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AfD-Fraktion wählt Weidel und Chrupalla als Vorsitzende - Anzeichen für innere Spaltung

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Von: Marc Dimitriu

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Die frisch gewählten Fraktionsvorsitzenden der AfD: Alice Weidel und Tino Chrupalla.
Die frisch gewählten Fraktionsvorsitzenden der AfD: Alice Weidel und Tino Chrupalla. © Kay Nietfeld/dpa

Die erste Fraktionssitzung der AfD sorgte für reichlich Konfliktpotenzial. Weidel und Chrupalla wurden zwar bestätigt, es gibt dennoch Anzeichen für eine innere Spaltung der Partei.

Update vom 30. September, 19.55 Uhr: Einen Tag später als geplant hat die AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag ihre Vorsitzenden gewählt. Alice Weidel wird auch weiterhin der Alternativen für Deutschland im Bundestag vorstehen. Als ihr Co-Vorsitzender wurde Parteichef Tino Chrupalla gewählt, der auf Alexander Gauland folgt. Lediglich 50 Stimmen fielen auf das Duo. 25 Abgeordnete votierten gegen Weidel und Chrupalla.

Nachdem die Wahl nach den Vorkommnissen in der gestrigen Fraktionssitzung (siehe Erstmeldung) verschoben worden war, entschied sich die Fraktion auch weiterhin ein Duo an die Spitze der Fraktion zu setzten. Ein Antrag zur Abkehr von diesem Prinzip, der nach Ansicht von Beobachtern vor allem als Angriff auf Weidel verstanden werden kann, erhielt zuvor keine Mehrheit.

AfD-Fraktionssitzung: Weidel und Chrupalla zum Vositz gewählt

Der Antrag deutet in Verbindung mit dem schwachen Wahlergebnis von Weidel und Chrupalla ohne Gegenkandidaten auf eine weitere Spaltung der Partei hin. Bereits in einer am Montag abgehaltenen Pressekonferenz hatten sich Weidel und Chrupalla einen offenen Schlagabtausch mit Parteichef Jörg Meuthen geliefert.

Der umstrittene AfD-Abgeordnete Matthias Helferich war bei der Wahl nicht anwesend und wird nach Angaben aus Fraktionskreisen der Fraktion nicht angehören. Helferich hatte sich 2017 in einem öffentlichen Facebook-Chat als „das freundliche Gesicht des NS“ bezeichnet. Matthias Moosdorf, der am Mittwoch auch im Mittelpunkt von harten Diskussionen stand, bleibt wohl Mitglied der Fraktion.

Chaos bei der AfD: „Freundliches Gesicht des NS“ fliegt vorerst raus - Trubel um Weidel-Wahl

Erstmeldung vom 30. September:

Berlin - Nach der Wahl herrscht wieder mal Chaos bei der AfD. Die Fraktion der Partei im Bundestag zählt nur noch 83 Mitglieder. 2017 waren es noch neun mehr. Das liegt am schlechteren Abschneiden bei der Bundestagswahl. Während die rechte Partei vor vier Jahren noch 12,6 Prozent holte, waren es dieses Mal nur 10,3 Prozent. Besonders im Westen verlor die AfD viele Stimmen. Im Osten konnte sie aber in Thüringen und Sachsen zahlreiche Wahlkreise direkt gewinnen.

Schon am Tag nach der Wahl geraten AfD-Spitzen aneinander

Schon am Tag nach der Wahl gerieten die Parteispitzen bei der Bundespressekonferenz aneinander. Ko-Parteichef Jörg Meuthen, der mit den Spitzenkandidaten Alice Weidel und Tino Chrupalla schon länger im Streit liegt, warf den beiden vor, Wahlkampf nur für die „eigene Blase“ gemacht zu haben. Die Partei müsse im Westen genauso erfolgreich werden wie im Osten, um wieder stärker zu werden. Sonst werde sie zu einer „Lega Ost“. Weidel aber wollte sich das Ergebnis „nicht schlechtreden“ lassen, „von niemandem“..

Doch schon am Mittwoch ging der Trubel weiter. In der ersten Fraktionssitzung, bei der eigentlich der neue Fraktionsvorsitz gewählt werden sollte, wurde stattdessen über zwei neue Mitglieder beraten. Es ging darum, ob die Neulinge Matthias Helferich und Matthias Moosdorf aus Sachsen der Fraktion überhaupt angehören sollen. Das berichtet die FAZ.

AfD: Umstrittener Abgeordneter Matthias Helferich wird „vorerst kein Mitglied der Fraktion“

Nach der Sitzung verließ dann der nordrhein-westfälische Parlamentarier Helferich die Fraktion. Er werde „vorerst kein Mitglied der Fraktion“, hieß es aus Kreisen der AfD-Abgeordneten. Denkbar sei jedoch, dass er einen Gaststatus beantrage, was eingeschränkte Rechte in der Fraktion zur Folge hätte.

Helferich hatte sich 2017 in einem nicht öffentlichen Facebook-Chat als „das freundliche Gesicht des NS“ bezeichnet, wie ein vom WDR veröffentlichter Screenshot zeigt. Der AfD-Politiker aus Dortmund erwähnte in dem Chat demnach auch Kontakte in die Neonazi-Szene der Stadt. Sein bürgerliches Image pflege er nur zum Schein.

Der AfD-Bundesvorstand hatte schon Anfang August beschlossen, Helferich seines Amtes als stellvertretender NRW-Landesvorsitzender zu entheben und ihn mit einer Ämtersperre zu belegen. Der Ko-Parteivorsitzende Meuthen war damit gescheitert auch ein Parteiausschlussverfahren gegen Helferich anzustrengen.

Nach Stunden langen Diskussionen: AfD-Abgeordneter Moosdorf darf in Fraktion bleiben

Der sächsische Abgeordnete Matthias Moosdorf, über den in der siebenstündigen Fraktionssitzung am Mittwoch ebenfalls heftig diskutiert wurde, soll den Angaben zufolge Fraktionsmitglied bleiben. Er hatte ein Direktmandat im Wahlkreis Zwickau geholt.

Er hatte schon in der vergangenen Legislaturperiode als Mitarbeiter für einen AfD-Bundestagsabgeordneten gearbeitet. Der Cellist organisierte unter anderem eine Kampagne gegen den Globalen Migrationspakt. Anlass für die Debatte in der Fraktion über ihn war dem Vernehmen nach aber vor allem, dass er in der Vergangenheit den scheidenden Fraktionschef Alexander Gauland kritisiert hatte.

AfD-Chaos: Trubel um Vorsitz-Wahl deutet sich an - Abgeordnete unzufrieden mit Weidel

Die zunächst für Mittwoch geplante Wahl einer neuen Fraktionsspitze soll nun am Donnerstagnachmittag stattfinden. Fraktionschefin Alice Weidel, die durch ein skurriles Interview mit ARD-Mann Zamperoni auffiel, tritt zur Wiederwahl an. Den Ko-Vorsitz möchte Parteichef Tino Chrupalla übernehmen. Er sagte: „Ich gehe davon aus, dass wir als Team gewählt werden.“

Allerdings sind einige Abgeordnete unzufrieden mit Weidel, wie die FAZ berichtet. So solle erst über die Geschäftsordnung abgestimmt werden, ob es überhaupt wieder eine Doppelspitze geben soll. Möglich wäre auch, dass die beiden Kandidaten in einzelnen Wahlgängen gewählt werden und nicht als Duo. Bei geteilten Sympathien könnten nämlich immer nur beide gewählt oder beide ablehnt werden. Der Trubel in der AfD geht wohl vorerst weiter. (md mit AFP)

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