Das Direktmandat fest im Blick: Seit zwölf Jahren vertritt Florian die CSU und den Landkreis München im Bundestag.
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Das Direktmandat fest im Blick: Seit zwölf Jahren vertritt Florian die CSU und den Landkreis München im Bundestag.

BUNDESTAGSWAHL

Bundestagswahl: Florian Hahn (CSU) ist der weiß-blaue Platzhirsch in Berlin

  • Max Wochinger
    VonMax Wochinger
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Vor der Bundestagswahl am 26. September stellt der Münchner Merkur in loser Reihenfolge in Porträts die Direktkandidaten für den Landkreis München vor. Heute: Florian Hahn (CSU). 

Berlin – Florian Hahn hastet durch den Reichstag. Im Vorbeigehen grüßt er Parteikollegen, tippt auf seinem iPhone, dann verschwindet er im Aufzug. Im Eilmarsch geht es weiter in sein Berliner Abgeordnetenbüro. Vor einem Gemälde bleibt Hahn stehen. „Das ist mein Lieblingsbild.“ Gemalt hat es Karl Otto Götz, es ist die malerische Entsprechung der Feier der Wiedervereinigung Deutschlands.

Der Mauerfall, eine Wende in der deutschen Geschichte, der Zusammenbruch eines von Hahn verhassten Systems. Um die scharfen Angriffe gegen Linke und Grüne einzuordnen, die Hahn immer wieder in Form von Statements abfeuert, muss man zeitlich zurückgehen: zum Kalten Krieg. Der Konflikt politisierte den jungen Putzbrunner, er wollte Ende der 80er die neue Bundesrepublik mitgestalten. Hahn, damals 15 Jahre jung, trat in die Junge Union ein.

Bundestagswahl: Florian Hahn, ein enger Verbündeter von Ministerpräsident Söder

Heute ist Hahn 47 Jahre alt. Er hat es in der Bundespolitik weit nach oben geschafft: Seit zwölf Jahren sitzt er für die CSU im Bundestag, vor zweieinhalb Jahren wurde er stellvertretender Generalsekretär seiner Partei. Hahn ist zudem europapolitischer Sprecher der Unions-Fraktion. Er gilt als enger Verbündeter von Markus Söder.

Hahn ist strenger Verfechter des Marktes und klassisch konservativ. Seine Werte kommen besonders bei Twitter zur Geltung. „Friday for Future“ bezeichnet Hahn auf der Plattform schon mal als „linke Vorfeldorganisation“. Er spottet über geschlechtsneutrale Sprache. Rezo, Jugendsprachrohr und Blogger („Die Zerstörung der CDU“), nimmt er nicht ernst. Im Nahost-Konflikt steht Hahn kompromisslos zu Israel. Über die Bundeswehr spricht der ehemalige Gebirgsjäger in höchsten Tönen. Hahn ist ein Fels in der Brandung – ein weiß-blauer Platzhirsch in Berlin.

Angst vor den Grünen? Nein, „aber Respekt vor jedem Wettbewerber“

Wer sich in seinem Abgeordnetenbüro umsieht, erkennt Hahns Werte wieder. Bayern-Trikot, Kruzifix, Biografien über Helmut Kohl neben Militär-Kappen. Ein altes Poster der separatistischen Bayernpartei sowie ein Foto von Franz Josef Strauß. Sein großes politisches Idol aber ist Edmund Stoiber, sagt Hahn. Ein signiertes Foto des ehemaligen Ministerpräsidenten hängt an der Wand.

Anders als zu Stoibers aktiven Zeiten ist Deutschland politisch ergrünt. Die Grünen liegen in Umfragen derzeit bei rund 17 Prozent Sie sind auch oft Ziel von Hahns Attacken. Hat er Angst vor ihnen? Nein, sagt Hahn: „Aber ich habe natürlich Respekt vor jedem Wettbewerber.“ Sieben Konkurrenten machen ihm sein Direktmandat im Landkreis streitig. Hahn will bei Wählern mit seinem Einsatz für Forschung und Innovation glänzen. Dafür habe er sich in den vergangenen Jahren „sehr erfolgreich“ eingesetzt. Mit seiner Hilfe sei der Kreis zur nationalen Wasserstoff-Region geworden, bald ausgestattet mit einer eigenen Wasserstoff-Tankstelle in Brunnthal.

Solarstrom vom Dach: „Ein ziemlich großer Beitrag“ zum Klimaschutz.

Tatsächlich: Kaum eine Woche vergeht im Wahlkampfjahr 2021, in der Hahns Büro keine Pressemitteilung verschickt. Foto von Hahn mit Förderbescheid, Hahn mit lokalen Unternehmern, Hahn mit Verkehrsminister Scheuer. Wo er fehlte: in Flüchtlingsunterkünften. Hahn steht für einen harten Kurs in der Flüchtlingsfrage. In einem Focus-Interview 2015 dachte Hahn über Grenzzäune mit Stacheldraht nach – für Deutschland.

Von Verboten zur Bewältigung der Klimakrise hält Hahn dagegen nichts: Er will lieber Ökologie und Ökonomie zusammenbringen. Menschen würden sich mit den klimatischen Veränderungen nur umstellen, wenn ihr Wohlstand erhalten bleibe. „Kein Steak, kein Auto, kein Einfamilienhaus“ – Verbote seien das falsche Mittel. Stichwort Klima: Hahn ist für Windräder im Hofoldinger Forst, in den Urlaub fahre er „verstärkt“ mit dem Zug. Seit zehn Jahren produziere er eigenen Solarstrom – „ein ziemlich großer Beitrag“ zum Klimaschutz.

Bauern unterstützen, Funklöcher schließen, Lärmschutz an Autobahnen verbessern: „Es gibt viel zu tun für die kommende Legislaturperiode“, sagt Hahn. Dass er diese in Berlin mitgestaltet, da ist der Platzhirsch siegessicher.

Ausführliche Informationen rund um die Bundestagswahl 2021 finden sich hier. Dort wird auch erklärt, wie die Wahl genau funktioniert und die Parteien werden vorgestellt. Im Bayernressort findet sich ein Überblick über die 46 Wahlkreise und die Direktkandidaten und wo man am Wahlabend die Ergebnisse finden kann.

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