Bundestagswahl 2017

Sechs Männer, eine Frau - das sind Bayerns aussichtsreichste Spitzenkandidaten 

Bayerns Spitzenplätze für die Bundestagswahl am Sonntag werden parteiübergreifend von Männern dominiert. Nach den Karriereenden von Gerda Hasselfeldt (CSU) und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) kommt auf sechs Männer nur noch eine Frau. Ein Überblick:

JOACHIM HERRMANN, 61, CSU - hat nicht nur in seiner Partei viele Spitznamen. Nachdem der „schwarze Sheriff“, der auch gerne „Balu der Bär“ genannt wird, vor Jahren noch den Umzug auf die bundespolitische Bühne ablehnte, lockt ihn nun der Posten des Bundesinnenministers. Sollte er das Amt nicht bekommen, will Herrmann in Bayern bleiben. Für viele aus der Partei ist der loyale Unterstützer von CSU-Chef Horst Seehofer längst die personifizierte Obergrenze für Flüchtlinge. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) soll dem Franken wohlgesonnen sein. Herrmann ist ein sehr verschwiegener Politiker, der unangenehme Fragen gerne weglächelt oder einfach überhört.

FLORIAN PRONOLD, 44, SPD - muss sich nach seinem nicht ganz freiwilligen Abgang als Chef der Bayern-SPD ganz auf seine bundespolitische Karriere konzentrieren. Dabei dürfte dem in Passau geborenen Juristen helfen, dass er seit 2013 Staatssekretär im Bundesumweltministerium ist. In jüngeren Jahren war Pronold ein Rebell gegen die Agenda 2010 des damaligen SPD-Kanzlers Gerhard Schröder. Während Pronold im politischen Berlin von seinen Parteifreunden sehr geschätzt wird, musste er sich in der Heimat immer wieder Kritik anhören - nicht zuletzt, weil er es nicht schaffte, die SPD in Bayern zu stärken.

CLAUDIA ROTH, 62, GRÜNE - gehört zu den schillernsten und bekanntesten Vertreterinnen der Partei. Die Bundestagsvizepräsidentin ist bis heute eine der wichtigsten Integrationsfiguren der Grünen. Sie hat als Frau der ersten Stunde alle Hochs und Tiefs der Partei erlebt. 2013 wollte die frühere Managerin der Rockband Ton, Steine, Scherben den Spitzenplatz für die Bundestagswahl haben, konnte sich aber nicht durchsetzen. Obwohl die in Augsburg kandidierende Roth schon lange im politischen Berlin zu Hause ist, hat ihr Wort im bayerischen Landesverband noch immer Gewicht.

MARTIN HEBNER, 57, AFD - ist ein Spitzenkandidat, mit dem selbst in der eigenen Partei niemand gerechnet hatte. Der Diplom-Informatiker hatte sich auf dem Parteitag völlig überraschend gegen Landeschef Petr Bystron durchgesetzt. Im Landesvorstand Bayern war Hebner bis dato als Schriftführer gelistet, der sich auch mit programmatischen Fragen beschäftigt haben soll. Ein unbeschriebenes Blatt ist Hebner aber in der bayerischen AfD nicht: Der vierfache Vater ist Chef im AfD-Kreisverband Starnberg und dort auch Direktkandidat. Hebner gilt als großer Euro-Kritiker, bei Themen wie Asyl- oder Flüchtlingspolitik präsentierte er sich bislang eher gemäßigt.

DANIEL FÖST, 41, FDP - ist selbst außerhalb der bayerischen FDP weitgehend unbekannt. Er selbst bezeichnet sich als „kochbuchlesenden und Whisky sammelnden Familienmenschen, der Deutschland wieder bewegen möchte“. Der Landesgeneralsekretär passt als Unternehmer im Bereich Start-ups bestens in die FDP-Kampagne „German Mut“. Denn genau den propagiert der Mann aus der fränkischen Rhön: Für Föst verspielt Deutschland derzeit viele Chancen, weil seiner Meinung nach zu wenig Mut und zu wenig Geld in Bildung und Wissenschaft fließen. Föst lebt mit Frau und zwei Söhnen in München und wünscht sich einen Abbau von Bürokratie sowie einen neuen Gründergeist.

KLAUS ERNST, 62, LINKE - ist ein Gewerkschafter der alten Schule. Der Elektromechaniker ist seit 1972 Mitglied der IG Metall und war auch 30 Jahre in der SPD. 2004 wurde er ausgeschlossen, nachdem er sich für eine soziale Alternative zur SPD eingesetzt hatte. Ernst wünscht sich trotzdem eine rot-rot-grüne Regierung. Nach der Gründung der Linkspartei 2007 wurde er zunächst deren Vizevorsitzender, von 2010 bis 2012 war er Parteichef. Ernst ist seit 2005 Mitglied des Bundestages, seit Oktober 2013 stellvertretender Fraktionschef und Leiter des Arbeitskreises Wirtschaft, Arbeit und Finanzen. Seine Schwerpunkte sind Arbeits-, Sozial- und Gewerkschaftspolitik.

HUBERT AIWANGER, 46, FREIE WÄHLER - ist in seiner Partei als Chef der bayerischen Landtagsfraktion, Landes- und Bundesvorsitzender praktisch Alleinherrscher. Die in Deutschland einmalige Ämterhäufung darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Aiwanger in den eigenen Reihen wegen seines politischen Kurses - etwa beim Thema Asyl - auch viel kritisiert wird. Der ehemalige Schweinezüchter aus Niederbayern mit dem dunkel gefärbten Dialekt ist seit 2001 bei den Freien Wählern. 2013 war Aiwanger auch Spitzenkandidat bei der Landtagswahl in Bayern. Doch während die Freien Wähler in den Landtag einzogen, scheiterten alle bundespolitischen Ambitionen bislang deutlich.

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dpa

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