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Die Linke hat ihr Wahlziel verfehlt.

Stimmen und Reaktionen zur Wahl

Kipping: "Großartiger Tag für die Linke"

Berlin - Vom Rekordergebnis der letzten Wahl bleibt die Linke weit entfernt. Auch die von Spitzenkandidat Gysi ausgegebene Zielmarke von zehn Prozent verfehlt sie. Zufrieden ist sie trotzdem.

Jubel gibt es bei der Wahlparty der Linken zunächst vor allem über das schlechte Ergebnis der FDP. Als der tiefrote Balken der eigenen Partei in der ersten Hochrechnung um 18.10 Uhr nur auf 8,3 Prozent steigt, bleibt es im Kesselhaus der Berliner Kulturbrauerei dagegen still. Viele hatten nach den letzten Umfragen gehofft, dass doch noch die von Spitzenkandidat Gregor Gysi ausgegebene Zielmarke von zehn Prozent erreicht werden könnte.

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Für die Parteiführung ist trotzdem klar, dass es Grund zum Feiern gibt. Das liegt vor allem daran, dass die Linke zu diesem Zeitpunkt gute Chancen hat, erstmals drittstärkste Kraft im Bundestag zu werden - vor den Grünen. „Wer hätte vor wenigen Monaten gedacht, dass wir uns mit den Grünen ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern“, sagt Parteichef Bernd Riexinger. Die Co-Vorsitzende Katja Kipping spricht von einem „ganz großartigen Tag für die Linke“.

Und spätestens als Gysi auf die Bühne tritt, und das Ergebnis als Erfolg wertet, glaubt es auch das Publikum und dankt es dem Spitzenkandidaten mit lauten „Gregor, Gregor“-Sprechchören. „Ich glaube wir haben einen beachtlichen Akzeptanzschub erreicht“, sagt er. Es dürfe gefeiert werden.

Jubel und Entsetzen: Die Bundestagswahl 2013

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Würde man das letzte Wahlergebnis als Maßstab nehmen, hätte die Linke eigentlich gar nichts zu feiern. Damals kam die gerade aus der westdeutschen WASG und der ostdeutschen Linkspartei/PDS neugegründete Partei mit Gysi und Oskar Lafontaine an der Spitze auf Anhieb auf 11,9 Prozent. Es folgte eine Zeit der innerparteilichen Streitereien, die die Partei an den Rand des Abgrunds brachte.

Der Tiefpunkt war der Göttinger Parteitag im Mai vergangenen Jahres, bei dem Gysi in seiner berühmt-berüchtigten „Hass“-Rede vor einer Spaltung warnte. Damals bangten viele Delegierte um den Wiedereinzug in den Bundestag. Das neue Führungsduo Kipping und Riexinger brachte wieder Ruhe in die Partei und die Wende in den Umfragen.

Dass es jetzt mehr als acht Prozent wurden, kann aber vor allem Gysi für sich verbuchen. Der 65-Jährige hat in seinem vielleicht letzten Bundestagswahlkampf mit 200 Reden, Interviews und Talkshow-Auftritten noch einmal alles gegeben. Die anderen sieben Spitzenkandidaten blieben in seinem Schatten. Selbst Sahra Wagenknecht konnte mit der Präsenz des Fraktionschefs nicht mithalten.

Gysi setzte erfolgreich auf eine Doppelstrategie: Die SPD angreifen, aber gleichzeitig für Rot-Rot-Grün werben. „Wenn es eine Mehrheit gibt jenseits von Union und FDP, muss man wenigstens miteinander reden“, sagte er immer wieder im Wahlkampf. Auch am Sonntagabend wiederholte er sich. „Für Gespräche stehen wir zur Verfügung.“ Solche Gespräche auszuschließen sei „albern und grotesk“, sagte er an die Adresse der Sozialdemokraten.

Wer in welchem Bundesland regiert

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Das zufriedenstellende Wahlergebnis wird den Fraktionschef auch innerparteilich stärken. In der neuen Wahlperiode wird es darum gehen, wer das Erbe von Gysi und Lafontaine in der Linken antritt. Als Wortführerin des vor allem in Westdeutschland verankerten radikalen Parteiflügels hat sich Sahra Wagenknecht als Nachfolgerin ihres Lebensgefährten Lafontaine in Stellung gebracht. Gysi will dagegen dafür sorgen, dass die ostdeutschen Pragmatiker die künftige Parteilinie maßgeblich bestimmen. Er würde sich Dietmar Bartsch in führender Position wünschen, der nach seinem Scheitern im Kampf um die Parteispitze im vergangenen Jahr weiter auf seine Chance wartet.

Eine erste Kraftprobe wird es Anfang Oktober bei der Wahl des neuen Fraktionsvorstands geben. Zweimal hat Gysi bereits verhindert, dass Wagenknecht an seine Seite in der Fraktionsspitze aufrückt. Der Verlauf des Wahlkampfs und das Ergebnis könnten dazu beitragen, dass ihm das erneut gelingt.

dpa

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