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Hier gibt Angela Merkel ihren Stimmzettel ab.

Wahllokale seit 8 Uhr geöffnet

Hier wirft Merkel ihren Stimmzettel ein - und schweigt

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Deutschland wählt: Dass auch die nächste Bundeskanzlerin Angela Merkel heißen wird, daran lassen die Umfragen kaum Zweifel. Spannend aber wird es bei der Frage, mit wem sie regieren kann.

Berlin - Seit 8 Uhr haben in ganz Deutschland die Wahllokale geöffnet. Die Wähler entscheiden an diesem Sonntag über die Zusammensetzung des nächsten Bundestages und damit über mögliche Regierungskoalitionen in den nächsten vier Jahren. Dabei gilt eine Bestätigung von Angela Merkel (CDU) als Bundeskanzlerin trotz erwarteter Verluste für die Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD Umfragen zufolge als sicher. Mit Spannung wird aber erwartet, ob sich Merkel Regierungsbündnisse jenseits der großen Koalition bieten könnten.

Am frühen Sonntagnachmittag hatte Angela Merkel ihren Stimmzettel abgegeben. Die Bundeskanzlerin war gemeinsam mit ihrem Mann Joachim Sauer zum Wahllokal in der Humboldt-Universität in Berlin-Mitte gegangen. In einem orangeroten Blazer gab sie unter großer Medienbeteiligung ihre Stimme ab - und schwieg. Sie gab kein Statement ab, sondern sprach nach dem Urnengang nur kurz mit den Wahlhelfern. Ihr Mann trug ein schwarzes Sakko mit goldenen Knöpfen - zusammen mit einer grünen Krawatte.

Über alle Entwicklungen rund um die Bundestagswahl 2017 halten wir Sie in unserem Live-Ticker auf dem Laufenden.

Schulz: "Das ist die entscheidende Stimme"

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hatte bereits am Sonntagmorgen seine Stimme abgegeben. "Das ist die entscheidende Stimme", sagte er nach Angaben eines AFP-Reporters, als er in einem Wahllokal seiner Heimatstadt Würselen die Wahl-Unterlagen in die Urne warf. Begleitet wurde Schulz von seiner Ehefrau Inge. Der Kanzlerkandidat erschien im dunklen Anzug mit weißem Hemd und roter Krawatte, der Farbe der SPD. Für die Fotografen musste Schulz vor der Urne posieren. "Ich wähle auch zweimal", scherzte er.

Martin Schulz hat am Sonntagvormittag seine Stimme abgegeben.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dankte unterdessen den rund 650.000 Wahlhelfern. Sie trügen auch in diesem Jahr zu einem reibungslosen Ablauf der Wahl bei, sagte er am Sonntag bei der Stimmabgabe in Berlin. Steinmeier kam bei kühlem, regnerischen Wetter in Begleitung seiner Frau Elke Büdenbender in das Wahllokal in einer Grundschule im Stadtteil Zehlendorf. Dort reihten sich beide zunächst geduldig in die Warteschlange ein und redeten mit anderen Wahlberechtigten, ehe sie zur Wahl schritten. Steinmeier zeigte sich erfreut über die offenkundig rege Wahlbeteiligung, die er in der Schule erleben konnte.

In der Bild am Sonntag hatte das Staatsoberhaupt die deutschen aufgerufen, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. „Wahlrecht ist Bürgerrecht. Für mich ist es in einer Demokratie vornehmste Bürgerpflicht. Gehen Sie zur Wahl!“, schrieb er in der Zeitung.

Wie stark wird die Afd?

Alle Augen richten sich aber auch auf die Frage, wie stark die AfD wird? Das Ergebnis der Rechtspopulisten könnte den Wahlabend prägen. Politiker und Experten äußerten sich besorgt darüber, dass die rechtsnationale AfD erstmals und Umfragen zufolge sogar als drittstärkste Kraft in den Bundestag einziehen könnte.

