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Einigkeit und schwache Gegner? So erklärt sich die Basis den SPD-Höhenflug

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Der neue Kanzler? In Umfragen liegt Olaf Scholz derzeit vor Armin Laschet (CDU).
Der neue Kanzler? In Umfragen liegt Olaf Scholz derzeit vor Armin Laschet (CDU). © PATRIK STOLLARZ/AFP

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz führt die Umfragen an. Vor wenigen Wochen war damit nicht zu rechnen. Wie erklärt sich die Basis den Höhenflug? Wir haben uns umgehört.

Landkreis – Die SPD vor Union und Grünen? Vor Kurzem hätte das noch kaum jemand für möglich gehalten. In den jüngsten Umfragen zur Bundestagswahl liegen die Sozialdemokraten aber tatsächlich vorn – und auch beim ersten TV-Triell der Kanzlerkandidaten wird SPD-Kandidat Olaf Scholz als Sieger gehandelt.

Die Stimmung in der SPD-Basis ist dementsprechend auch im Landkreis prächtig – wenn auch mit der Gewissheit, dass in knapp vier Wahlkampfwochen noch viel passieren kann. „Ich bin durchaus zuversichtlich. Am Ende zählt aber das Ergebnis am Wahlabend“, sagt etwa Unterhachings Bürgermeister Wolfgang Panzer, und auch Natascha Kohnen aus Neubiberg, Abgeordnete des Bayerischen Landtags findet, man müsse „ruhig bleiben und abwarten, der 26. September ist noch lange hin“.

Einigkeit als Erfolgsrezept

Selbst die größten Optimisten in der SPD hätten vor ein paar Monaten die Genossen wohl kaum vor der Union gesehen. „Niemand hat das so erwartet“, bestätigt Annette Ganssmüller-Maluche, stellvertretende Landrätin aus Ismaning. Sie glaubt: „Mit Markus Söder und Robert Habeck als Kandidaten wäre der Wahlkampf für uns viel schwieriger geworden – doch die SPD hat auch viel richtig gemacht.“ Vor allem durch die Wahl von Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans hätten die beiden Parteiflügel vereint werden können. Diese Einigkeit und die aus ihrer Sicht gute Arbeit von Generalsekretär Lars Klingbeil sorge für Stabilität und Vertrauen. „Olaf Scholz’ Erfolg ist das Ergebnis von guter Parteiführung“, sagt Ganssmüller-Maluche.

Die Einigkeit der SPD scheint in der Tat mindestens eine Zutat in ihrem Erfolgsrezept zu sein. „Dass wir die Union in den Umfragen überholt haben, liegt für mich an ihrer mangelnden Geschlossenheit“, sagt Thomas Fäth, Fraktionschef der SPD im Haarer Gemeinderat. Dafür, dass zerstrittene Parteien nicht funktionieren, gibt es genügend Beispiele. Erich Leitner ist im vergangenen Jahr genau aus diesem Grund aus der SPD ausgetreten – nachdem er vorher noch in Aying ums Bürgermeisteramt kandidiert hatte. „Ich hatte die Streitereien so dick.“ Umso mehr freut es ihn, dass es jetzt so gut läuft bei der SPD. „Wenn man als Einheit auftritt, wird man auch gewählt.“ Für ihn ist die SPD heute wieder die einzig wählbare Partei. „Andere Parteien vergessen die soziale Frage ganz.“

„Olaf Scholz konnte im Wahlkampf er selbst sein“

Als Hauptgrund für die momentan guten Umfrageergebnisse wird immer wieder die Ruhe und Stabilität im SPD-Wahlkampf angegeben. Eine gewisse Erwartbarkeit, die auch durch Olaf Scholz vermittelt wird. Man kennt ihn, man kann ihn einschätzen. Ob man ihn nun mag oder nicht. „Wir haben uns früh auf einen richtig guten Kandidaten geeinigt“, sagt Thomas Fäth. Auch Bürgermeister Panzer sieht das so: „Scholz hat die Erfahrung und kann darstellen, dass er es kann.“ Außerdem habe die SPD auch aus dem Debakel um die Kanzlerkandidatur von Martin Schulz im Bundestagswahlkampf 2017 gelernt. „Olaf Scholz konnte im Wahlkampf er selbst sein – mit allen Stärken und Schwächen, die Menschen eben haben“, erklärt Fäth. Dadurch sei Scholz glaubhaft und ehrlich geblieben, ohne zu große Angst vor Fehlern zu haben,

Parteiintern gilt die SPD als einzige Partei, die den Spagat zwischen entschlossener Klimapolitik und sozialer Gerechtigkeit schaffen kann – ob das jedoch der Grund für die guten Umfragewerte ist, bleibt fraglich. Vor allem die unvorteilhafte Personalwahl von Union und Grünen und diverse Patzer von Annalena Baerbock und Armin Laschet hätten Scholz auch starken Aufwind gegeben, heißt es im SPD-Lager. Thomas Fäth sieht den Erfolg der SPD als Mischung zwischen „unseren Stärken und den Schwächen der Anderen“.

Spannendste Bundestagswahl seit Jahren

Für Annette Ganssmüller-Maluche ist auch die Regierungsarbeit der letzten Jahre ausschlaggebend. SPD-Politiker würden als Bürgermeister und Minister im politischen Alltag gute Arbeit leisten. „Deutschland geht es gut, wo die SPD regiert“, sagt sie. Aber auch hier gilt: Manchmal sind die Lorbeeren der einen eher das Versagen der anderen. „Viele Unionsmitglieder haben versagt“, erklärt Ganssmüller-Maluche, „Scheuer mit der Pkw-Maut, Spahn mit der Maskenaffäre, Laschet, Glöckner Altmaier – bei der CDU ist alles furchtbar.“

Aus welchen inhaltlichen oder personellen Gründen auch immer die SPD das Umfrage-Wunder vollbracht hat – erstaunlich ist es allemal. Es ist und bleibt die spannendste deutsche Bundestagswahl seit vielen Jahren.

Alle Informationen rund um die Bundestagswahl 2021 in Bayern finden Sie hier.

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