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Steinmeiers Gegenkandidaten bei der Bundespräsidenten-Wahl 2022: Dafür stehen Otte, Trabert und Gebauer

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Von: Cindy Boden

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Die Kandidaten für die Wahl des Bundespräsidenten: Gerhard Trabert, Max Otte und Stefanie Gebauer (v.l.n.r.)
Die Kandidaten für die Wahl des Bundespräsidenten: Gerhard Trabert, Max Otte und Stefanie Gebauer (v.l.n.r.) © Boris Roessler/-/Freie Wähler/dpa/FlorianGaertner/photothek.de/Imago

Nicht nur Frank-Walter Steinmeier will von der Bundesversammlung Mitte Februar zum Bundespräsidenten gewählt werden. Auch Linke, AfD und Freie Wähler nominierten Kandidaten.

Berlin - Fast sicher scheint, dass Frank-Walter Steinmeier vier weitere Jahre Bundespräsident bleibt. In einem gemeinsamen Schreiben schlugen die Partei- und Fraktionschefs der Ampel-Partner SPD, Grüne und FDP sowie die Unions-Spitzen den früheren SPD-Kanzleranwärter zur Wiederwahl vor. Ohne Gegenkandidaten wird der Amtsinhaber aber nicht in die Bundesversammlung am 13. Februar gehen: Linke, AfD und Freie Wähler haben ebenfalls Kandidaten nominiert. Alle Infos von der Bundespräsidentenwahl 2022 finden Sie im Ticker bei Merkur.de.

Bundespräsidenten-Wahl 2022: Steinmeiers Gegenkandidaten Trabert, Otte und Gebauer

So schlägt die Linke den Mainzer Sozialmediziner Gerhard Trabert (parteilos) vor. Die Parteivorsitzende Susanne Hennig-Wellsow bezeichnete den 65-Jährigen, der für sein Engagement für Obdachlose, Arme und Geflüchtete bekannt ist, auf Twitter als „Menschen der Tat mit großem Herzen“. „Professor Gerhard Trabert ist tagtäglich mit dem Arztmobil unterwegs, um obdachlose Menschen zu versorgen, war in vielen Krisengebieten als Arzt und Seenotretter tätig, wurde mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt“, schrieb wiederum Linksfraktionschef Dietmar Bartsch.

Trabert selbst sieht seine Kandidatur unter dem Slogan „Mehr soziale Gerechtigkeit wagen“. „Viele Politiker sind so weit entfernt von der Lebensrealität der Empfänger von Transferleistungen, dass sie nicht mehr nachvollziehen können, was es bedeutet, von Hartz IV leben zu müssen“, sagte er der dpa.

Kandidat Trabert, vorgeschlagen von den Linken: Er ist manchen von der Bundestagswahl bekannt

Es müsse Aufgabe eines Bundespräsidenten sein, das Thema der Ungleichheit in Deutschland stärker zu akzentuieren, findet Trabert. Gerade in der Corona-Pandemie werde viel zu wenig beachtet, dass Krankheit und Sterblichkeit sehr mit dem sozialen Status verbunden seien. Trabert warf der Bundesregierung außerdem vor, angesichts der Not von Flüchtlingen im Mittelmeer der humanitären Verantwortung Deutschlands in keiner Weise gerecht zu werden.

Der Mediziner ist Gründer und Vorsitzender des Vereins Armut und Gesundheit in Deutschland. Er nahm wiederholt an zivilen Einsätzen zur Seenotrettung von Migranten im Mittelmeer teil. Bei der Bundestagswahl 2021 sorgte Trabert bereits bei manchen für Überraschung: Er trat im Wahlkreis Mainz als Direktkandidat der Linken an - und holte aus dem Stand 12,4 Prozent der Erststimmen. Den Einzug in den Bundestag schaffte er damit aber nicht.

