Das große Rechnen beginnt

Koalitions-Spiele: Jamaika, Ampel und Co. - Wie viele Mandate braucht es für eine Mehrheit?

  • Anna-Katharina Ahnefeld
    VonAnna-Katharina Ahnefeld
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Der Bundestag galt bereits vor der Bundestagswahl als aufgebläht. Jetzt könnte er bald aus allen Nähten platzen. Grund dafür sind die Überhangsmandate.

Berlin – Gegen Montagmorgen dürfte die Auszählung der Stimmen erledigt sein. Erst dann wird feststehen, wie groß der neue Bundestag sein wird. Doch die Sitzverteilung im Bundestag ist ein durchaus komplexes Thema. Überhang- und Ausgleichsmandate werden dazu beitragen, dass das Parlament wächst. Der vorherige Bundestag hatte mit 709 Abgeordneten bereits eine XL-Größe. Doch kommt jetzt der Bundestag XXL?

Die Normgröße des Bundestags liegt eigentlich bei 598 Abgeordneten – 299 per Erststimme in den Wahlkreisen direkt gewählte Parlamentarier und 299 über die Landeslisten einziehende Abgeordnete. Doch dann gibt es noch die Überhangmandate. In der Folge des komplizierten Wahlrechts tragen sie diese dazu bei, dass die eigentliche Sollgröße des Parlaments drastisch überschritten wird. Überhangmandate entstehen, wenn eine Partei mehr Direktmandate erzielt als ihr nach dem Zweitstimmenergebnis zustehen. Die Parteien dürfen diese Sitze behalten. Damit sich die über das Zweitstimmenergebnis ermittelten Mehrheitsverhältnisse trotzdem tatsächlich im Bundestag abbilden, erhalten die anderen Parteien dafür Ausgleichsmandate. (Scholz oder Laschet? Letzte Prognosen und erste Ergebnisse bekommen Sie in unserem Politik-Newsletter.)

Wie groß wird der neue Bundestag? Parlament könnte durch Überhangsmandate weiter wachsen

Aktuellen Hochrechnungen zufolge liegt der neu gewählte Bundestag bereits über den vorherigen 709 Sitzen. Von der letztlichen Parlamentsgröße hängt ab, wie viele Sitze für eine Mehrheit nötig sind - und nach der jüngsten Wahlrechtsreform der GroKo könnten bis zu drei Überhangmandate unausgeglichen bleiben. Das endgültige Ergebnis steht jedoch noch aus und hängt von den Direktmandaten ab.

Mehr als zwei Drittel der Deutschen hielten bereits den vorherigen Bundestag für zu groß. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur sagten 71 Prozent, dass dem Parlament zu viele Abgeordnete angehörten. 11 Prozent sagten, sie hielten die Anzahl der Sitze für genau richtig. Nur 3 Prozent meinten, der Bundestag müsse vergrößert werden. 

Was bedeutet das für mögliche Koalitionen? Um zu regieren, braucht es eine Mehrheit. Möglich wären aktuell (Stand: 26. September, 22.45 Uhr) die Ampel aus SPD, Grünen und FDP, Jamaika aus Union, FDP und Grünen wären momentan ebenfalls machbar. Auch eine Wiederauflage der GroKo aus Union und SPD wäre eine Option – wenn auch unwahrscheinlich. Nicht reichen würde es dem aktuellen Stand zufolge für Rot-Grün-Rot, Rot-Grün, Schwarz-Gelb und Schwarz-Grün. (aka mit dpa und AFP)

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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