Armin Laschet wird in einem Kampagnenvideo der SPD als russische Matrjoschka-Figur dargestellt
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Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet wird in einem Kampagnenvideo der SPD als russische Matrjoschka-Figur dargestellt. Es folgen weitere CDU-Politiker. Der Clip sorgt für Kritik.

Laschets Schattenmann Liminski im Fokus

SPD sorgt mit Anti-Laschet-Werbung für Tabubruch: CDU und Grüne kritisieren „unterirdische“ Kampagne

  • Andreas Schmid
    VonAndreas Schmid
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Die SPD will in der heißen Wahlkampfphase angreifen. Zielscheibe der Attacken ist die Union. Ein Werbevideo, in dem Teile der CDU diffamiert werden, sorgt für Kritik.

Berlin - Die SPD hat ihre Wahlkampagne für den Endspurt zur Bundestagswahl präsentiert. Die Sozialdemokraten konzentrieren sich dabei voll und ganz auf Kanzlerkandidat Olaf Scholz. Unter dem Motto „Scholz packt das an“ will die SPD Teil einer Regierung bleiben. Neben dem Fokus auf den Kanzlerkandidaten plant die mitgliederstärkste Partei Deutschlands auch, die Angriffe auf die Konkurrenz zu erhöhen. Mit einem Anti-Laschet-Video sorgt die SPD nun allerdings für einen Tabubruch. (Mit unserem brandneuen Politik-Newsletter bleiben Sie im Endspurt Richtung Bundestagswahl stets auf dem laufenden Stand.)

Bundestagswahl: SPD setzt auf Abteilung Attacke - Anti-Laschet-Video polarisiert

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil kündigte an, die Union in den nächsten Wochen gezielt angreifen zu wollen. „Wer Laschet und die CDU wählt, wählt eine Politik, die Reiche reicher und Arme ärmer macht“, heißt es etwa in einem SPD-Kampagnenvideo. Zuletzt hatte ein Vergleich der Wahlprogramme ergeben, dass reiche Menschen bei der Union am meisten profitieren würden. Die SPD präsentierte einen Clip, in dem im Stile russischer Matrjoschka-Puppen aus einer Laschet-Figur weitere, immer kleinere Figuren mit Gesichtern anderer CDU-Politiker erscheinen. Der Beitrag ist mit negativen Kommentaren zu den entsprechenden Personen begleitet.

Nach Armin Laschet wird zunächst Friedrich Merz gezeigt. Er ist Experte für Wirtschafts- und Finanzpolitik im CDU-Wahlkampfteam. Es folgt der frühere Verfassungsschutz-Chef und CDU-Bundestagskandidat Hans Georg Maaßen, der laut SPD für „Kandidierende, die die CDU an den rechten Rand rücken“ stehe. Nach Maaßen zeigt die SPD Nathanael Liminski, Chef der Staatskanzlei in Nordrhein-Westfalen und einer von Laschets engsten Mitarbeitern. Er gehöre zu den „erzkatholischen Laschet-Vertrauten, für die Sex vor der Ehe ein Tabu ist.“ Dieser Passus im Video sorgt nun für Kritik.

Bundestagswahl: Kritik an SPD-Spot - „doppelter Tabubruch zeigt, dass der Partei die Argumente ausgehen“

Günter Krings, Vorsitzender der CDU-Landesgruppe NRW im Bundestag, verurteilte den Videoclip scharf. „Das ist ein doppelter Tabubruch, den ich unter Demokraten nicht für möglich gehalten hätte“, sagte er dem Kölner Stadt-Anzeiger. „Dass höchstpersönliche Themen und religiöse Überzeugungen zum Gegenstand politischer Angriffe gemacht werden, hat es in der Nachkriegszeit so noch nicht gegeben“, meinte Krings. „Eine solche Verletzung des Konsenses unter Demokraten hätte ich der SPD nicht zugetraut. Es zeigt aber, dass der SPD die Argumente ausgehen.“ Mit dem Begriff „erzkatholisch“ solle eine ganze Konfession „in eine bestimmte Ecke“ gedrängt werden. Dies sei nicht akzeptabel.

Laut dem Parteienforscher Uwe Jun handle es sich bei dem SPD-Clip um „eine ziemlich drastische Form des ,Negative Campaigning’, die an amerikanische Vorbilder erinnert“, wie der Politikwissenschaftler dem Tagesspiegel erklärt. Beim „Negative Campaigning“ wird versucht, den (politischen) Gegner zu diffamieren. Ihm seien in diesem Jahrhundert „keine solch angreifenden Statements mit Blick auf religiöse Inhalte durch die etablierten Parteien bekannt“.

Kritik kam darüber hinaus auch von den Grünen – einer Partei, die die Union nicht immer verteidigt. Der Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz schrieb auf Twitter: „Menschen aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit anzugreifen, ist exakt so unterirdisch, wie sie wegen ihrer Nichtzugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft anzugreifen. Wir leben in einem pluralen und liberalen Rechtsstaat.“ Die Religionsfreiheit sei „konstituierend“ und ein „Versprechen für Toleranz und Freiheit“, das es zu erhalten gelte.

Laschet mit seinem Staatssekretär Nathanael Liminski. (Archivfoto)

Nathanel Liminski: Wer ist „Laschets rechte Hand“?

Liminski gilt als extrem konservativ. Sein 2021 verstorbener Vater war Mitglied der ultrareaktionär-katholischen Vereinigung Opus Dei. In seinen Jugendzeiten war Liminski Anhänger der als „Papst-Fanclub“ bekannten Gruppierung „Generation Benedikt“. In der TV-Show „Maischberger“ setzte sich der heute 35-Jährige für das Credo „kein Sex vor der Ehe“ ein. Mittlerweile hat der gebürtige Bonner vier Kinder. Patenonkel eines der Kinder ist CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak.

Im Video: SPD holt auf - Union verliert

Im Zuge dieses Wahlkampfes nahm der Fokus auf gewisse Äußerungen Liminiskis an Fahrt auf. So bezeichnete er Abtreibungen einst als „ethisch nicht vertretbar“. Über Homosexuelle sagte er 2007: „Ich kenne viele Homosexuelle und einige tun mir leid. Der Staat muss schon aus reiner Selbsterhaltung die natürliche Form der Ehe und Familie fördern.“ (as)

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