Beginn der Haushaltswoche
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Der ehemalige Hamburger Innensenator Olaf Scholz ist seit dem 14. März 2018 Bundesfinanzminister

Alles zu den Finanzen Deutschlands

Bundesministerium der Finanzen: Aufgaben und bisherige Minister

So werden die Finanzen in Deutschland geregelt. 

  • Das Ministerium gehört zu den sogenannten klassischen Ressorts.
  • Es ist unter anderem für den Entwurf des Bundeshaushalts verantwortlich.
  • Seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1949 gab es insgesamt 19 verschiedene Bundesfinanzminister.

Berlin – Wenn es in Deutschland um das Thema Geld steht, verantwortet es eine Institution – das Bundesministerium der Finanzen. All die öffentlichen Finanzen, die nicht nur ein Bundesland, sondern die ganze Republik betreffen, werden von diesem Ministerium geregelt. Doch welche Aufgaben hat das Ministerium genau? Und welche Minister für Finanzen gab es bisher in Deutschland?

Bundesministerium der Finanzen – Die Geschichte des Ministeriums

Das Ministerium der Finanzen gehört zusammen mit dem Innen-, Außen-, Verteidigungs- und Justizministerium zu den fünf ältesten Bundesministerien in Deutschland. Alle fünf Ministerien werden auch unter dem Oberbegriff „Klassisches Ressort“ zusammengefasst.

Die direkten Vorgänger des Finanzministeriums sind das kaiserliche Reichsschatzamt während der Kaiserzeit, das Reichsfinanzministerium während der Weimarer Republik sowie der gemeinsame Finanzrat, der 1947 entstand. Gegründet wurde das Bundesministerium der Finanzen in seiner heutigen Form nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949. Allerdings veränderten sich im Laufe der Zeit die Aufgaben der Institution immer wieder.

Nachdem 1969 beispielsweise das Bundessschatzministerium geschlossen wurde, übernahm das Bundesfinanzministerium einige Aufgaben von diesem. Außerdem wurde das Ministerium im Mai 1971 mit dem Wirtschaftsministerium zusammengeschlossen – es entstand das Bundesministerium für Wirtschaft und Finanzen. Allerdings wurde diese Entscheidung bereits im Dezember 1972 wieder rückgängig gemacht, da erkannt wurde, dass beide Aufgabenbereiche zu umfangreich waren, um sie zu einem Ministerium zusammenzufassen.

Bundesministerium der Finanzen – Dienstsitze des Ministeriums

Das Bundesministerium der Finanzen hat zwei verschiedene Dienstsitze. Der erste Dienstsitz ist das Detlev-Rohwedder-Haus, das sich im Herzen von Berlin in der Wilhelmstraße befindet. Das Gebäude wurde in den Jahren 1935 und 1936, also zu der Zeit des Nationalsozialismus, nach den Plänen des bekannten Architekten Ernst Sagebiel (2. Oktober 1892 - 5. März 1970) errichtet. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs diente es zunächst als Sitz für das Reichsluftfahrtministerium, ehe in der DDR in dort dann mehrere verschiedene Ministerien untergebracht wurden. Erst seit 1999 wird das Detlev-Rohwedder-Haus als Hauptsitz für das Bundesfinanzministerium genutzt.

Neben dem Hauptsitz in Berlin verfügt das Ministerium der Finanzen außerdem über einen zweiten Dienstsitz in Bonn. Der Standort in Bonn ist zurückzuführen auf die Zeit zwischen 1949 und 1990, in der die Stadt in Nordrhein-Westfalen die deutsche Hauptstadt war. Mit dem Umzug des Parlaments von Bonn nach Berlin verlagerte sich nach der Wiedervereinigung dann auch der Hauptsitz des Finanzministeriums.

Bundesministerium der Finanzen – Diese Minister für Finanzen gab es in Deutschland bislang

Der aktuelle Bundesfinanzminister Olaf Scholz ist der insgesamt 19. Vorsitzende des Bundesministeriums der Finanzen und zugleich Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland.

Die folgende Liste listet alle bisherigen Amtsinhaber in zeitlich aufsteigender Reihenfolge auf:

