Übersicht über die konstituierende Sitzung des 19. Deutschen Bundestages im Plenarsaal im Reichstagsgebäude.
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Die diesjährige Bundestagswahl bringt einige Neuheiten mit sich – welche das sind, soll dieser Artikel zeigen.

Hätten Sie das gedacht?

Bundestagswahl 2021: Spannende und kuriose Fakten rund um die große Wahl

Von Teddybären als Wahlgeschenk, Erfrischungsgeldern und besonderen Regeln in der Wahlkabine: alles, was es an interessanten Informationen und kuriosen Fakten zur diesjährigen Bundestagswahl zu wissen gilt.

Berlin – Triell nach Triell, Interview nach Interview. Nicht nur bei den Kanzlerkandidaten Armin Laschet, Olaf Scholz und Annalena Baerbock steigt die Anspannung im Hinblick auf die bevorstehende Bundestagswahl. Auch für mehr als 60 Millionen Wahlberechtigte gilt es, bald ihre Stimme zu vergeben. Dabei birgt der diesjährige Wahlkampf einige interessante und kuriose Fakten, die in diesem Artikel zusammengefasst sind. (Wahldaten, Liveticker, Hintergrundberichterstattung - alle Infos rund um die Bundestagswahl 2021 bekommen Sie in unserem Politik-Newsletter.)

Interessante Fakten: Mit CDU, SPD und Grünen gleich drei Kandidaten im Rennen bei der Bundestagswahl

Traditionell entscheiden sich nur die Parteien für einen Kanzlerkandidaten, die auch Aussicht darauf haben, die Regierung zu bilden. Viele Jahre lang waren daher die Duelle zwischen den Kanzlerkandidaten der CDU/CSU und der SPD prägend für den Bundestagswahlkampf. Doch 2002 kam erstmals ein dritter Kanzlerkandidat hinzu und machte aus dem Duell ein Triell: Damals war es die FDP, die mit Guido Westerwelle als dritter offizieller Kandidat dem CSU-Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber und SPD-Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder Konkurrenz machte. Zur diesjährigen Wahl schicken die Grünen mit Annalena Baerbock erstmals eine dritte Kandidatin ins Rennen.

Konstellationen im Bundestag: Die Parteien im Wahlkampf um den Einzug in den Bundestag

Der Deutsche Bundestag besteht seit der letzten Wahl 2017 aus sechs Fraktionen, die von sieben Parteien gebildet werden. CDU und CSU ergeben dabei die Unionsfraktion. 96 Parteien haben sich um den Einzug in den Bundestag beworben - 53 Parteien hat der Bundeswahlausschuss zur Teilnahme an der diesjährigen Wahl insgesamt zugelassen. Neben den üblichen Großparteien finden sich darunter auch Gruppierungen wie beispielsweise die „Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer“ oder „Die Urbane. Eine HipHop-Partei“. Aber auch Parteien um einzelne Anwärter haben ihren Platz auf die Liste einiger Wahlkreise erreicht: so zum Beispiel die Initiative „Team Todenhöfer“ um den ehemaligen CDU-Mann Jürgen Todenhöfer.

Wie aus einer Analyse des Onlinemagazins „Flip“ hervorgeht, ist der durchschnittliche Bundestagsabgeordnete im jetzigen Bundestag männlich, weiß und 49 Jahre alt. Weibliche Abgeordnete bilden nur einen Anteil von 30,7 Prozent. Auch Abgeordnete mit Migrationshintergrund, niedrigerem Bildungsstand oder Behinderung sind im Bundestag aktuell nur wenig vertreten. Es bleibt also spannend, was die nächste Bundestagswahl für Ergebnisse liefert.

