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Erstaunliche Bundestags-Daten: U30-Abgeordnete vervielfacht - zwei Fraktionen haben Frauen-Mehrheit

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Von: Andreas Schmid

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Nach der Bundestagswahl ist der Deutsche Bundestag auf Rekordgröße angeschwollen. Aber wer sind eigentlich die 735 Abgeordneten? Eine demografische Einordnung.

Berlin - 735 Abgeordnete sitzen im neuen Deutschen Bundestag. Die Zahl ist nach der Bundestagswahl nochmal um 26 Abgeordnete gestiegen. Nur China hat noch mehr Volksvertreter. Die weit überwiegende Zahl der Bürger hält den neuen Bundestag für zu groß. In einer vom Bund der Steuerzahler in Auftrag gegebenen Umfrage gaben 94,1 Prozent der Befragten an, die jetzt 735 Abgeordneten seien „eindeutig zu viel“ oder „eher zu viel“.

Nichtsdestotrotz lohnt ein genauerer Blick auf die aktuelle Zusammensetzung. Es sind einige neue Gesichter dabei, andere sind mit der Mission Wiedereinzug gescheitert. Grünen-Co-Chef Robert Habeck sprach am Tag der Bundestagswahl von einer „neuen Zeitrechnung“ im Bundestag. Er meinte zwar die Loslösung der Wähler von den Volksparteien SPD und CDU/CSU. Der Begriff „neue Zeitrechnung“ lässt sich in Teilen aber auch auf den Bundestag übertragen. Er wird jünger, weiblicher und diverser - zumindest ein wenig.

Bundestagswahl: Bundestag wird deutlich jünger - Zahl der U30-Abgeordneten vervielfacht

In der vergangenen Wahlperiode waren gerade einmal 0,7 Prozent der Abgeordneten unter 30 Jahre alt, in dieser Legislaturperiode werden es rund sechs Prozent sein. 47 Abgeordnete sind jünger als 30 Jahre alt, die meisten von ihnen gehören den Grünen oder der Linken an. Die jüngste Abgeordnete ist die Hamburger Grünen-Politikerin Milla Fester mit 23 Jahren. Ebenfalls 23 Jahre alt ist der Aschaffenburger Grünen-Politiker Niklas Wagener. Jüngster Abgeordneter mit Bundestagserfahrung ist Philipp Amthor (CDU) mit 28 Jahren. Er hat seinen Wahlkreis in Mecklenburg-Vorpommern zwar verloren, zog aber über die Landesliste in den Bundestag ein.

Ältester Abgeordneter ist Alexander Gauland (AfD) mit 80 Jahren, gefolgt von seinem Parteikollegen Albrecht Glaser (AfD) sowie dem bisherigen Parlamentspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) mit 79 Jahren. Schäuble ist in der aktuellen Legislaturperiode übrigens nicht mehr der einzige Abgeordnete im Rollstuhl. Die Grünen-Politikerin Stephanie Aeffner aus Pforzheim zieht erstmals in den Bundestag ein. Auf Schäuble war während seiner Zeit als Innenminister 1990 ein Attentat verübt worden.

Fester von Bündnis 90/Die Grünen fährt die Rolltreppe der U-Bahnstation Bundestag hinauf
Für sie soll es fortan nach oben gehen: Milla Fester ist jüngste Abgeordnete im Bundestag. © Kay Nietfeld/dpa

Bundestag: Frauenanteil steigt leicht - Frauen bei Linke und Grünen in der Mehrheit

Darüber hinaus stieg der Anteil der Frauen, wenn auch nur leicht. 34,7 Prozent der Abgeordneten sind weiblich. Zu Beginn der zurückliegenden Legislaturperiode waren nur 30,7 Prozent der Abgeordneten Frauen. 2013 waren es allerdings bereits 36,3 Prozent. Dieser anhaltende Rückgang ist auch auf den Eintritt der AfD zurückzuführen, die die wenigsten weiblichen Abgeordneten stellte und weiterhin stellt.

Auch im neu gewählten Parlament ist der Anteil zwischen den Fraktionen wieder sehr ungleich verteilt. Die Mehrheit stellen die Frauen bei den Grünen mit 69 Frauen von 118 Abgeordneten (58,5 Prozent) und bei der Linken mit 21 von 39 (53,8 Prozent). Relativ hoch ist der Frauenanteil auch bei der SPD mit 86 von 206 Abgeordneten (41,7 Prozent).

Bundestag: Wenigste Frauen bei der AfD - zwei Transfrauen im Parlament mit dabei

Stark männlich dominiert sind dagegen die Fraktionen von CDU/CSU, FDP und AfD. Bei der Union sind nur 46 von 196 Abgeordneten Frauen (23,5 Prozent). Bei der FDP sind 22 von 92 Abgeordneten weiblich (23,9 Prozent). Schlusslicht ist wie bisher die AfD mit lediglich elf Frauen von 83 Abgeordneten (13,3 Prozent). Dazu kommt im Bundestag noch ein männlicher Abgeordneter des Südschleswigschen Wählerverbands. Insgesamt sind damit 255 der 735 Abgeordneten des neu gewählten Parlaments weiblich.

Darüber hinaus sind zwei offen lebende Transfrauen in den Bundestag eingezogen. Die nordrhein-westfälische Grünen-Politikerin Nyke Slawik und ihre Parteikollegin Tessa Ganserer aus Bayern zogen jeweils über die Landeslisten ins Parlament ein. Ganserer sitzt seit 2013 im bayerischen Landtag. Im November 2018 outete sie sich öffentlich als transsexuell. Im Bundestag gab es bisher nur eine Transperson, die sich aber erst nach ihrer Amtszeit outete.

Tessa Ganserer bei einer Wahlkampfveranstaltung der Grünen auf dem Kornmarktn in Nürnberg
Ganserer wurde im niederbayerischen Zwiesel geboren. Zur Bundestagswahl kandidierte Ganserer im Bundestagswahlkreis Nürnberg-Nord und zog über Landeslistenplatz 13 in den Bundestag ein. © Dwi Anoraganingrum/Imago

Bundestag: 11,3 Prozent der Abgeordneten haben Migrationshintergrund

11,3 Prozent der Abgeordneten haben zudem ausländische Wurzeln, die meisten davon türkische. Nach 8,2 Prozent in der zurückliegenden Wahlperiode ist dieser Anteil leicht gestiegen. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Fraktionen sind enorm groß. Laut Berechnungen des Mediendienstes Integration hat die Linke mit einem Anteil von 28,2 Prozent als einzige Partei einen Anteil von Abgeordneten mit Migrationshintergrund, der über dem Anteil an der Gesamtbevölkerung liegt. Aktuell haben etwa 26 Prozent der Bevölkerung einen Migrationshintergrund. Das heißt, entweder sie selbst oder mindestens ein Elternteil wurde nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren.

In der neuen SPD-Fraktion stieg der Anteil von Menschen mit Migrationsgeschichte den Angaben zufolge im Vergleich zur zurückliegenden Legislaturperiode deutlich: von 9,8 Prozent auf nunmehr 17 Prozent. Bei den Grünen sank er demnach leicht, von 14,9 Prozent auf 13,6 Prozent. 7,2 Prozent der AfD-Abgeordneten haben einen Migrationshintergrund. In der FDP-Fraktion sind es 5,4 Prozent, bei der CDU/CSU 4,6 Prozent. (as mit dpa)

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