In Sachen Wahlbeteiligung deutete sich nach ersten Zahlen eine Wahlbeteiligung etwa auf dem Niveau von 2013. Nach Angaben des Bundeswahlleiters war die Beteiligung bis zur Mittagszeit nahezu identisch mit der Wahl vor vier Jahren. Bis 14.00 Uhr hatten 41,1 Prozent aller Wahlberechtigten ihre Stimmen abgegeben. Bei der Bundestagswahl 2013 hatte die Beteiligung zu diesem Zeitpunkt bei 41,4 Prozent gelegen.

Merkel und die Herausforderer kämpften bis zum Schluss  

Merkel, ihr SPD-Herausforderer Martin Schulz und andere Spitzenkandidaten kämpften bis zuletzt um die Stimmen unentschlossener Wähler. Schulz warb am Samstag in Aachen noch einmal für einen Regierungswechsel unter seiner Führung. „Wir kämpfen bis zur letzten Minute“, sagte der 61-Jährige. Es gelte, eine „Regierung der sozialen Kälte“ und einen Erfolg der AfD zu verhindern. „Es droht zum ersten Mal seit 1945, dass im Bundestag wieder die Totengräber der Demokratie das Wort ergreifen“, warnte er.

Merkel besuchte zum Abschluss des Wahlkampfs ihren Wahlkreis in Mecklenburg-Vorpommern, wo sie vor vier Jahren 56,2 Prozent der Erststimmen erhalten hatte. Aufmerksam wird registriert werden, wie viele Stimmen sie dort am Sonntag an die AfD abgeben muss. Zuvor rief sie die CDU noch einmal zum Kampf um die Stimmen unentschiedener Wähler auf. „Viele entscheiden sich erst in den letzten Stunden“, sagte sie bei einem Treffen mit jungen CDU-Wahlkampfhelfern in Berlin. Deshalb gelte nun die Parole: „Ran an den Speck!“

61,5 Millionen Deutsche sind zur Wahl aufgerufen

Rund 61,5 Millionen Deutsche sind am Sonntag zur Wahl aufgerufen. Die Wahllokale haben von 8.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet. Letzte Umfragen sehen die Union zwischen 34 und 36 Prozent. Die SPD steht bei 21 bis 22 Prozent. Die AfD käme auf 11 bis 13 Prozent, die Linke auf 9,5 bis 11, die FDP auf 9 bis 9,5 Prozent. Die Grünen stehen bei 7 bis 8 Prozent.

Damit könnte neben einer neuen großen Koalition aus Union und SPD auch ein Jamaika-Bündnis aus Union, FDP und Grünen möglich werden. Bei der Bundestagswahl 2013 hatte die Union 41,5 Prozent bekommen, die SPD 25,7 Prozent, die Linke kam auf 8,6, die Grünen erreichten 8,4 Prozent. FDP (4,8) und AfD (4,7) scheiterten an der Fünf-Prozent-Hürde.

Letzte Entscheidungshilfe: Hier finden Sie den Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl 2017

Wie stark der erwartete Einzug der AfD in den Bundestag das politische Klima in Deutschland verändern wird, beschäftigt unterdessen Politiker und Experten. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bezeichnete die AfD als „Wolf im Schafspelz“. Der Verfassungsschutz verfolge, „ob sich Rechtsextremisten dieser Partei bemächtigen und ob sie Einfluss auf die Partei haben“, sagte er t-online.de.

Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, äußerte sich besorgt über die hitzige Stimmung vor allem in Ostdeutschland. „Diese Wut und der Hass, der dieser Tage auf der Straße zu beobachten ist, beunruhigt mich schon sehr“, sagte er der „Berliner Zeitung“ (Samstag). Befürchtungen gibt es auch beim Zentralrat der Juden in Deutschland. Dessen Präsident Josef Schuster sagte dem „Tagesspiegel“ er halte es für möglich, dass sich die AfD in Zukunft auch gegen Menschen jüdischen Glaubens wenden könnte.

Der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, erwartet jedoch, dass sich die AfD nach ihrem Einzug in den Bundestag rasch zerstreiten wird. „Die AfD wird sich zerlegen, weil das bei sektiererischen Gruppen vom rechten Rand bisher immer so war“, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

dpa

Hier finden Sie am Sonntag das Wahlergebnis sowie Karten aus allen Wahlkreisen Deutschlands

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