Mathematiker klärt auf

Bundestagswahl 2021: So profitieren die Parteien von Nichtwählern

  • VonLucas Maier
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„Ich wähle aus Protest nicht!“ – Doch geht diese Annahme bei der Bundestagswahl 2021 auf? Ein Mathematiker widerspricht.

Kassel - Viele Menschen in Deutschland sehen in der Bundestagswahl 2021* eine Möglichkeit zur Veränderung: Deshalb unterstützen sie bei der Wahl die Partei, welche ihre Interessen am ehesten vertritt. In den vergangenen vierzig Jahren ist die Wahlbeteiligung bei Bundestagswahlen in Deutschland jedoch stark zurückgegangen. Ihren bisherigen Tiefstand erreichte die Wahlbeteiligung 2009, seitdem ist sie wieder leicht angestiegen.

Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage (Stand: 14.09.2021), wollen 25 Prozent der Befragten nicht wählen gehen oder sind noch unentschlossen. Doch auch nicht wählen zu gehen, hat einen Einfluss auf das Wahlergebnis am 26. September 2021. Der Mathematiker Prof. Dr. Christian Hesse erklärt, welche Parteien am meisten von den Nichtwählern profitieren dürften. In diesem Jahr geben viele Menschen ihre Stimme zur Bundestagswahl per Brief* ab.

Bundestagswahl 2021: Darum profitieren Parteien von Nichtwählern

Auch eine nicht abgegebene Stimme hat am Ende Einfluss auf das Ergebnis der Bundestagswahl 2021, so der Mathematiker Prof. Dr. Christian Hesse. Der in Harvard promovierte Professor für Mathematik forscht bereits seit Jahren im Bereich der mathematischen Wahlforschung. Aktuell ist er Professor der Mathematik an der Universität Stuttgart.

„Nicht-Wählen“ hat keinen Einfluss auf die Bundestagswahl 2021: Ein Trugschluss, mit dem Mathematiker Prof. Dr. Hesse aufräumt.

Der mathematische Effekt, den Nichtwähler auf eine Wahl, wie beispielsweise die Bundestagswahl 2021 haben, ist nicht zu vernachlässigen. Denn sinkt die Zahl der abgegebenen Stimmen, so kann jede Partei mit weniger absoluten Stimmen eine höhere Prozentzahl für sich erreichen.

Bundestagswahl 2021: Nichtwähler stärken die Extreme

Am meisten profitierten hier die kleinen Parteien. Denn diese hätten eine Kernwählerschaft, die generell immer zur Wahl gehe, so Hesse im WDR. „Besonders extreme Parteien mit leicht zu mobilisierender Stammwählerschaft können dann nach Prozentpunkten zulegen“, sagt der Mathematiker gegenüber der Bild. Vor allem Kleinparteien wie der III. Weg* oder die MLPD werden durch Nichtwähler demnach gestärkt.

Ist die Wahlbeteiligung niedrig, so können diese Parteien beispielsweise einfacher über die fünf Prozenthürde kommen, obwohl sich die Anzahl der Stimmen, die sie auf sich vereinigen konnten, nicht verändert hat, so der Mathematiker.

Bundestagswahl 2021: Welche Gründe haben Nichtwählerinnen und Nichtwähler

Die Gruppe von Nichtwählern sei eine sehr heterogene Gruppe. Hesse gibt verschiedene Beispiele dafür, warum Menschen ihre Stimme bei der Bundestagswahl 2021 nicht abgeben. Bei einigen sei es beispielsweise die Enttäuschung durch die Stammpartei:

Dazu gehören beispielsweise Menschen, die starke Anhänger einer Partei sind, von dieser Partei enttäuscht wurden, aber auch keine andere Partei wählen wollen.

Mathematiker Prof. Christian Hesse zu Nichtwählern gegenüber dem WDR

Einige verzichten auf die Partizipation bei der Bundestagswahl 2021, aus reinem Desinteresse. Rund 5 Prozent der Nichtwähler kommen ungewollt zustande, erklärt Hesse. Diese vergessen beispielsweise ihre Briefwahlunterlagen abzugeben oder werden am Wahltag krank. Ganz bewusst verweigern im Gegensatz dazu rund 8 bis 10 Prozent die Abgabe der Wahlstimme. Diese sehen im „Nicht-Wählen“ eine Protestform oder erkennen das Gewicht der eigenen Stimme bei der Bundestagswahl 2021 nicht, so der Experte. (Lucas Maier) *hna.de und fr.de sind Teil von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Mohssen Assanimoghaddam/DPA

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