+
Gewässert und abgezogen: Andrea Niedernhuber vom SPD-Ortsverein Weilheim säubert die Plakatständer und mottet sie für die nächste Wahl ein.

Nachlese mit Zahlen und Fakten

Bundestagswahl: Bayerns Sieger und Besiegte

München - Nach der Wahl wird aufgeräumt. Wo die CSU am stärksten war. Wo die FDP noch Lebenszeichen zeigte. Und warum die Grünen ihre Leistungsträger beseitigte. Die große Wahlnachlese.

CSU: Stephan Mayer ist der Stimmenkönig der CSU: Der 39-jährige Bundestagsabgeordnete aus Altötting holte in seinem Wahlkreis 65,8 Prozent der Erststimmen – mehr als Peter Ramsauer (62,6) oder Gerda Hasselfeldt (55,6). Mayer – ledig, kinderlos – gehört bisher nicht zur ersten Garde der CSU, vielleicht ändert sich das jetzt.

Trotz Mayers Erfolg ist Oberbayern nicht die Bastion der Partei. 48,4 Prozent in Oberbayern sind zwar ein satter Zugewinn (plus 6,7), Rekordhalter ist jedoch Niederbayern (55,9) vor Schwaben (52,4). Noch mehr Zahlen: Mit ihren 49,3 Prozent in Bayern hat die CSU bundesweit 7,4 Prozent geholt. Das ist mehr als 2005 (6,5), aber weniger als bei Stoibers Bundeskanzler-Kandidatur (9,0). In der Ära Strauß waren sogar bis zu zehn Prozent bundesweit drin.

Wer könnte was in einer Großen Koalition werden?

Wer könnte was in einer Großen Koalition werden?

SPD: Im Bund haben die Genossen nichts reißen können. In Bayern sieht das ganz ähnlich aus. Zwar haben die Sozialdemokraten vielerorts zugelegt; im Wahlkreis München-Land etwa um drei auf 19,6 Prozent. Das ist – kurz – zu wenig zum Leben und zum Sterben zu viel. Es bewegt sich wenig. In Oberbayern erreicht die SPD mit 18,6 Prozent denn auch ein mittelmäßiges Ergebnis. Hochburg ist Mittelfranken: 25,1 Prozent.

Bundestagswahl 2013: Alle Infos und Hintergründe

FDP: Man fühlt sich ein wenig an dieses kleine gallische Dorf aus den Asterix-Comics erinnert. Wobei der Zaubertrunk diesmal wohl selbst in Grünwald (Kreis München) doppelt stark sein musste. Nun gut, immerhin 8,7 Prozent der 6367 Wähler in der Isartal-Gemeinde gaben ihre Erststimme der FDP und damit dem Direktkandidaten Jimmy Schulz. Bei den Zweitstimmen waren es sogar 19,5 Prozent. Die Bilanz könnte lauten: Auch hier sind die Verluste der Liberalen groß – 2013 waren es noch 20,1 Prozent Erst- und 30,7 Prozent Zweitstimmen. Aber sie fallen zumindest nicht so auf.

Grünwald als letzte Bastion der FDP? Als am Sonntagabend das Ergebnis der Gemeinde im Landratsamt München aufschien, konnte sich der SPD-Landtagsabgeordnete Peter Paul Gantzer einen Kommentar nicht verkneifen: „Immer diese Zahnarzt-Witwen.“ Polemisch, ja. Aber nicht ganz unwahr. Der Vorsitzende der Grünwalder FDP, Michael Ritz, gesteht selbst, das sei der knallharte Kern der Stammwählerschaft – „weniger kann’s eigentlich kaum werden“.

Ein wenig Balsam für die geschundene Liberalen-Seele dürfte das Gesamtergebnis in Oberbayern sein: Mit 6,1 Prozent Zweitstimmen ist er der stärkste FDP-Bezirk. In ganz Bayern erreichte die Partei 5,1 Prozent.

