Rivalen innerhalb der Union: CSU-Chef Markus Söder (li.) und NRW-Landeschef Armin Laschet (CDU) (Archivbild)
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Rivalen innerhalb der Union: CSU-Chef Markus Söder (li.) und NRW-Landeschef Armin Laschet (CDU) (Archivbild)

ARD-Doku

Laschet vergleicht Söder mit dessen Idol - doch nach dem Machtkampf meint er es nicht unbedingt nett

  • Andreas Schmid
    VonAndreas Schmid
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Der Wahlkampf der Union ist an vielen Stellen vom Kanzlerstreit zwischen Söder und Laschet geprägt. Eine ARD-Doku zeichnet nun den Zwist nach - mit Aussagen beider Kontrahenten.

Berlin - Die SPD rangiert in den aktuellen Umfragen zur Bundestagswahl mehrere Prozentpunkte vor der Union. Woran liegt das? Wie konnten die Sozialdemokraten den momentanen Regierungspartner überholen? Experten sehen im Hick-Hack um die Kanzlerfrage einen Grund für die Schwächung von CDU und CSU. Die ARD-Doku „Wege zur Macht“ eröffnet nun einen Blick hinter die Kulissen des Zwists.

Bundestagswahl: Hick-Hack in der Union - Laschet gegen Söder und der „interne Machtkampf“

Während die SPD mit Olaf Scholz als erste Partei einen Kanzlerkandidaten bestimmte, stritt die CDU erst noch um den Parteivorsitz und dann um die Kanzlerfrage. Nachdem Laschet zum CDU-Chef gewählt wurde, kam CSU-Parteivorsitzender Markus Söder ins Spiel. Der bayerische Ministerpräsident machte im April „ein Angebot“ und wollte selbst gerne Kanzlerkandidat werden - „weniger wegen mir, sondern mehr als Verpflichtung fürs Land“, wie Söder im Film betonte. Es folgte ein Streit um die K-Frage, ein „interner Machtkampf“, wie es Armin Laschet gegenüber der ARD nannte.

Am 12. April stellten sich dann die Gremien der CDU einstimmig hinter Laschet. Ihr vor wenigen Wochen gewählter Parteivorsitzender soll die Union in den ersten Wahlkampf nach der Ära Merkel führen. Der Streit war damit allerdings noch nicht beendet. Denn Söder wollte nicht aufgeben und trug den Machtkampf in die gemeinsame Bundestagsfraktion von CDU und CSU.

Kanzlerstreit in der Union: Laschet vergleicht Söder mit Strauß

Selbst Abgeordnete der CDU stellten sich daraufhin hinter den in Umfragen beliebteren Söder. Der Franke mit dem Image des Machtmenschen griff diese Strömungen nur allzu gerne auf und porträtierte sich als den besseren Kandidaten. Beobachter erkennen dabei Parallelen zum früheren CSU-Chef Franz-Josef Strauß, der bei der Bundestagswahl 1980 an Helmut Schmidt (SPD) gescheitert war und Zeit seines Lebens immer wieder in Richtung CDU gestichelt hatte.

Söder gilt als Bewunderer von Strauß. In seinem Jugendzimmer hing ein Poster des gebürtigen Münchners. Laschet verglich im Film indirekt Söder mit Strauß und meinte: „Franz-Josef Strauß hat immer ausgestrahlt: Eigentlich bin ich der bessere, der klügere, stärkere und beliebtere.“ Mit einem leichten Schmunzeln im Gesicht fügte er - wohl mit Blick in Richtung Söder - hinzu: „Das soll zuweilen heute auch noch vorkommen.“ Eine klare Attacke in Richtung CSU und deren Parteichef.

K-Frage der Union: Söder akzeptiert Ergebnis und stichelt - Umfrage rückt CSU-Chef in schlechtes Licht

Während nach der SPD auch die Grünen Klarheit in der Kanzlerfrage schafften, rang man in der Union immer noch hin und her. Die Entscheidung könne letztlich nur die CDU treffen, „sie ist die größere Schwester“, betonte Söder auf einer Pressekonferenz am 19. April. Nach der Debatte in der Bundestagsfraktion kündigte Söder an, nachgeben zu wollen, wenn Laschet eine Mehrheit im CDU-Vorstand erhält. In der entscheidenden Vorstandssitzung erhielt Laschet den Auftrag, die Union als Kanzlerkandidat in den Wahlkampf zu führen. Die CSU akzeptierte das Ergebnis und stellte Söder als den „Kanzlerkandidaten der Herzen“ dar.

In der Folge stichelte Söder immer wieder in Richtung Laschet. Er sprach beispielsweise von „Schlafwagenwahlkampf“ und deklarierte sich im Nachhinein zum besseren Kandidaten, weil man mit ihm mehr Prozentpunkte geholt hätte. Die Giftpfeile aus München nahm auch die Bevölkerung wahr. Einer Umfrage zufolge halten zwei Drittel der Bundesbürger Söder nicht für einen guten Laschet-Unterstützer. 66 Prozent antworteten in einer Befragung des Civey-Institutes für die Augsburger Allgemeine entsprechend. Von den Unionsanhängern halten laut Umfrage 51 Prozent Söder für einen guten Unterstützer, 34 Prozent widersprechen dem.

Bundestagswahl-Umfragen: Union erst von den Grünen und dann von der SPD überholt

Der holprige Start in den Wahlkampf schien der Union zum Zeitpunkt nach der Festlegung auf Laschet noch nicht zu schaden. Zwar lagen CDU und CSU im April mit knapp 30 Prozent unter ihrem Selbstverständnis und steuerten auf das schlechteste Bundestagswahlergebnis der Geschichte zu (1949: 31,0; 2017: 32,9). Doch der Vorsprung auf die SPD betrug fast 15 Prozentpunkte, der auf die Grünen rund acht. Im Mai wendete sich das Blatt und die Union wurde plötzlich von den Grünen überholt.

Während sich die Union im Laufe des Wahlkampfs an den Grünen abzuarbeiten versuchte, gewann im Sommer die SPD Prozentpunkt um Prozentpunkt. Im August übernahmen die Sozialdemokraten die Führung in den Umfragen - auch wegen Patzern von Laschet sowie Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock.

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Laut den aktuellen Umfragen zur Bundestagswahl liegt die SPD mit 25 bis 27 Prozent in Führung. Die CDU/CSU konnte sich nach einem enormen Abwärtstrend zuletzt leicht stabilisieren und rangiert bei 20 bis 22 Prozent. Die Grünen haben mit 15 bis 18 Prozent wohl keine Chance mehr, wenn man den Demoskopen glauben mag, geben aber noch lange nicht auf. Die Frage lautet wohl dennoch: Armin Laschet oder Olaf Scholz - Wer wird Deutschlands nächster Kanzler? Markus Söder steht nicht zur Wahl, hat mit der CSU aber ohnehin ganz eigene Probleme. Die Christsozialen stehen vor dem Reißen der Fünf-Prozent-Hürde im Bund. Was bedeutet das? (as)

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