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Gendern: Linke-Chefin Wissler sieht keinen Umfragen-Bezug – und will im Wahlkampf auf Wagenknecht setzen

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Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht bei der Aufzeichnung der Radio Bremen Talkshow „3 nach 9“ im Juni 2021 in Bremen
Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht hält die Gendersprachen-Debatte nicht für vorrangig. © gbrci/Future Image/Imago

Die Linke erzielt vor der Bundestagswahl schlechte Umfragewerte. Spitzenkandidatin Janine Wissler verriet jetzt im ZDF, dass ihre Partei die Popularität von Sahra Wagenknecht nutzen wolle.

Berlin  - Der persönliche Sprachgebrauch ist jeder Person selbst überlassen – könnte man meinen. Vor der Bundestagswahl positioniert sich das politische Personal aber auffällig oft zum Thema Gendern. Ist es wirklich so ein Politikum?

Armin Laschet hält vom Gendern persönlich wenig, aber es sei „in Ordnung, kann man machen, muss man nicht verbieten“, so der Unions-Kanzlerkandidat zur dpa. SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz ist gegen eine Verpflichtung zum Gendern im staatlichen Bereich. Und Sahra Wagenknecht urteilte für die Linke: „Solange sich Teile der Partei an Diskussionen um Lebensstilfragen und Gendersprache beteiligen, also an Debatten, die viele Menschen als belehrend empfinden, werden sich viele abwenden.“

Umfrage-Werte der Linken vor der Bundestagswahl: „Liegt nicht am Gendern“

Deren Spitzenkandidatin Janine Wissler sagte jetzt im ZDF: „Ich glaube nicht, dass es am Gendern liegt“. Es gebe keinen Zusammenhang mit den Umfragewerten ihrer Partei, so die Co-Parteichefin im „Sommerinterview“. In den Umfragen sei viel Luft nach oben, gab sie allerdings zu.

Linke-Parteichefin Janine Wissler gestikuliert im „Sommerinterview“-Gespräch mit ZDF-Journalistin Shakuntala Banerjee.
Linke-Parteichefin Janine Wissler im „Sommerinterview“-Gespräch mit ZDF-Journalistin Shakuntala Banerjee © Ralph Orlowski/dpa

Die Linke lag in diesen zuletzt bei sieben oder acht Prozent. Wissler und ihr Co-Spitzenkandidat Dietmar Bartsch hatten als Ziel für die Bundestagswahl ein zweistelliges Ergebnis ausgegeben.

Wissler sagte, man könne beides: soziale Ungerechtigkeiten deutlich machen – aber natürlich gehe es auch um eine sensible Sprache. „Aber es ist doch klar, dass man alleine über Sprache nicht Gesellschaft verändert, sondern wir müssen die zugrundeliegenden Probleme ändern.“

Bundestagswahl 2021: Wissler will Wagenknecht in den Wahlkampf einbeziehen

Hintergrund ist eine Debatte, die von der ehemaligen Fraktionschefin Wagenknecht, mit ihrem aktuellen Bestseller „Die Selbstgerechten“ angestoßen wurde. In dem Buch wirft sie linken Parteien vor, mit Gender-, Klima- und Bio-Essen-Debatten ihre Kern-Wähler zu verprellen. Gegen Wagenknecht hat Ende Juni ein Parteiausschlussverfahren in Nordrhein-Westfalen begonnen.

Wissler machte nun deutlich, dass sie Wagenknecht in den Wahlkampf einbeziehen wolle. Wagenknecht verfüge über eine hohe Popularität, fülle die Marktplätze und erreiche viele Menschen über soziale Medien. „Das müssen wir für die Partei nutzen.“ Wagenknecht stelle die richtige Frage, wie die Linke mehr Menschen erreichen könne - und vertrete das Wahlprogramm der Partei.

Linken-Spitzenkandidatin Wissler: „Müssen Vielstimmigkeit überwinden“

Um erfolgreich zu sein, sei nun Geschlossenheit nötig: „Wir müssen ein Stück weit auch Vielstimmigkeit überwinden.“ Wissler verwies auf die Linken-Forderungen nach einer Vermögensteuer, einem höheren Mindestlohn und dem Aus für die Rente ab 67. Für all diese Positionen gebe es breite gesellschaftliche Mehrheiten.

Wissler verteidigte zugleich das Nein der Linken zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr. Afghanistan, wo der Einsatz der Bundeswehr kürzlich beendet worden war, sei keineswegs friedlicher geworden. Warum solle nach diesem Scheitern ausgerechnet die Linke ihre Position hier überdenken, fragte die Parteivorsitzende. (dpa/AFP/frs)

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