Einer neuen Forsa-Umfrage zur Bundestagswahl 2021 zufolge rutschen die Union und Kanzlerkandidat Armin Laschet immer weiter ab.
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Die Umfragewerte der Union sehen kurz vor der Wahl nicht sehr gut aus. Bei einer Wahlniederlage könnte Kanzlerkandidat Armin Laschet womöglich erst gar nicht in den Bundestag einziehen.

Wie einst Martin Schulz?

Nach der Schicksals-Wahl: Düstere Szenarien - Das droht Laschet und der CDU

In drei Wochen findet die Bundestagswahl statt, doch die Umfragewerte der Union sinken immer weiter. Was passiert mit Armin Laschet und der CDU, wenn sie die Wahl verlieren?

München/ Berlin - Die aktuelle Umfragewerte verheißen den Unions-Parteien vor der Bundestagswahl nichts Gutes: Mittlerweile ist die Partei hinter die SPD auf Platz zwei abgerutscht und nun sogar noch unter die 20-Prozent-Marke. Politiker von CDU/CSU reagieren alarmiert - mit der Warnung vor einem Linksbündnis. Doch was für die Unions-Politiker noch schwerer wiegen dürfte: Völlig unerwartet könnte sich der Zukunft ihrer Partei ändern. Und damit auch das Schicksal der Spitzen von CDU und CSU.

Wenn man CSU-Chef Markus Söder glauben mag, kämen nach einer Niederlage „schwerste Zeiten“ auf die Partei zu, wie er in einem Interview mit der Welt am Sonntag sagte. Auch Kanzlerkandidat Armin Laschet warnte immer wieder vor einem möglichen Linksbündnis. Was geschieht also mit Armin Laschet und der CDU, wenn die Union wirklich das Kanzleramt verliert? Diese Worst-Case-Szenarien könnten nach einer Niederlage für die Union möglich sein:

Nach der Bundestagswahl: Union als Juniorpartner einer SPD-geführten Regierung?

Der für die Union wohl „beste“ schlimmste Fall wäre, die derzeitige Rolle der SPD als Koalitionspartner zu übernehmen. Armin Laschet könnte in einem solchen Szenario mit einem Ministeramt ausgestattet und womöglich als Vizekanzler Nachfolger von Olaf Scholz werden.

Nach derzeitigen Umfrageergebnissen ist ein solches Szenario nicht gerade unwahrscheinlich: Immerhin könnten eine Deutschlandkoalition aus SPD, CDU und FDP oder ein rot-schwarz-grünes Bündnis (alias „Kenia“) die nötigen Mehrheiten im Bundestag erhalten. Für die SPD ist das wohl keine Wunschkoalition. Aber die FDP scheint auch nicht sonderlich erpicht auf eine Ampel. Ein zähes Koalitionsringen ist zu erwarten, „Deutschland“ oder „Kenia“ könnten durchaus Ergebnisse sein.

Bundestagswahl-Niederlage könnte Union zum Oppositionsführer machen

Ein weiteres Szenario, das sich mittlerweile auch die Union ausmalt, ist die des Oppositionsführers. Doch für den Kanzlerkandidaten könnte dieses Szenario besonders brisant werden. Das meint auch Politikwissenschaftler Oskar Niedermayer. „Ich vermute, dass man einen neuen Parteivorsitzenden braucht, wenn Armin Laschet die Union in die Opposition führt“, sagte er im Interview mit dem Tagesspiegel.

Laschet könnte somit seine erst Anfang des Jahres erworbene Position als CDU-Vorsitzender verlieren. Nach einer Wahlniederlage hätte er zudem womöglich schlechte Karten, Fraktionsvorsitzender der Union zu werden. Hier hätte nämlich CSU-Chef Markus Söder ein Wörtchen mitzureden - doch der erwies sich in den vergangenen Wochen nicht gerade als Freund Laschets und stichelte immer wieder gegen den Kanzlerkandidaten. Söder wird zwar kaum nach einer Wahlniederlage selbst nach Berlin gehen. Aber könnte seinen Einfluss gegen Laschet geltend machen. An Anwärtern für den Posten als Fraktionschef mangelt es ohnehin nicht - den aktuellen Amtsinhaber Ralph Brinkhaus hatten im Frühjahr sogar einige Beobachter als Kanzlerkandidaten gesehen.

Unions-Umbruch? Womit nach einer Wahlniederlage der CDU/ CSU zu rechnen wäre

Es könnten aber auch größere Umwälzungen auf die Union warten. Es sei zu erwarten, dass es nach Wahlniederlage einige Veränderungen in der Partei geben werde, meinte Experte Niedermayer. „Die Führungsriege der CDU hat hier gegen die Mehrheit der Basis Armin Laschet durchgesetzt. CDU und CSU müssen sich hier endlich ein klares Auswahlverfahren geben, damit so etwas nicht mehr passieren kann“, so Niedermayer.

Mit einer Niederlage Laschets wären Norbert Röttgen, Friedrich Merz oder Laschets derzeitiger Vize Jens Spahn also wieder als Anwärter auf höchste Parteiposten auf dem Tisch. Zudem müssten natürlich bei einem massiven Einbruch des Wahlergebnisses so einige Abgeordnete wieder aus dem Bundestag ausziehen.

Politikwissenschaftler Niedermayer sähe außerdem einen Kurswechsel der Partei notwendig: Viele Wähler wüssten nicht mehr, wofür die Partei heute stehe. Für ihre Probleme sei deshalb nicht nur Armin Laschet verantwortlich zu machen, „sondern schlicht und einfach die inhaltliche Entkernung der Partei“. Mit der könnte sich freilich auch Spahn identifizieren lassen müssen. Und mit ihm einige weitere Parteigrößen.

Armin Laschet: Das könnte nach einer Wahlniederlage mit ihm geschehen

Wie er selbst schon früh im Wahlkampf ankündigte, werden Armin Laschet in jedem Fall nach Berlin gehen. Ob er das überhaupt dorthin schafft, könnte nach einer Wahlniederlage fraglich werden. Wie der WDR berichtet, ließ sich der Kanzlerkandidat in seinem Wahlkreis in Aachen nicht auf die Liste der Direktkandidaten setzen. Er hat also nur die Möglichkeit, als Spitzenkandidat der Landesliste in den Bundestag einzuziehen. Doch da die CDU in NRW häufig viele Direktmandate gewinnt, wäre es möglich, dass gar keine weiteren Kandidaten der nordrhein-westfälischen Parteiliste nach Berlin kommen.

Für Armin Laschet und die CDU scheint die Bundestagswahl eine Schicksalswahl zu werden. Es bleibt die Frage, ob es auch vorstellbar wäre, dass sich der 60-Jährige nach der Wahl komplett aus der Politik zurückzieht. In Nordrhein-Westfalen jedenfalls wird bereits um die Nachfolge als Ministerpräsident gebuhlt. Und in Berlin könnte Laschet selbst bei einem Mandatsgewinn als „lame duck“ enden - ähnlich wie der vormalige SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz, der die laufende Legislaturperiode vor allem als Bundestags-Hinterbänkler verfolgte. Auch Schulz war übrigens vor der Wahl noch zum Parteichef gekürt worden.

Für die Union wäre eine Niederlage jedenfalls ein Fiasko. Völlig offen scheint dabei, ob und wann die Partei wieder auf alte Höhen in den Wahlergebnissen gelangen könnte: „Es ist ganz klar, dass die CDU an der Schwelle steht, ihren Status als Volkspartei für immer zu verlieren“, erklärte Niedermayer dem Tagesspiegel.

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