Fakten zur Bundestagswahl: Plätze im Bundestag und ihre Besetzung durch Abgeordnete

Für alle 53 zum Wahlkampf zugelassenen Parteien sieht das Wahlgesetz derzeit nur 589 Plätze im Parlament vor. Durch zahlreiche Überhang- und Ausgleichsmandate ist der 19. Bundestag mit 709 Parlamentariern derzeit der bisher größte Bundestag in der Geschichte der BRD. Da die Zahl der Plätze nach oben jedoch nicht begrenzt ist, könnte es auch passieren, dass der Bundestag nach der diesjährigen Wahl durchaus noch größer wird.

Bis Mitte 2023 soll eine Reformkommission für Abhilfe sorgen – es soll unter anderem weniger Wahlkreise geben. Für die diesjährigen Wahlen bleibt die Zahl der 299 Wahlkreise erstmal noch unangetastet – angefangen bei Schleswig Flensburg (1) bis Saarpfalz-Kreis (Wahlkreis 299).

Eine Übersicht zu den Regionen, Direktkandidaten und Ergebnissen der 46 bayerischen Wahlkreise finden Sie hier.

Spannung im Wahlkreis Potsdam: Zwei Kanzlerkandidaten rivalisieren um den Einzug ins Parlament

Im Wahlkreis Potsdam (61) kommt es zu einer Premiere: Zum ersten Mal in der bundesdeutschen Wahlgeschichte treten zwei Kanzlerkandidaten aus demselben Wahlkreis gegeneinander an. Sowohl Grünen-Chefin Annalena Baerbock als auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) kämpfen in Potsdam um ihren Einzug ins Parlament.

Aber auch in anderen Wahlkreisen könnte das Duell zwischen Direktkandidaten spannend werden: So tritt im Wahlkreis Leverkusen/Köln-Mülheim (101) SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach gegen das CDU-Vorstandsmitglied Serap Güler an, während in Südthüringen der ehemalige Biathlon-Weltmeister Frank Ullrich (SPD) und Hans-Georg Maaßen (CDU) im Wahlkreis 196 um ein Direktmandat kämpfen.

Interessante Fakten zur Bundestagswahl: Warum der 26. September als Wahltag festgelegt wurde

Im Allgemeinen muss der Wahltermin auf einen Sonn- oder Feiertag fallen. Den genauen zeitlichen Rahmen für die Bundestagswahl legt Artikel 39 des Grundgesetzes fest: Demzufolge muss es frühestens 46 und spätestens 48 Monate nach Beginn der aktuellen Legislaturperiode zur Neuwahl kommen. Da die Wahlperiode des 19. Deutschen Bundestages mit der konstituierenden Sitzung am 24. Oktober 2017 begann, liegt der Termin 2021 folglich zwischen dem 25. August und dem 24. Oktober.

Der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den Termin der diesjährigen Bundestagswahl folglich auf Sonntag, den 26. September 2021, festgesetzt. An diesem Tag sind die Wahllokale für alle Wahlberechtigten im jeweiligen Wahlkreis von 8 Uhr bis 18 Uhr zu Stimmabgabe geöffnet. Kurz nach Schließung der Wahllokale gibt es dann meist schon erste Hochrechnungen.

Fakten zur Bundestagswahl 2021: Bundestag wird als einziges Organ der deutschen Legislative direkt gewählt

Die Legislative (gesetzgebende Gewalt) in Deutschland besteht aus dem Bundestag und Bundesrat. Der Bundestag setzt sich aus den Ergebnissen der Erst- und Zweitwahl durch die wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger zusammen. Der Bundesrat hingegen besteht nicht aus direkt gewählten Vertretern des Volkes und kann daher nicht von den Wahlberechtigten direkt gewählt werden.

Ebenso wenig ist die direkte Wahl der Organe der anderen beiden Staats­gewalten Exekutive (ausführende Gewalt) und Judikative (Recht­sprechung) durch das Volk möglich.

