Sahra Wagenknecht hebt ihre Hand beim Linken-Bundesparteitag 2018.
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Erhält Rückendeckung aus der Parteispitze: Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht (Archivbild)

Partei-Spitze reagiert

„Schwerer Schaden“: Linke-Gruppe will Wagenknecht rauswerfen

Sahra Wagenknechts Buch „Die Selbstgerechten“ missfällt einigen Parteikollegen. Sie fordern einen Ausschluss für die Linke-Ikone. Die Parteiführung reagiert.

Berlin - Hat Sahra Wagenknecht der Linken „schweren Schaden“ zugefügt? Das behaupten mehrere Mitglieder der Partei und forderten am Donnerstag ein Parteiausschlussverfahren gegen die ehemalige Fraktionschefin. Die Parteispitze widerspricht der Idee aber entschieden.

Bundesgeschäftsführer Jörg Schindler erklärte am Freitag in einer Mitteilung „für die Partei“, man halte den Antrag „nicht für richtig und für nicht gerechtfertigt“. Schindler rief die Linke zur Geschlossenheit auf: Politische Kontroversen trage man durch den Austausch von Argumenten aus und nicht anders. In Wahlkampfzeiten habe die Auseinandersetzung mit den politischen Kontrahenten Vorrang.

Einen Tag zuvor war bekannt geworden, dass mehrere Parteimitglieder aus Wagenknechts Landesverband Nordrhein-Westfalen einen Ausschlussantrag gestellt hatten. Laut einem Bericht des Spiegel warfen sie Wagenknecht vor, von „elementaren Grundsätzen“ der Partei abzuweichen und der Linken „schweren Schaden“ zugefügt zu haben.

„Die Selbstgerechten“ von Wagenknecht verärgert Linken-Mitglieder

Als Belege führen sie Interview-Äußerungen Wagenknechts sowie Passagen aus ihrem Buch „Die Selbstgerechten“ an. Dort lasse Wagenknecht beispielsweise offen, ob sie nach der Bundestagswahl überhaupt noch in der Partei bleiben wolle. „Sahra Wagenknecht vertritt, wie hier nachweislich gemacht, ein eigenes, dem Programm der Linken in vielen Punkten widersprechendes Programm“, heißt es.

Weiter weisen die Kritiker dem Spiegel zufolge darauf hin, dass die NRW-Linke seit Wagenknechts Kür zur Spitzenkandidatin in dem Land 30 Prozent der Wählerstimmen in den Umfragen eingebüßt habe. Mehr als hundert Mitglieder seien aus dem Landesverband ausgetreten. Wagenknecht war auf einem Parteitag im April mit rund 60 Prozent der Stimmen nominiert worden.

Wegen ihres Buchs steht Wagenknecht bei der Linken seit Wochen in der Kritik. In den vergangenen Wochen hatte auch ein Streit zwischen Wagenknechts Lebensgefährten, dem früheren Linken-Bundesvorsitzenden Oskar Lafontaine, und seinem saarländischen Landesverband für Aufsehen gesorgt. (dpa/AFP/frs)

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