+
Wer wird Nachfolger von Kanzlerin Angela Merkel? Jens Spahn und Ursul von der Leyen werden als Kandidaten gehandelt.

Sie will noch vier Jahre regieren

Wer wird Nachfolger von Kanzlerin Merkel?

  • schließen

Wer wird Nachfolger von Kanzlerin Angela Merkel? Die Kanzlerin verspricht: Nach meiner Wiederwahl bleibe ich volle 4 Jahre. Und dann? 

Berlin - Angela Merkel macht den Kohl: Sollten sich die jüngsten Umfrage-Zahlen bestätigen, wird die CDU-Chefin auch die nächste Regierung führen. Und da die Kanzlerin in der ZDF-Sendung Klartext, Frau Merkel versprach, die volle Regierungszeit im Amt zu bleiben, wird sie dann den 16-Jahre-Rekord von Helmut Kohl brechen. Merkel erklärte im ZDF, dass sie auch den CDU-Vorsitz behalten wolle – „so weit es in meiner Macht steht“. Damit reagiert sie auf Spekulationen, dass sie zumindest den CDU-Vorsitz nach ihrer Wiederwahl zur Kanzlerin abgeben könnte, um so ihre „Thronfolge“ einzuleiten. Aber wie will Merkel ihre Nachfolge dann regeln? Wie will sie dem Kohl-Problem entgehen, so lange am Amt zu kleben, bis es einen innerparteilichen Aufstand gibt? Die tz schaute sich die möglichen Merkel-Erben näher an:

  • Annegret Kramp-Karrenbauer (54): Der Stern schreibt, dass die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer „Merkels Kronprinzessin für Parteivorsitz und Kanzleramt“ sei. Schon nach der gewonnenen Saarland-Wahl am 26. März 2017 kamen Spekulationen auf, dass die 54-Jährige „Merkels Nummer eins“ (so das Magazin Cicero) sei. AKK, wie sie in der CDU genannt wird, ist wie Merkel sachorientiert, unideologisch und drängt sich nicht in den Vordergrund. Und wie Merkel kann sie mit (fast) jedem regieren. So leitete sie die erste (an der FDP gescheiterte) Jamaika-Koalition mit FDP und Grünen. Ihr Manko: Als Regierungschefin des kleinen Saarlandes (seit 2011) ist sie bundespolitisch ziemlich unbekannt.

Jens Spahn: wir der Hoffnungsträger der Konservativen Nachfolger von Kanzlerin Merkel?

  • Jens Spahn (37): Er ist der Hoffnungsträger der Konservativen in der CDU, die vom liberalen Kurs Merkels schon lange die Nase voll haben. Seit einiger Zeit profiliert sich Spahn mit rechten Meinungen, besonders gegen Merkels Flüchtlingspolitik. Dem vergleichsweise jungen Finanz-Staatssekretär und CDU-Präsidiumsmitglied wird viel zugetraut – aber Merkel wird ihn sicher nicht fördern. In der Abiturzeitung gab der junge Spahn übrigens „Bundeskanzler“ als Berufswunsch an…
  • Julia Klöckner (44): Die rheinland-pfälzische CDU-Chefin gilt schon seit Jahren als mögliche Merkel-Erbin und tingelt eifrig durch die Talkshows, um ihren bundesweiten Bekanntheitsgrad zu erhöhen. Doch Klöckners Ruf hat durch ihre Niederlage bei der Landtagswahl am 13. März 2016 gegen SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer gelitten: Sie fuhr mit 31,8 Prozent das schlechteste CDU-Ergebnis der Landes-Geschichte ein, obwohl ihre Partei noch einen Monat vor der Wahl in den Umfragen bis zu zehn Punkte vorne lag. Auch Klöckner hatte sich in der Flüchtlingsfrage von Merkel distanziert, indem sie etwa eine Tages-Obergrenze gefordert hatte – auch das hat ihre Chancen, von Merkel selbst zur Kronprinzessin ernannt zu werden, nicht gerade erhöht.
  • Armin Laschet (56): Das ist bei dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten ganz anders: Laschet blieb selbst dann hundertprozentig loyal zu Merkel, als wegen schlechter Umfragewerte kurz vor der NRW-Wahl am 14. Mai 2017 die Rufe aus seiner Partei nach einem konservativeren, härteren Profil immer lauter wurden. Doch der NRW-CDU-Chef blieb bei seinem liberalen Flüchtlings- und Integrationskurs – und gewann die Wahl überraschend. Loyalität, Liberalität und trotzdem ein Sieger: das dürfte ihn aus Merkels Sicht zum möglichen Kronprinzen adeln.