Auch der Kanzler wird im Gegensatz zu den Bundestagsabgeordneten nicht direkt gewählt. Jedoch können die einzelnen Bürger durchaus Einfluss auf die Wahl des Bundeskanzlers nehmen. Denn: Die vom Volk gewählten Abgeordneten im Parlament stimmen letztendlich auch über den Bundeskanzler ab, der zuvor vom Bundespräsidenten vorgeschlagen wird.

Wahlberechtigung und Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl: Wer darf wählen und wie viele werden sich beteiligen?

Nach Schätzung des Statistischen Bundesamts werden am Wahltag (26. September 2021) rund 60,4 Millionen Deutsche wahlberechtigt sein – davon 31,2 Millionen Frauen und 29,2 Millionen Männer. 72,6 Prozent der Bevölkerung sind somit wahlberechtigt.

Tatsächliche sind 12,8 Millionen Wählerinnen und Wähler der diesjährigen Bundestagswahl älter als 69 Jahre, 10,2 Millionen zwischen 60 und 69 alt und 11,8 Millionen zwischen 50 und 59. Das heißt: 57,8 Prozent aller Wahlberechtigten sind älter als 49. Diese entscheiden dabei also maßgeblich, wie die Wahl am 26. September ausgehen wird. Die meisten Wähler (12,8 Millionen) kommen dabei aus Nordrhein-Westfalen – der Heimat von CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet, gefolgt von Bayern mit 9,4 Millionen. Rund 2,8 Millionen Menschen wählen bei einer Bundestagswahl zum ersten Mal.

Doch heutzutage nutzen leider nicht mehr alle ihr Wahlrecht. Bis in die 1980er Jahre war eine hohe Wahlbeteiligung in Deutschland von über 90 Prozent im Bund die Regel. Doch mit der ersten gesamtdeutschen Wahl 1990 ging die Quote deutlich zurück und sank in Bund und Ländern zum Teil auf historische Tiefstände – nur 70,9 Prozent waren es bei der Bundestagswahl 2009, 2017 immerhin schon wieder 76,2 Prozent. Damit stieg die Beteiligung zum zweiten Mal in Folge.

Wahlkampf bei der Bundestagswahl 2021: Teddybären, Zollstöcke und Polo-Shirts

Gerade jetzt in der heißen Phase des Wahlkampfs geben die Parteien alles, um auf den letzten Metern noch viele Wählerinnen und Wähler für sich zu gewinnen. Dabei greifen Parteien gerne auch mal zu ungewöhnlichen Mitteln: So wirbt die AfD in ihrem Shop mit Corona-Masken, Zollstöcken und beschrifteten Polo-Shirts, während die SPD ihr Glück mit Teddybären und die FDP mit Eiskratzern versucht.

Bundestagswahl 2021: Fakten zur Briefwahl

Seit 1957 ist es auch möglich, seine Stimme von zu Hause aus per Brief abzugeben – seit 2009 auch ohne Angabe eines wichtigen Grundes. Seitdem ist der Anteil der Briefwähler über die Jahrzehnte drastisch gestiegen: von anfangs 4,9 Prozent auf 28,6 Prozent bei der Bundestagswahl 2017. Das entsprach rund 13,4 Millionen Briefwählerinnen und Briefwählern. Fachleute gehen davon aus, dass dieses Jahr sogar mehr als die Hälfte aller Stimmen per Briefwahl abgegeben werden könnte.

Fakten zum Wahlzettel: Regeln und Besonderheiten bei der Bundestagswahl

Der Stimmzettel darf nur mit zwei Markierungen versehen werden: Eine Markierung bei der Erstwahl eines Direktkandidaten und eine bei der Zweitwahl einer Partei. Dafür kann sowohl ein Bleistift als auch Kugelschreiber oder Filzstift verwendet werden. Wie die Markierung dabei aussieht, ob Kreuz oder Haken oder eine andere neutrale Markierung ist dabei nicht relevant. Aber: Wenn nicht klar ist, wer gewählt wurde, wenn zu viele oder zu wenig Markierungen gesetzt wurden, der Stimmzettel anderweitig beschriftet oder aber ein Smiley-Gesicht anstelle einer neutralen Markierung wie einem Kreuz gemacht wurde, ist der Stimmzettel ungültig.

