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FPÖ-Kandidat Norbert Hofer bei einer Rede während des Endspurts des Wahlkampfs.

Spannende Wahl zum Bundespräsidenten

Erst Brexit. Dann Trump. Jetzt Österreich?

Wien - Am Sonntag könnte in Österreich erstmals ein Rechtspopulist zum Bundespräsidenten gewählt werden. Der Ausgang der Wahl ist völlig offen.

Update vom 2. Dezember 2016: Am Sonntag wählt Österreich einen neuen Bundespräsidenten. Die österreichischen TV-Sender berichten Umfangreich vom Wahlausgang. Aber welche TV-Sender aus unserem Nachbarland kann man bei uns empfangen? Wir haben zusammengefasst, wie Sie die Berichte zu den Ergebnissen der Bundespräsidentenwahl in Österreich 2016 in Deutschland live im TV und Live-Stream sehen können.

Überraschende Abstimmungsergebnisse gab es in den vergangenen Monaten zuhauf: Die Briten stimmten für den Brexit, die Amerikaner wählten Donald Trump zu ihren neuen Präsidenten. Aus Österreich könnte jetzt der nächste Paukenschlag kommen: FPÖ-Kandidat Norbert Hofer liegt zwei Tage vor der Bundespräsidenten-Wahl in Umfragen gleichauf mit dem grünen Kandidaten Alexander Van der Bellen. Nach einem elfmonatigen, von Pannen, Pleiten und üblen Schlammschlachten geprägten Wahlkampf ist der Ausgang des Urnengangs am Sonntag in Österreich völlig offen. 

FPÖ-Kandidat Norbert Hofer oder der Grüne Alexander Van der Bellen? Wer macht das Rennen?

In der ersten Runde der Bundespräsidentenwahl im April hatte der 45-jährige Hofer die Kandidaten der Parteien aus dem Rennen geworfen, die die österreichische Politik seit Jahrzehnten dominierten. Die Bewerber der sozialdemokratischen SPÖ und der konservativen ÖVP schieden mit mageren elf Prozent aus. Stattdessen kam der meist höflich und lächelnd auftretende FPÖ-Vize mit rund 35 Prozent unerwartet auf den ersten Platz. 

Van der Bellen hatte schon gewonnen - dann klagte die FPÖ

Die Stichwahl im Mai gewann zwar der 72-jährige Van der Bellen zunächst mit einem hauchdünnen Vorsprung von 31.000 Stimmen, doch die rechtsgerichtete FPÖ zog wegen Unregelmäßigkeiten bei der Wahl vor Gericht - und bekam Recht. 

Fassungslos nahmen die österreichischen Wähler und der Rest Europas dann die nächste Panne zur Kenntnis: Die geplante Wiederholung der Stichwahl Anfang Oktober musste wegen eines nicht haftenden Klebers auf den Briefwahlumschlägen verschoben werden. 

Hofer-Plakate mit Hitler-Bärtchen beschmiert

Nun hoffen die Österreicher und auch die Kandidaten auf ein Ende des Dauerwahlkampfes, der teils bitterböse Züge angenommen hatte. Plakate von Hofer wurden mit Hitler-Bärtchen "verziert", die von Van der Bellen mit Hunde-Exkrementen beschmiert. Die Sicherheit für den grünen Kandidaten musste wegen Morddrohungen verstärkt werden. Ein unmoderiertes TV-Duell zwischen den beiden im Mai lief völlig aus dem Ruder. Nach einer Zeit der Zurückhaltung beschimpften sich beide im letzten TV-Duell am Donnerstagabend dann wieder mehrfach als "Lügner". 

Hofer profitiert von Flüchtlingsfrage

Hofer profitiert - trotz der inzwischen zurückgegangenen Flüchtlingszahlen - von der rechtspopulistischen Welle gegen Globalisierung und Einwanderer, die ganz Europa erfasst hat. Der 45-Jährige, der infolge eines Paragliding-Unfalls am Stock geht, tritt dabei weitaus gemäßigter in der Öffentlichkeit auf als andere FPÖ-Spitzenpolitiker. Seine Devise: "Hart in der Sache, verbindlich im Ton." Doch auch Hofer kann anders: Der Islam ist für ihn "kein Teil von Österreich" und seinen Gegner Van der Bellen beschimpfte er als "Kommunisten" und "grünen Diktator". 

Flüchtlinge, Homo-Ehe und Öxit: Sprüche von Rechtspopulist Hofer

Durch seinen Stil gelang es Hofer, konservative Wähler für sich zu gewinnen, die früher nie die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) gewählt hätten, welcher über lange Zeit Verbindungen zu Neonazis vorgeworfen wurden. Er präsentierte sich als neues Gesicht in der Politik, während der frühere Wirtschaftsprofessor Van der Bellen oft hölzern und mit seinen 72 Jahren veraltet erschien. 

Norbert Hofer könnte den Kanzler entlassen

Was ein Sieg Hofers genau bedeuten würde, ist unklar. Theoretisch hätte er als Präsident die Befugnis, SPÖ-Kanzler Christian Kern zu entlassen. "Sie werden sich noch wundern, was alles möglich ist", hatte Hofer vor der ersten Wahlrunde gedroht, eine Aussage, die er später bedauerte. Realistischer wäre ein Szenario, wonach die ungeliebte Zweckehe der großen Koalition in Wien nach einem Hofer-Sieg zerbrechen könnte. Dann würden sich vorgezogene Neuwahlen ankündigen: In Umfragen liegt die FPÖ derzeit als stärkste Kraft vorne.

afp

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