Von der Leyen galt lange als aussichtsreichste Kandidatin für die Merkel-Nachfolge

  • Ursula von der Leyen (58): Sie galt lange als aussichtsreichste Kandidatin für Merkels Nachfolge – und dass die Kanzlerin sie auf den Schleudersitz des Verteidigungsministers gesetzt hat, war wohl der Testballon, ob von der Leyen auch Kanzlerin kann. Zwar überlebte sie bislang in dem schwierigen Amt – aber mit ihren öffentlichen Vorwürfen, das Offizierskorps habe ein Nazi-Problem, hat sie nicht nur bei der Truppe, sondern auch in der CDU dramatisch an Rückhalt verloren. Fazit: Chancen aufs Merkel-Erbe weitgehend verspielt!
  • Thomas de Maizière (63): Auch er galt lange als möglicher Merkel-Kronprinz. Doch mit seinem wenig sympathischen Auftreten, aber auch mit seinem unglücklichen Gebaren in der Terror- und Flüchtlingsfrage („Teile meiner Antwort könnten Sie verunsichern“) ist er eher keiner, der eine Kanzler-Wahl gewinnen kann.

Der Kohl-Rekord

Angela Merkel ist seit dem 22. November 2005 Kanzlerin. Sollte sie am 24. September erneut gewinnen, ist der Weg für sie frei, um den ersten Regierungschef der Bundesrepublik, Konrad Adenauer, zu überrunden. Adenauer war vom 15. September 1949 bis 16. Oktober 1963 Bundeskanzler, also etwa 14 Jahre und einen Monat. Diesen Wert würde Merkel im Fall ihrer Wiederwahl in der Weihnachtszeit 2019 erreichen. Bleibt Merkel dann wie angekündigt bis zum Ende der kommenden Legislaturperiode im Amt, fehlen ihr voraussichtlich nur noch wenige Tage bis zur Rekord-Regierungszeit Kohls. Dieser hielt vom 1. Oktober 1982 bis zum 27. Oktober 1998 durch - also gut 16 Jahre. Hinter sich gelassen hat Merkel bereits die SPD-Kanzler Helmut Schmidt (acht Jahre und viereinhalb Monate), ihren Vorgänger Gerhard Schröder (sechs Jahre und elf Monate) sowie Willy Brandt (vier Jahre und siebeneinhalb Monate). Die beiden CDU-Kanzler Ludwig Erhard und Kurt Georg Kiesinger regierten je rund drei Jahre.

Klaus Rimpel

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Ungewöhnlich und unangemessen“: Neue Zeugenaussagen belasten Trump schwer
Die Anhörungen für das Amtsenthebungs-Verfahren gegen Donald Trump laufen. Der Präsident spricht von einer „Hexenjagd“, doch nun belasten ihn neue Zeugenaussagen schwer.
„Ungewöhnlich und unangemessen“: Neue Zeugenaussagen belasten Trump schwer
Rückkehr der Gewalt zum Jahrestag der "Gelbwesten"-Proteste
In den letzten Monaten war von den "Gelbwesten" kaum noch die Rede. Den ersten Jahrestag wollte die Bewegung nutzen, um noch einmal Stärke zu zeigen. Doch wieder prägten …
Rückkehr der Gewalt zum Jahrestag der "Gelbwesten"-Proteste
Proteste im Iran: Verhaftungen und Parlaments-Sondersitzung
Der Iran ist der viertgrößte Ölproduzent der Welt. Dennoch ist nun Benzin rationiert und teurer geworden. Das sorgt für massive Proteste im Land. Die Führung will strikt …
Proteste im Iran: Verhaftungen und Parlaments-Sondersitzung
AKK stellt klar: Koalitionsvertrag wird nicht neu verhandelt
Knapp eine Woche ist es noch bis zum CDU-Parteitag. Die Vorsitzende stand zuletzt wiederholt in der Kritik. Ein neuer Landeschef hält ihre Position für "einigermaßen …
AKK stellt klar: Koalitionsvertrag wird nicht neu verhandelt

Kommentare