Hier gibt es weitere interessante Fakten zum Stimmzettel der Bundestagswahl:

  • Um Barrierefreiheit zu garantieren, ist die rechte obere Ecke der Stimmzettel gelocht oder abgeschnitten, damit Blinde Schablonen anlegen können, die das Lesen erleichtern.
  • Den „längsten“ Stimmzettel deutschlandweit – gemessen an der Zahl der aufgeführten Landeslisten (27) und Parteilosen (7) – gab es bei der Bundestagswahl 2017 im Wahlkreis Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg – Prenzlauer Berg Ost.
  • Nach dem alle Stimmen ausgezählt und das amtliche Ergebnis verkündet wurde, werden die gültigen Stimmzettel und andere Wahlunterlagen versiegelt bei der Gemeindebehörde gelagert. So kann auf die Ergebnisse erneut zugegriffen werden, sollten die Wahlergebnisse angefochten werden oder es Hinweise auf Manipulationen geben. Erst 60 Tage vor der nächsten Bundestagswahl – teilweise auch früher – können sie vernichtet werden.
  • Seit der Bundestagswahl 2017 sind Selfies in der Wahlkabine verboten. Dies soll vor allem dazu dienen, die Privatsphäre der Wähler und Wählerinnen zu schützen.

Merkel und ihr neuer Nachfolger: Wann kommt es zum Kanzlerwechsel?

Im Grundgesetz ist keine Frist festgelegt, bis wann ein neuer Kanzler gewählt sein muss. Der Zeitpunkt des Wechsels hängt von der Dauer der vorherigen Koalitionsverhandlungen ab. Da keine der Parteien die alleinige Regierung stellen wird – wie auch die aktuellen Umfrageergebnisse prognostizieren – wird es Koalitionsverhandlungen geben. Erst wenn die Koalitionspartner fertig verhandelt haben, kann es zu der Wahl des Kanzlers oder der Kanzlerin kommen. Interessanter Fakt: Zu der Bundestagswahl 2017 lagen aufgrund langwieriger Koalitionsverhandlungen 171 Tage zwischen der Bundestagswahl und der Wiederwahl Angela Merkels ins Parlament – so lange war der Zeitraum noch nie.

Bundestagswahl 2021: So teuer wie nie

Berichten zufolge plant das Bundesinnenministerium ein Budget von rund 107 Millionen Euro für die Bundestagswahl 2021, während die Kosten für die Bundestagswahl 2017 noch bei 92 Millionen lagen. Damit könnte die Bundestagswahl so teuer werden wie noch nie zuvor – und das auch wegen der Corona-Pandemie: So erwartet das Ministerium im Zuge der Pandemie einen Anstieg der Zahl an Briefwählern. Aber auch ehrenamtliche Wahlhelfer und -helferinnen – dieses Jahr rund 650.000 an der Zahl – bekommen ein sogenanntes Erfrischungsgeld von 25 Euro am Tag, Wahlvorstände erhalten 35 Euro. In Bielefeld ist das Erfrischungsgeld mit 80 Euro dabei am höchsten, wie das Unternehmen Taledo bei Analysen herausfand.

Im europäischen Vergleich steht Deutschland trotz hoher Kosten dennoch gut da: So hat die Wahl des britischen Unterhauses 2017 das Vereinigte Königreich umgerechnet etwa 159 Millionen Euro gekostet, die Parlamentswahl in Frankreich 2017 sogar mehr als 200 Millionen Euro.

Auf Merkur.de erfahren Sie vorab immer aktuell, was die Umfragen für die Bundestagswahl 2021 sagen. Darüber hinaus finden Sie hier eine interaktive Karte mit allen Ergebnissen für Wahlkreise und Gemeinden. (dpa/klb)

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