Bundestagswahl 2025: Verwirrung um Live-Frage an Weidel im ZDF – „hat gerade Nazi gesagt“
Bundestagswahl-Showdown im ZDF: Spitzenpolitiker stellen sich live Zuschauerfragen. In einer Situation mit AfD-Kandidatin Weidel gibt es Verwirrung im Studio.
Berlin – Von Migrationsdebatte bis Wirtschaftsflaute: Vor der Bundestagswahl 2025 am 23. Februar klagen viele Menschen in Deutschland über dieselben Probleme. Eine Möglichkeit, sich direkt an die Politikerinnen und Politiker im Wahlkampf zu wenden, ist für viele oft selten. Das ZDF wollte einigen Personen exakt diese Möglichkeit bieten – und das live. In der Sendung „Wie geht‘s, Deutschland?“ schaltete man daher viele Personen in eine Live-Runde mit zahlreichen Spitzenköpfen der Politik, damit sie ihre Fragen stellen können.
„Wie geht‘s, Deutschland?“: Politik-Prominenz beantwortet live im ZDF Zuschauerfragen
Eine hochkarätige Runde stand bereit, um die Probleme aus dem Kreis der Zuschauer zu beantworten. Das System war recht einfach: Die Moderatoren Dunja Hayali und Mitri Sirin riefen Zuschauer auf, die dann ihre Fragen an die Politik-Prominenz stellen durften. Die gefragte Person erhielt dann 45 Sekunden, um zu antworten. Danach wurden die zugeschalteten Personen gefragt, ob die Antwort zufriedenstellend war.

Außenministerin Annalena Baerbock war als Vertreterin der Grünen dabei. Mit Sahra Wagenknecht kam die Chefin des BSW höchstpersönlich in die Runde. Die SPD schickte Parteichef Lars Klingbei. Von der CSU kam Fraktionsvorsitzender Alexander Dobrindt. Thorsten Frei, erster parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion, kam für die CDU. Parteichef Christian Lindner vertrat die Seite der FDP. Jan van Aken, Co-Vorsitzender der Linken, war für seine Partei dabei. Mit Alice Weidel von der AfD war sogar eine Kanzlerkandidatin in der Runde vertreten. Um Letztere gab es einen kuriosen Moment.
ZDF-Sendung zur Bundestagswahl: Bremerin stellt Kita-Frage – dann gerät das Studio aus dem Konzept
Eine zweifache Mutter aus Bremen, selber berufstätig, sprach über „Politikversagen im Bereich der frühkindlichen Bildung“. Für sie stehe auch durch den Fachkräftemangel „das System Kita vor dem Kollaps“, Betreuungszeiten würden gekürzt werden, Fachkräfte würden immer mehr überlastet. Berufstätige Eltern seien davon betroffen, man könne sich eben nicht wie gewünscht dem Job widmen. Viele, denen es wie ihr gehe, würden gerne mehr arbeiten können und wollen, haben aber eben keine Möglichkeit dazu.
Laut ihr sei besonders die SPD-geführte Bildungspolitik in Bremen „katastrophal“. Ausgerechnet in dieser Lage käme die AfD mit Vorschlägen, „dass die Frau zurückgeht an den Herd, dass wir wieder in ein Rollenbild der 50er-Jahre fallen“. Ihre Frage: „Wie kann Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Realität, realitätsnah funktionieren, ohne dass wir in ein Klischee-Rollenbild der 50er-Jahre wieder zurückfallen?“ Nach dieser Fragestellung geriet das Studio aus dem Konzept.
„Der hat gerade Nazi gesagt“: Verwirrung nach Frage an Weidel im ZDF – Moderatorin greift ein
Die Moderatoren der ZDF-Sendung, Dunja Hayali und Mitri Sirin, reichten die Frage direkt an AfD-Kandidatin Weidel weiter. Plötzlich ertönte eine Stimme aus dem Off, offenbar von einer anderen zugeschalteten Person, die sich einmischte. Gerade als Weidel zur Antwort ansetzte, sagte die Stimme: „Ja, kommen Sie da mit Nazi-Ideologie jetzt weiter? Das ist echt spannend“. Weidel bekam das mit, war völlig überrascht.
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Auch das Moderations-Duo griff ein: „Können wir das bitte sein lassen?“, fragte Hayali in die Runde der Zugeschalteten und entschuldigte sich und bat darum, bitte erst aussprechen zu lassen. „Der hat gerade Nazi gesagt“, schob eine perplexe Weidel hinterher. Hayali versuchte etwas, die Situation zu überspielen, bat Weidel: „Machen Sie bitte einfach weiter“.
Nach „Nazi“-Verwirrung beantwortet Weidel Frage im Bundestagswahl-Talk – Zuschauer nicht zufrieden
Zur Antwort kam Weidel dann auch noch. Laut ihr stünde im AfD-Wahlprogramm die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen „an erster Stelle“. Sie wolle, dass Kita-Gebühren vom Staat getragen werden. „Der Staat hat offensichtlich genug Geld, dann müssen wir mehr für Kita-Plätze in die Hand nehmen“, sagte Weidel und kassierte einen ungläubigen Lacher aus dem Plenum. Fachkräfte und Pädagogen müsse man „deutlich besser bezahlen“.
Ausreichend beantwortet war die Frage damit für die Stellerin aus Bremen nicht. Allein schon, weil es in Bremen keine Kita-Gebühren für Kinder unter drei Jahren gäbe. Sie weist gar darauf hin, dass im AfD-Wahlprogramm Betreuungsgeld vorkommt, das gezahlt werden soll an Eltern, anstatt dass diese arbeiten. „Sie versuchen ja eigentlich in Ihrem Wahlprogramm, eher die Mütter wieder hinter den Herd zu drängen“, erneuerte sie ihren Vorwurf.
Weidels Lösung, eben die Fachkräfte besser zu bezahlen, um das Problem zu lösen, kam allgemein recht gemischt an. Zahlreiche der zugeschalteten Personen reagierten sichtbar auf den großen Bildschirmen im ZDF-Studie mit negativen Smileys im Chat. Einige gaben aber auch den Daumen hoch. (han)



