+
Die neue Variante des Elterngeldes Plus steht vor der Einführung. Foto: Frank Leonhardt

Bundestag beschließt Elterngeld Plus

Berlin (dpa) - Der Bundestag hat die Einführung des sogenannten Elterngeld Plus zum 1. Juli 2015 beschlossen. Damit trägt die Politik dem Wunsch vieler Frauen Rechnung, sich vom traditionellen Rollenbild der Hausfrau und Mutter zu verabschieden.

"Wir stärken damit allen jungen Eltern den Rücken, die gemeinsam für ihre Kinder da sein wollen", sagte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) am Freitag vor der Abstimmung im Bundestag.

Die neue Variante des einkommensabhängigen Elterngeldes bietet Müttern und Vätern die Möglichkeit, in Teilzeit zu arbeiten und trotzdem Unterstützung zu erhalten. Die Eltern bekommen zwar beim Elterngeld Plus nur halb so viel Geld pro Monat wie die Bezieher des regulären Elterngeldes. Dafür ist aber der Zeitraum, in dem die Familie Unterstützung erhält, mit 24 Monaten doppelt so lang.

Arbeiten Mutter und Vater beide jeweils zwischen 25 und 30 Stunden pro Woche, gibt es einen Partnerschaftsbonus. Das heißt, die Unterstützung wird noch für weitere vier Monate bezahlt.

Das herkömmliche Elterngeld wird weiterhin existieren. Eltern können sich künftig also entweder für eine der zwei Varianten entscheiden oder beide kombinieren. Sie können ihre Elternzeit zudem auf drei statt bisher zwei Zeiträume aufteilen. Außerdem wird es für die Bezieher von Elterngeld Plus möglich sein, einen Teil der bezahlten Auszeit später zu nehmen, und zwar bis zum vollendeten achten Lebensjahr des Kindes.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) erklärte, diese zusätzliche Flexibilität erschwere den Betrieben die Personalplanung. "Die Aufteilung der Elternzeit auf bis zu drei Zeitabschnitte ist insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen nur schwer zu organisieren", kritisierte die BDA.

Das Gesetz war wegen der Einwände der Arbeitgeber in diesem Punkt zuletzt noch etwas abgeschwächt worden. So wurde festgelegt, dass der Arbeitgeber es ablehnen kann, den dritten Zeitabschnitt der Elternzeit zu gewähren, wenn er dafür dringende betriebliche Gründe vorlegen kann.

Grüne und Linke bemängelten zwar, das Gesetz nehme zu wenig Rücksicht auf die Bedürfnisse von Alleinerziehenden und benachteilige die Bezieher von Sozialleistungen. Dennoch bezeichneten auch sie die Neuregelung als Schritt in die richtige Richtung.

In der Bevölkerung stößt das Elterngeld, das inzwischen mehr als fünf Milliarden Euro pro Jahr kostet, auf breite Zustimmung. Das geht aus dem "Monitor Familienleben 2014" des Instituts Allensbach hervor, dessen Ergebnisse der Nachrichtenagentur dpa in Auszügen vorliegen.

Danach halten 72 der Deutschen das Elterngeld für eine gute Regelung. Das neue Elterngeld Plus wird von 58 Prozent positiv bewertet. Nur 12 Prozent finden die geplante Regelung schlecht.

Auf die Beratungsstellen für Elterngeld kommt durch die Neuregelung noch mehr Arbeit zu. In Großstädten wie Berlin warten Eltern schon jetzt oft wochenlang auf einen Beratungstermin.

Gesetzentwurf

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

13 Menschen sterben bei Terror in Barcelona - Verdächtiger festgenommen
Ein Lieferwagen rast in Barcelona in eine Menschenmenge. Die Polizei spricht von einem Terroranschlag. Die Hintergründe der Tat sind noch unklar.
13 Menschen sterben bei Terror in Barcelona - Verdächtiger festgenommen
Barcelona-Anschlag: Tierbilder fluten Twitter - aus bestimmtem Grund
Die katalanische Metropole Barcelona wird vom Terror erschüttert. Hunderte Twitter-User wollen sich der Angst aber nicht beugen - und posten Tierbilder.
Barcelona-Anschlag: Tierbilder fluten Twitter - aus bestimmtem Grund
„Werden uns Terror nicht beugen“: Reaktionen auf Barcelona-Anschlag
Bei einem Terroranschlag in Barcelona sollen mehrere Menschen getötet und zahlreiche verletzt worden sein. Über Twitter bekunden Politiker, Sportler und Prominente ihr …
„Werden uns Terror nicht beugen“: Reaktionen auf Barcelona-Anschlag
Kommentar: Wahlkampf an der Grenze
Sind Deutschlands Grenzen unschützbar? Das behauptet nicht mal mehr die Kanzlerin. Nur die Grünen kämpfen unverdrossen weiter für offene Grenzen. Ein Kommentar von …
Kommentar: Wahlkampf an der Grenze

Kommentare