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Steinmeier-Gegenkandidat provoziert Eklat mit Holocaust-Vergleich - FDP stellt Forderung an die Linke

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Von: Jonas Raab

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Der Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten der Linken, Gerhard Trabert.
Der Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten der Linken, Gerhard Trabert. © Kay Nietfeld/dpa

Ein Holocaust-Vergleich überschattet den digitalen Jahresauftakt der Linken. Der Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten bekommt Gegenwind.

Berlin - Historische Vergleiche mit dem Nationalsozialismus und dem Holocaust gehen nur in den seltensten Fällen nicht nach hinten los. Der Linken-Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, Gerhard Trabert, hat es dennoch gewagt. Der Sozialmediziner zog eine Parallele zwischen der sozialen Ausgrenzung armer und geflüchteter Menschen mit der Verfolgung von Juden in der NS-Zeit. Dafür hagelt es Kritik - inklusive einer Rückzugsforderung.

Beim digitalen Jahresauftakt der Linken am Samstag (15. Januar) zitierte Trabert einen jüdischen Jugendlichen, der 1945 im NS-Konzentrationslager Bergen-Belsen starb. In seinem Tagebuch hatte der Junge beklagt, dass die Gesellschaft das Schicksal der Juden ignoriere.

Linker Wunsch-Bundespräsident Trabert vergleicht Situation von Flüchtlingen mit Judenverfolgung

Dazu sagte Trabert: „Warum dieses Zitat? Wie damals viele Deutsche wussten, was mit den Juden geschieht, ist es heute so, dass wir wissen, was mit geflüchteten Menschen im Mittelmeer, in libyschen, in syrischen Lagern geschieht. Wir wissen, wie die Armut zunimmt, wir wissen um die erhöhte Sterberate von armen Menschen auch hier in Deutschland. Wenn man das reichste mit dem ärmsten Viertel vergleicht, sterben arme Frauen 4,4 und arme Männer 8,6 Jahre früher. Das ist alles ein Skandal.“

Die Ursachen lägen in der Wirtschafts-, Sozial-, Handels- und Außenpolitik, so Trabert weiter. „Wir dürfen nicht aufhören, dies, auch diese Form von struktureller Gewalt immer wieder zu benennen“, forderte der Linken-Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.

Gerhard Trabert: Linken-Kandidat für Bundespräsidentenwahl rudert bei Twitter zurück

Später stellte Trabert auf Twitter klar: „Es geht mir nicht um eine historische Gleichsetzung. Das von den Nationalsozialisten verursachte Leid vieler Menschen war unbeschreiblich größer und ist nicht vergleichbar. Aber die Tendenz des Wegschauens muss deutlich kritisiert werden. Mir geht es ums Hinschauen, gerade in der heutigen Zeit und um ein Lernen aus der Vergangenheit.“

Den Klarstellungs-Tweet wollten viele Nutzer des Kurznachrichtendienstes nicht gelten lassen. „Ein Vergleich mit dem Nationalsozialismus verbietet sich. Punkt“, schrieb ein User. Ein anderer fragte: „Klingt ja super, so für nen Bundespräsidenten in spe. Kommt dann nach jeder Rede der ‚Ich-rede-mich-raus-obwohl-ich-es-besser-wissen-müsste,-Thread?“

Die Linke: FDP-Mann Vogel fordert nach NS-Vergleich Rücktritt von Trabert

Die FDP reagierte in Person von Johannes Vogel auf Traberts NS-Vergleich. Vogel, erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion, forderte in der Welt am Sonntag Konsequenzen. „Es ist mir völlig unbegreiflich, dass sich immer wieder jemand findet, der geschichtsvergessene Vergleiche zur NS-Zeit zieht. Diese Äußerungen sind absolut inakzeptabel und ebenso wirr wie historisch entglitten.“

Mit seiner Äußerung disqualifiziere sich Gerhard Trabert selbstverständlich und für jeden offenkundig für das höchste Staatsamt, sagte Vogel weiter. „Die Linke sollte kritisch wägen, ob sie diese Kandidatur weiterträgt.“ Der parteilose Trabert war diese Woche von der Linken als Kandidat für die Wahl des Bundespräsidenten im Februar nominiert worden. Der Arzt arbeitet seit Jahrzehnten in der Gesundheitsversorgung von Obdachlosen und Flüchtlingen. (dpa/jo)

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