  • 1. Finanzminister: Fritz Schäffer, CSU, 20. September 1949 – 29. Oktober 1957
  • 2. Finanzminister: Franz Etzel, CDU, 29. Oktober 1957 – 14. November 1961
  • 3. Finanzminister: Heinz Starke, FDP, 14. November 1961 – 19. November 1962
  • 4. Finanzminister: Rolf Dahlgrün, FDP, 14. Dezember 1962 – 28. Oktober 1966
  • 5. Finanzminister: Kurt Schmücker, CDU, 8. November 1966 – 30. November 1966
  • 6. Finanzminister: Franz Josef Strauß, CSU, 1. Dezember 1966 – 21. Oktober 1969
  • 7. Finanzminister: Alex Möller, SPD, 22. Oktober 1969 – 13. Mai 1971
  • 8. Finanzminister: Karl Schiller, SPD, 13. Mai 1971 – 7. Juli 1972
  • 9. Finanzminister: Helmut Schmidt, SPD, 7. Juli 1972 – 15. Mai 1974
  • 10. Finanzminister: Hans Apel, SPD, 16. Mai 1974 – 15. Februar 1978
  • 11. Finanzminister: Hans Matthöfer, SPD, 16. Februar 1978 – 28. April 1982
  • 12. Finanzminister: Manfred Lahnstein, SPD, 28. April 1982 – 1. Oktober 1982
  • 13. Finanzminister: Gerhard Stoltenberg, CDU, 4. Oktober 1982 – 21. April 1989
  • 14. Finanzminister: Theo Waigel, CSU, 21. April 1989 – 27. Oktober 1998
  • 15. Finanzminister: Oskar Lafontaine, SPD, 27. Oktober 1998 – 18. März 1999
  • 16. Finanzminister: Hans Eichel, SPD, 12. April 1999 – 22. November 2005
  • 17. Finanzminister: Peer Steinbrück, SPD, 22. November 2005 – 28. Oktober 2009
  • 18. Finanzminister: Wolfgang Schäuble, 28. Oktober 2009 – 24. Oktober 2017
  • 19. Finanzminister: Olaf Scholz, 14. März 2018 – heute

Bundesministerium der Finanzen – Fakten zu den bisherigen Bundesfinanzministern

Das Bundesministerium der Finanzen gehört zu den wenigen obersten Bundesbehörden in Deutschland, in denen bisher noch keine einzige Frau, sondern nur Männer in der Leitungsposition eingesetzt wurden. Im Durchschnitt blieb ein Bundesfinanzminister für 1.397 Tage, also fast vier Jahre, in seinem Amt (Stand 2020). Theo Waigel (22.04.1939) war der Bundesfinanzminister mit der bisher längsten Amtszeit, ganze 3.476 Tage hatte er seinen Posten inne. Das Gegenstück zu Waigel bildet Kurt Schmücker (10.11.19191- 06.01.1996), der CDU-Abgeordnete war für nur 22 Tage Vorsitzender des Bundesministeriums der Finanzen.

Neben den 19 oben aufgelisteten Bundesfinanzministern gab es bislang außerdem zwei kommissarische Vorsitzende in dem Ministerium. Der erste kommissarische Bundesfinanzminister war Werner Müller (01.06.1946-15.07.2019), der für insgesamt 25 Tage vom 18. März 1999 bis zum 12. April 1999 im Amt war. Außerdem übernahm Peter Altmaier (18.06.1958), der derzeitige Bundesminister für Wirtschaft und Energie, vom 24. Oktober 2017 bis zum 14. März 2018 den Posten des Finanzministers kommissarisch.

Bundesministerium der Finanzen – Diese Aufgaben hat das Ministerium auf Bundesebene

Das Bundesministerium der Finanzen ist immer dann verantwortlich, wenn es um öffentliche Finanzen geht. So erstellt das Ministerium beispielsweise jedes Jahr den Regierungsentwurf für den Haushaltsplan. Das Geld für den Haushaltsplan erhält Deutschland durch Steuereinnahmen. Neben dem Haushaltsplan wird auch der Finanzplan vom Bundesministerium der Finanzen erstellt. In diesem Finanzplan werden, wie der Name schon sagt, Einnahmen und Ausgaben des Landes kalkuliert.

Weitere Aufgaben, die das Bundesministeriums der Finanzen auf der Bundesebene übernimmt, sind die Verwaltung des Vermögens des Landes, die Kontrolle des Münz- oder Briefmarkenwesens oder die Pflege der föderalen Finanzbeziehungen, also die Finanzbeziehungen zwischen Bund und Ländern im deutschen Föderalismus. Außerdem gehört der Zoll zu dem Bundesfinanzministerium. Durch Zollkontrollen an Flughäfen sowie an den Grenzen zu den deutschen Nachbarländern sollen zum Beispiel Produktpiraterie, das Schmuggeln von Waren wie Zigaretten oder Drogen oder aber Schwarzarbeit bekämpft werden.

Bundesministerium der Finanzen – Die internationalen Aufgaben des Ministeriums

Nicht nur auf nationaler, sondern auch auf internationaler Ebene übernimmt das Bundesministerium der Finanzen verschiedene Aufgaben, besonders auf EU-Ebene. So ist es beispielsweise verantwortlich dafür, die Währungspolitik und die Wirtschaftspolitik mit anderen EU-Mitgliedsstaaten abzustimmen. Es werden also Reformen des Finanzwesens erarbeitet, beaufsichtigt und reguliert. So soll ein solides Finanzsystem aufrechterhalten werden, das wiederum die Basis für wirtschaftliche Stabilität und für ein gutes Wirtschaftswachstum in der gesamten EU bildet.

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