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Das untere Zitat legte die Junge Union Martin Schulz einfach in den Mund.

Bundestagswahl 2017

Junge Union macht Stimmung gegen Schulz - und fälscht einen Tweet

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Die Junge Union schaltet im Anti-SPD-Wahlkampf einen Gang hoch. Auf Facebook wurde Martin Schulz nun ein Zitat in den Mund gelegt.

München - Noch knapp zehn Wochen sind es bis zur Bundestagswahl 2017 am 24. September. Die Wahlprogramme von Union und SPD sind veröffentlicht worden, nun startet der Wahlkampf also in die heiße Phase. Da machen natürlich auch die Jugendorganisationen der Parteien mit. Doch die Junge Union hat es nun mit einem Facebook-Post offenbar etwas übertrieben. Und gerade in Zeichen von Fake News ein grenzwertiges Verhalten gezeigt.

Die Junge Union Bayern postete nämlich am Montag, als das politische Nachbeben zum G20-Gipfel in Hamburg im vollen Gang war, ein Bild in dem sozialen Netzwerk, welches zwei Zitate des SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz zu den linksextremen Chaoten zeigen sollte. „Die Bilder aus Hamburg sind erschütternd. Randale hat mit Politik nichts zu tun. Die Gewalttäter müssen zur Verantwortung gezogen werden.“ Darüber waren die Worte „Was Martin Schulz twittert“ zu lesen. So weit, so gut. Denn diesen Tweet von Martin Schulz gibt es tatsächlich. Auf seiner Twitter-Page - diese ist am blauen Haken hinter seinem Namen erkennbar - hatte er diese Worte am vergangenen Freitag gepostet. Zu diesem Zeitpunkt erreichten die Krawalle erstmals einen traurigen Höhepunkt.

Darunter war bei dem JU-Post allerdings noch ein weiterer Tweet zu sehen. Kommentiert mit den Worten „Was Martin Schulz vor hat“war dort zu lesen: „Wir empfinden Linksextremismus als aufgebauschtes Problem. Deshalb wollen wir mit deren politischen Fürsprechern ab September in Deutschland regieren.“ Gepostet wurden diese Worte angeblich von einem Profil mit den sichtbaren Namen Martin Schulz samt blauer Haken.

Das Problem ist nur: Der SPD-Parteivorsitzende hat diese Worte weder gesagt, noch getwittert. Wer genau hinsieht, dem fällt auf: Das erste Zitat wurde mit dem Account @MartinSchulz gepostet. Dieser Account existiert auch in der Realität und wird von Schulz benutzt. Der zweite Tweet stammt von dem Account „@therealmartinschulz“. Und dieser Account existiert nicht. Schon gar nicht als offiziell bestätigte Twitter-Seite. Womöglich ist der Name eine Anspielung auf den gerne unter dem Namen @realDonaldTrump twitternden US-Präsidenten. Bestimmt ist der Inhalt aber eine Anspielung auf die immer wieder mal umherschwirrenden Pläne der SPD, mit der Linkspartei und den Grünen ab Herbst regieren zu wollen.

Die Reaktionen unter dem Post der JU fielen reich an Kritik aus:

Bei den insgesamt 121 Kommentaren bis Mittwochmorgen zeichnete sich eine deutliche Anti-Haltung zu dem vermeintlich kreativen Ansatz der JU‘ler ab. Allerdings gab es auch User, die der Jungen Union ihre Zeilen so abnahmen:

Zudem wurde der Post 95 Mal geteilt. Und dies vermutlich nicht nur, um vor den Fake-Zitaten zu warnen.

Nicht zum ersten Mal machte die Junge Union mit einem fragwürdigen Post von sich reden. Auch im Herbst letzten Jahres hatte eine JU-Untergruppe schon einmal eine eher geschmacklose Bildkombination bei Facebook veröffentlicht, wie Sie bei Merkur.de* lesen können.

bix

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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