Grüne: Es gab Momente in den vergangenen Monaten, da hielten sich die Grünen für die neue Volkspartei. Bei Umfragen im Bund fuhren sie Ergebnisse über 20 Prozent ein. Umso mehr schmerzt der Sturz nach der Wahl. Zumal die Partei einige bayerische Spitzenkräfte im Bundestag verlieren wird.

Unter ihnen ist Hans-Josef Fell. Der 61-Jährige, der im unterfränkischen Wahlkreis Bad Kissingen angetreten ist, hat im Jahr 2000 mit dem SPD-Mann Hermann Scheer das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geschrieben. Seit 1998 sitzt er im Bundestag. Diesmal setzte die Partei ihren Experten auf Listenplatz 12. Zu weit hinten.

Fell sagt offen, die Grünen hätten sich in ihrer Umfrage-Euphorie bei der Vergabe der Listenplätze unprofessionell verhalten. Das Ergebnis: „Eine Partei, die ihre Leistungsträger nicht halten kann.“ Einen bösen Willen unterstellt Fell seiner Partei nicht. Allenfalls mangelnde Selbsteinschätzung. Die, sagt er, werde auch Konsequenzen für die politische Arbeit haben: „Es gibt jetzt weniger im Bundestag, die die Materie im Detail durchschauen. Das ist gefährlich für die Erneuerbaren.“

Immerhin: In Oberbayern hat die Partei mit 10,1 Prozent unter allen Bezirken am besten abgeschnitten. In Freising bleiben die Grünen sogar außerordentlich stark. 24,1 Prozent Erst- und 19 Prozent Zweitstimmen. Ein bisschen Volkspartei-Gefühl ist dann doch geblieben.

Die lustigsten Wahlkampfpannen der Politiker

Die lustigsten Wahlkampf-Pannen der Politiker

AfD: „Das war außerordentlich gut“ – die stellvertretende Landesvorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD), Brigitte Stöhr aus München, klingt alles andere als unzufrieden. Die AfD erreichte in Bayern 4,3 Prozent, in Oberbayern sogar 4,6 Prozent. Lokal waren die Ergebnise beachtlich – in Wahlkreisen wie Erding/Ebersberg, Starnberg, Weilheim und Fürstenfeldbruck/Dachau kam die Partei über fünf Prozent. In der Stadt Weilheim waren es sogar sieben Prozent. „Bei einer Europawahl wären wir jetzt im Parlament“, sagt Stöhr in Anspielung auf die dort geltende Drei-Prozent-Hürde.

Von Dirk Walter und Marcus Mäckler

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Medienpreis-Träger Obama ruft zum Kampf gegen Propaganda auf
Bei einer Gala in Baden-Baden feiern Hunderte Promis aus Medien, Sport, Showgeschäft und Politik den früheren US-Präsidenten Barack Obama. Zur Verleihung des Deutschen …
Medienpreis-Träger Obama ruft zum Kampf gegen Propaganda auf
Medien: Trump soll die Deutschen als „böse, sehr böse“ bezeichnet haben
Wieder einmal soll der mächtigste Mann der Welt über Deutschland gelästert haben - eine offizielle Bestätigung gibt es bisher jedoch noch nicht. 
Medien: Trump soll die Deutschen als „böse, sehr böse“ bezeichnet haben
Weißes Haus scheitert mit Berufung gegen Einreisestopp
Donald Trump scheint mit seinem Einreisestopp für Menschen aus sechs vorwiegend islamischen Ländern nicht weiter zu kommen. Am Donnerstag hielt ein Berufungsgericht in …
Weißes Haus scheitert mit Berufung gegen Einreisestopp
Republikaner-Kandidat schlägt Reporter am Tag vor Nachwahl
Helena (dpa) - Am Vorabend einer Nachwahl für das US-Abgeordnetenhaus ist der Kandidat der Republikaner wegen eines minderschweren Falles von Körperverletzung belangt …
Republikaner-Kandidat schlägt Reporter am Tag vor Nachwahl

Kommentare