Kommentar-Fotocollage: links ein feixender Armin Laschet im Hochwassergebiet, rechts Merkur-Redakteur Christian Deutschländer
+
Merkur-Redakteur Christian Deutschländer kommentiert Armin Laschets Wahlkampf während des Hochwassers in Deutschland.

Kommentar zum Kanzlerrennen

Laschets Feixen dürfte zum Wendepunkt im Ringen mit Baerbock werden - die Umfragen sind trügerisch

  • Christian Deutschländer
    VonChristian Deutschländer
    schließen

Armin Laschet will gegen seine grüne Konkurrentin mit Regierungserfahrung punkten. Nun hat ihm in der Hochwasserkatastrophe das Format gefehlt, kommentiert Christian Deutschländer.

München - Die lange Kette von Politiker-Besuchen in den Flutgebieten könnte ein schales Gefühl hinterlassen. Ist das Katastrophentourismus? Wahlkampf-Inszenierung? Nein: In erster Linie ist es schon die dringende Pflicht der höchsten Repräsentanten von Bund und Ländern, mit eigenen Augen das Ausmaß der Verwüstung zu sehen.

Kanzlerin, Bundespräsident, Minister sollen Opfer und Helfer treffen, die Not abschätzen können – das verlangt der Respekt gegenüber den Betroffenen. Zu denen zählt übrigens auch die Gemeinschaft der Steuerzahler, die mit Milliarden(-Schulden) für die Flut-Folgen aufkommen wird. Es geht darum, dem Ernst der Lage gerecht zu werden.

Flut und Wahlkampf in Deutschland:

In genau dieser Mission entfaltet der feixende Armin Laschet eine verheerende Wirkung. Diese Bilder werden bleiben als einer der Eindrücke, den das Land aus dieser Krise mitnimmt: ein Landesvater, ein konservativer Kanzlerkandidat, dem in der Not Professionalität und Konzentration fehlen; also Format. Dieser Moment hat auf die Flut und ihre Bewältigung nicht den geringsten Einfluss, auf den Politiker Laschet und die Union aber großen. Es dürfte ein Wendepunkt im Wahlkampf sein.

Laschet hat, gegen den Rat der CSU, bisher auf Anti-Wahlkampf gesetzt, wenig Polarisierung, kaum Ecken, null Kanten. Mit seiner Regierungserfahrung wollte er punkten, sich vom grünen Neuling Baerbock und ihrem quälenden Biografie-Klein-Klein absetzen. Der Umfragevorsprung schien den CDU-Mann zu bestätigen, ist aber trügerisch. Einen Wahlkampf um Nebensächlichkeiten, um Stil- und Haltungsfragen, sollte Laschet meiden – er kann ihn spätestens jetzt nicht mehr gewinnen.

Auch interessant

Kommentare