Die Union kämpft mit sinkenden Umfragewerten zur Bundestagswahl 2021, im direkten Duell schneidet Armin Laschet (CDU) besonders schlecht ab.
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Die Union kämpft mit sinkenden Umfragewerten zur Bundestagswahl 2021, im direkten Duell schneidet Armin Laschet (CDU) besonders schlecht ab.

Frust innerhalb der Union

Müder Wahlkampf? Laschet bringt eigene Partei zum Verzweifeln: „Das überzeugt niemanden“

  • Andreas Schmid
    VonAndreas Schmid
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Armin Laschet und die CDU/CSU befinden sich im Tiefflug. Die Umfragewerte werden immer schlechter, die Kritik wächst. „Wir fragen uns, was er eigentlich den ganzen Tag macht“.

Berlin - Die Union zittert, und zwar um die Regierungsbeteiligung. Nachdem CDU/CSU in den Umfragen vor wenigen Wochen noch deutlich in Führung lagen, verlieren sie unter den Demoskopen nun Prozentpunkt um Prozentpunkt. Zwar weiß die Union, dass die aktuelle Situation – ebenso wie die guten Umfragewerte zuvor – nur eine Momentaufnahme und weiterhin alles möglich ist. Das Schreckgespenst Opposition geistert dennoch durchs Konrad-Adenauer-Haus. Der Frust auf Kanzlerkandidat Armin Laschet wächst. (Mit unserem brandneuen Politik-Newsletter bleiben Sie im Endspurt Richtung Bundestagswahl stets auf dem laufenden Stand.)

Bundestagswahl: Unions-Kritik aus den eigenen Reihen - „das überzeugt niemanden“

Angesichts der schwachen Umfragewerte fordern führende CDU-Politiker daher mehr Schwung im Wahlkampf der eigenen Partei. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sagte dem Handelsblatt zum bisherigen Wahlkampf: „Das überzeugt niemanden.“ Es brauche nun eine stärkere inhaltliche Auseinandersetzung. „Wir müssen die Themen in den Mittelpunkt rücken, die für die Menschen wichtig sind.“ Der Anspruch von CDU/CSU müsse es sein, bei der Bundestagswahl bei „mindestens 30 Prozent“ zu liegen - und „wir werden unseren eigenen Ansprüchen derzeit nicht gerecht“, kritisierte Günther.

Auch der Ost-Beauftragte der Bundesregierung und CDU-Bundestagsabgeordnete Marco Wanderwitz zeigte sich unzufrieden. „Als Union haben wir es bisher nicht geschafft, den Bürgern deutlich zu machen, dass wir mit Armin Laschet das beste Personalangebot und das beste inhaltliche Angebot haben“, sagte er der Rheinischen Post. „Da müssen wir nachlegen.“

Bundestagswahl: Umfragewatschen für Laschet und Union - CDU/CSU nur noch knapp vor Grünen und SPD

Trotz sinkender Umfragewerte sei für die Union gut sechs Wochen vor der Wahl nichts verloren, sagte Wanderwitz. „Mein Gefühl ist, viele Wähler wissen noch gar nicht so wirklich, wem sie das Land nach Angela Merkel anvertrauen wollen. Da muss die CDU herausarbeiten, dass Rot-Rot-Grün oder eine Ampel unser Land in eine linke Sackgasse führen würden.“ Beide Bündnisse wären laut aktuellen Umfragen rechnerisch möglich. Die Union in der Opposition?

Die Umfragewerte für die Union und insbesondere für den Kanzlerkandidaten Laschet waren in den vergangenen Wochen gesunken. Eine aktuelle Forsa-Umfrage sieht die CDU/CSU bei 23 Prozent - und damit nur noch knapp vor den Grünen (20 Prozent) und der SPD (19 Prozent). Laschet kam in der Umfrage nur noch auf zwölf Prozent Zustimmung – hinter Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock und Olaf Scholz von der SPD.

Video: Laschet will sich durchboxen

Bundestagswahl: „Wir fragen uns, was Armin Laschet eigentlich den ganzen Tag macht“

Die Union steuert auf das schlechteste Abscheiden bei einer Bundestagswahl hin (bisher 31 Prozent, 1949). Die Kritik an Laschet wächst aufgrund dieser verheerenden Umfragewerte – und kommt nun immer öfter aus den eigenen Reihen. Zuletzt forderten einzelne CDU-Politiker bereits einen Kurswechsel sowie aktiver geführten Wahlkampf. Laschet müsse endlich in die Offensive kommen, monierte etwa der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael von Abercron. „Es wäre gut, wenn sich unser Kanzlerkandidat auch mit inhaltlichen Punkten hervortun würde“, sagt er dem Spiegel. Sein Abgeordnetenkollege Peter Bleser (Rheinland-Pfalz) forderte, dass Laschet „verstärkt auf die drängendsten Zukunftsthemen eingeht“.

Neben inhaltlichen Dingen kommt derzeit immer mehr Kritik aufgrund der Art und Weise des Wahlkampfs. Laschet müsste deutlich mehr Präsenz zeigen, heißt es. „Wir fragen uns, was Armin Laschet eigentlich den ganzen Tag macht“, klagt ein nicht namentlich genannter Abgeordneter der Südwest-CDU gegenüber Focus Online. Im Gegensatz zu den anderen Kanzlerkandidaten sehe man Laschet viel zu selten. Dass die Union ihren Wahlkampfauftakt in Rust verschoben hat, passt ins Bild: Wahlkampf, wozu? Am 21. August soll es nun losgehen. Deutlich später als die Konkurrenz von SPD und Grünen.

Bundestagswahl: Günther beobachtet „Hänger“ - „aber das heißt auch, dass es wieder aufwärts gehen muss“

Ministerpräsident Günther warnte seine Partei aber vor einer Debatte über den Kandidaten. „Die Frage, wer für uns als Spitzenkandidat in den Wahlkampf zieht, haben wir als Union beantwortet“, betonte Günther, der sich im Kanzler-Streit als einer der ersten Ministerpräsidenten für Laschet statt CSU-Chef Markus Söder starkgemacht hatte. „Wir sind klug beraten, jetzt alle an einem Strang zu ziehen.“ Den Appell zur Geschlossenheit bezog er ausdrücklich auch auf die CSU. „Denn ein gemeinsamer Erfolg, den wir mit Geschlossenheit erreichen, ist auch ein Erfolg für die CSU“, sagte Günther.

Als Grund für die bisherigen Schwierigkeiten der Union im Wahlkampf nannte der CDU-Politiker die Hochwasserkatastrophe, welche Laschets Aufmerksamkeit erfordert und ihn am Wahlkampf gehindert habe. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident war und ist in den Flutgebieten gefordert. Das trifft allerdings auch auf Finanzminister Scholz zu. Dennoch dürfe man aufgrund der Flutkatastrophe „in den Umfragen einen gewissen Hänger haben“, meinte Günther. „Aber Hänger heißt auch, dass es wieder aufwärts gehen muss.“ (as/afp)

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