Kandidat Otte, vorgeschlagen von der AfD: Nominierung sorgte für viel Wirbel

Der zweite Gegenkandidat von Steinmeier, Max Otte, verursachte schon vor dem Wahltag viel Aufregung: Dass die AfD sich einen CDU-Politiker für ihre Nominierung aussuchte, erhitzte die Gemüter. Er erklärte mittlerweile seinen Rücktritt als Vorsitzender der Werteunion, einer erzkonservativen CDU-nahen Vereinigung. Die CDU-Spitze hat gegen den 57-Jährigen auch ein Verfahren zum Ausschluss aus der Partei eingeleitet. Otte war schon öfter die Nähe zur AfD vorgehalten worden. Bis Januar 2021 war er Kuratoriumsvorsitzender der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung.

Zudem kündigte Otte bereits an, sich nach der Kandidatur für das Bundespräsidentenamt aus der aktiven Parteipolitik zurückzuziehen. „Das Amt des Bundespräsidenten oder die Kandidatur steht über den Parteien und am Ende einer politischen Laufbahn. Was soll danach noch kommen?“, sagte der Ökonom der dpa. „Also bedeutet diese Kandidatur auch meinen Abschied von der parteipolitischen Bühne.“

Bundespräsidentenwahl 2022: Otte will Steinmeier ausstechen - er teilt das Anliegen des Kandidaten Trabert

Die Kandidatur nannte Otte „eine der ehrenwertesten Aufgaben und höchsten Würden im Land, die an einen herangetragen werden können“. Gegenkandidaturen würden traditionell dazu benutzt, um auf wichtige Anliegen im Land aufmerksam zu machen. Er sagte, er teile das Anliegen des Linken-Kandidaten Trabert, dem das Thema Armut und Verarmung der Mittelschicht wichtig sei. Zudem habe er, Otte, immer wieder Stellung gegen eine Einschränkung von Demokratie und Grundrechten im Zuge der Corona-Pandemie bezogen. er wende sich gegen die Verrohung des politischen Diskurses und eine zunehmende Ausgrenzung, erklärte der Fondsmanager.

Kandidatin Gebauer, vorgeschlagen von den Freien Wählern: Ihre Unbekanntheit könnte auch Vorteile haben

Nach einigem Hin und Her haben zehn Tage vor der Bundespräsidentenwahl auch die Freien Wähler noch eine eigene Kandidatin nominiert. Es ist die Physikerin Stefanie Gebauer aus Kremmen in Brandenburg, 41 Jahre alt. Gebauer sei „eine junge Powerfrau Anfang 40 aus der Kommunalpolitik, studierte Physikerin, die für die politische Mitte, Verantwortungsübernahme und Zukunftsoptimismus steht“, sagte Hubert Aiwanger, Chef der Freien Wähler, über sie. Die Landtagsfraktionen aus Bayern, Rheinland-Pfalz und Brandenburg hätten ebenfalls einstimmig für Gebauer plädiert.

Gebauer ist in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt: Sie ist Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung in Kremmen und seit 2021 wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Brandenburger Landtagsfraktion. „Gerade, weil ich nicht aus dem Berliner Politikbetrieb komme, sehe ich, dass Bürgernähe und der Wille zum echten Dialog nötiger denn je sind“, erklärte sie laut Mitteilung der Freien Wähler. „Dieser Wille ist gerade in den letzten Jahren leider immer mehr abhandengekommen. Ich möchte den Menschen Mut machen und insbesondere Frauen ermutigen, Verantwortung zu übernehmen.“

Was die Freien Wähler außerdem herausstellten: Gebauer sei im Kandidatenfeld nicht nur die einzige Frau, sondern auch die jüngste Kandidatin, die jemals für das Amt vorgeschlagen worden sei.

Bundesversammlung wählt Bundespräsidenten: Steinmeier, Trabert, Otte, Gebauer - wer wird es?

Die Bundesversammlung tritt am 13. Februar zur Wahl des Bundespräsidenten zusammen. Sie wird 1472 Mitglieder zählen - die 736 Abgeordneten des Bundestags und ebenso viele Personen, die die 16 Landtage entsenden. Das Ergebnis der Bundespräsidentenwahl wird es noch unmittelbar am Wahltag geben. Das Grundgesetz regelt übrigens, wer zur antreten darf: Laut Artikel 54 ist jeder Deutsche wählbar, der das Wahlrecht zum Bundestag besitzt und das vierzigste Lebensjahr vollendet hat. (cibo/AFP)

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