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Bernd Lucke (mit seinem Sohn) freut sich über das Ergebnis.

Stimmen und Reaktionen zur Wahl

AfD: "Merkel - wir kommen"

Berlin - Viele haben die Eurogegner der Alternative für Deutschland nicht ernst genommen. Das wird sich jetzt ändern. Das gute Ergebnis der AfD ist eine schlechte Nachricht für die Kanzlerin - so oder so.

Die Stimmung im Hotel „Maritim“ an der Berliner Friedrichstraße ist von Anfang an euphorisch. Die Sensation liegt in der Luft, lange Schlangen vor dem Biertresen. Ältere Herren mit Schlips und Einstecktuch, aber nicht nur. Dann die erste Prognose. Der Jubel ist grenzenlos, wie in einer Sporthalle. Die Eurokritiker von der Alternative für Deutschland (AfD) sind nahe der Fünf-Prozent-Hürde gelandet. Gesprungen oder gerissen, das war noch die Frage.

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„Merkel - wir kommen“, ruft der Berliner Kandidat Sari Saleh. Die Halle kreischt. Parteichef Bernd Lucke verteilt Blumen. Die AfD feiert sich schon einmal selbst. Der sich zugleich abzeichnende große Wahlsieg der Union ist zwar eine gute Nachricht für Angela Merkel, die damit Kanzlerin bleiben wird. Aber das starke Abschneiden der AfD wird ihr noch Kopfschmerzen bereiten. Vor allem dann, wenn die Eurokrise wieder ihr hässliches Haupt erhebt und neue Hilfen für Griechenland fällig werden.

Jubel und Entsetzen: Die Bundestagswahl 2013

Bis zuletzt hatte die Partei um den Wirtschaftsprofessor Lucke (51) darauf gehofft, dass die Umfragen vor der Wahl sie unterschätzt hätten. Mit Forsa-Chef Manfred Güllner gab es darüber sogar eine gerichtliche Auseinandersetzung. Am Ende schnitt die Partei tatsächlich besser ab als lange Zeit prognostiziert.

Experten hielten es von Anfang an für möglich, dass sich viele AfD-Wähler in der Öffentlichkeit nicht gerne zu ihrer Entscheidung bekennen - so wie es bei Parteien am Rand immer wieder vorkommt. Zwar wies die AfD-Führung die Einschätzung als rechtspopulistisch immer wieder zurück. Dennoch war sie wohl auch für Wähler von Rechtsaußen attraktiv - beim Thema Zuwanderung etwa formulierten Lucke und andere wohl bewusst zweideutig.

Betont optimistisch war der Parteichef schon bei der Stimmabgabe am Morgen in seiner Heimatstadt Winsen bei Hamburg - begleitet von seiner Frau Dorothea und vier von fünf Kindern. Er ließ sich die Stimmung weder von den Vorwürfen trüben, am rechten Rand nach Stimmen zu fischen, noch von drängenden Fragen nach der Finanzierung seiner Partei.

Viele, viele kleinere Spenden im vierstelligen Bereich wären da zusammengekommen, betont der Vorstand. „Wir hatten viel zu wenig Zeit und Geld“, sagt ein AfD-Funktionär am Sonntagabend bei der Wahlparty in einem Berliner Hotel, „aber wir haben einen Mitgliederwahlkampf hingelegt, wie ihn Deutschland noch nicht gesehen hat.“

Auffällig war schon, dass die AfD nicht nur einen gut organisierten, sondern auch einen finanziell gut ausgestatten Wahlkampf geführt hat. Gar nicht brav bürgerlich, sondern fast subversiv bemalten AfD-Anhänger in den letzen Tagen noch Berliner Bürgersteige mit der Parole „Mut zur Wahrheit - Alternative für Deutschland.“

Mit einer AfD im Bundestag würde das Problem für Merkel erst anfangen. Die Union mag an diesem Sonntag noch so gut abgeschnitten haben, die Präsenz der konservativen Eurokritiker im Parlament dürfte auch die entsprechenden Strömungen in der Union stärken.

Merkel müsste darauf keine Rücksicht nehmen, denn die Mehrheit in einer großen Koalition wäre komfortabel, aber das Risiko ist nicht von der Hand zu weisen, dass die AfD dann bei der nächsten Wahl noch besser abschneidet. Schon nimmt sie die Europawahl 2014 ins Visier.

dpa

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