Als alleinerziehende Mutter mit Vollzeitjob kennt Katinka Burz die Sorgen, Nöte und Bedürfnisse von Familien und Kindern.
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Als alleinerziehende Mutter mit Vollzeitjob kennt Katinka Burz die Sorgen, Nöte und Bedürfnisse von Familien und Kindern.

BUNDESTAGSWAHL

Bundestagswahl 2021 im Landkreis München: Katinka Burz (Linke) ist die Gerechtigkeitskämpferin

  • Charlotte Borst
    VonCharlotte Borst
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Vor der Bundestagswahl am 26. September stellt der Münchner Merkur in loser Reihenfolge in Porträts die Direktkandidaten für den Landkreis München vor. Heute: Katinka Burz (Linke). 

Landkreis – Als sie vom Kreisverband gefragt wurde, ob sie als Direktkandidatin der Linken im Landkreis München antreten würde, zögerte Katinka Burz nicht. „Klar, mach ich das“, sie zuckt kurz mit den Schultern. Abgeklärt wirkt das, entschlossen. Die 40-Jährige weiß, wofür sie steht und hat kein Problem, öffentlich dafür einzutreten. Demnächst wird ihr Bild die Wahlplakate schmücken. Eine junge Frau mit langen braunen Haaren, die viel Lebenserfahrung mitbringt und ihren Fokus auf soziale Gerechtigkeit legt.

Die Linken-Politikerin aus Kirchheim wirkt in sich ruhend, antwortet mit sonorer Stimme bestimmt auf alle Fragen. Katinka Burz ist in Stuttgart geboren und aufgewachsen, mit 19 Jahren ist sie zum ersten Mal Mutter geworden, hat den Beruf der Kinderpflegerin ergriffen und als alleinerziehende Mutter früh Verantwortung getragen. Sie arbeitet in Vollzeit bei einem freien Träger für obdachlose Familien. Am Landkreis München liebt sie, dass es städtische Ecken ebenso wie idyllisch ländliche Flecken gibt. Seit 2016 lebt die zweifache Mutter in Kirchheim und fühlt sich mit Tochter (14) und Sohn (21) sehr wohl in der Gemeinde.

„Das war großartig, da war ich stolz auf uns.“

2018 ist Katinka Burz bei den Linken eingetreten. „Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Demokratie waren früh meine Themen“, erzählt sie. Schon als sie ihren ersten eigenen Haushalt gründete, habe sie darauf geachtet, Wertstoffe zu trennen, Plastik zu vermeiden und im Reformhaus Bioprodukte zu kaufen, „das ist bei meinen Freunden oft auf Verwunderung gestoßen.“ Einer ihrer Schlüsselmomente war 2015. Als mehr als eine Million Flüchtlinge Deutschland erreichten. „Das war großartig, da war ich stolz auf uns.“ Als dann aber die rechtspopulistische AfD 2017 in den Bundestag einzog, war Katinka Burz entsetzt und alarmiert. „Ich habe das nicht für möglich gehalten.“ Sie wollte nicht zuschauen, sondern ihren Beitrag leisten, im Ehrenamt, in ihrer raren Freizeit. 2018 trat sie bei den Linken ein. Seit einem Jahr vertritt Katinka Burz die Linke als Einzelkämpferin im Kreistag. Was sie an den Linken überzeugt: „Dass wir eine Antikriegspartei sind, dass wir uns starkmachen gegen Rassismus und für soziale Gerechtigkeit eintreten.“

Über ihre Arbeit im Erziehungsbereich hat sie viel Kontakt zu Jugendlichen und Kindern aus anderen Nationen. Ein Junge aus dem Irak, der stark stotterte, bedankte sich Jahre später bei ihr, dass er in der pädagogischen Einrichtung so sein konnte, wie er war, „da hatte er schon sein Abitur“. Ob Corona oder Klimakrise, gerade Arme und sozial Deklassierte seien davon härter betroffen als wohlsituierte Familien. Familien ohne zuverlässiges Internet, ohne digitale Endgeräte, ohne Drucker konnten am Homeschooling nicht gleichermaßen teilnehmen. Es sei fatal, dass Kinder in Deutschland in Armut leben. „Kinder brauchen Unterstützung, um ihr Potenzial zu entfalten, nur geben das die Strukturen in unserem Bildungssystem nicht her.“ Das zeigten die Pisastudien: „Kinder aus finanzschwächeren Familien bekommen viel öfter eine Empfehlung für die Mittelschule.“ Die Linken-Politikerin kann da nicht zuschauen. Sie tritt ein für Chancengleichheit. „Kinder sind unsere Zukunft. Wir müssen Verständnis für sie haben.“

250 000 Sozialwohnungen pro Jahr?

Damit Wohnen in Ballungsräumen bezahlbar bleibt, fordert die Linkspartei einen bundesweiten Mietdeckel, 250 000 Sozialwohnungen pro Jahr und keine Räumungen in die Obdachlosigkeit. Für den öffentlichen Nahverkehr wünscht sich Katinka Burz mehr Anreize, um aus dem Auto auszusteigen. Der MVV sollte günstiger werden und besser.

Katinka Burz arbeitet Vollzeit, viel Zeit hat sie nicht für den Wahlkampf. Am Wochenende steht das Plakatieren an. Infostände will sie gemeinsam mit anderen Genossen organisieren und auch Flyer verteilen. Eine kleine Truppe von fünf bis sechs Linken engagiert sich mit ihr im Landkreis. „Wir stimmen uns ab, wo wir Zeit und Kapazitäten haben, aber viele arbeiten so wie ich Vollzeit.“ Das sei bei hauptberuflichen Politikern wie Florian Hahn und Anton Hofreiter natürlich anders. Die Latte hängt für sie sehr hoch. Als vor vier Jahren Eva Schreiber für die Linke kandidierte, schickten die Landkreisbürger sie prompt in den Bundestag. Diesmal tritt die 62-Jährige für den Wahlkreis Regensburg an.

Wie schnell man in politische Ämter kommen kann, hat Katinka Burz 2020 gemerkt, seither ist sie Kreisrätin und das Gesicht der Linkspartei im Landkreis. Bei der Bundestagswahl am 26. September hat sie zwar mit Platz 21 auf der Landesliste wenig Chancen. Trotzdem zieht sie im Wahlkampf ganz ruhig und beharrlich ihre Kreise, die Jungen und die Frauen seien unterrepräsentiert in der Politik, findet sie. Und um den Armen eine Stimme zu geben und den Blick auf Frauen, Kinder und Familie zu richten, „dafür braucht es die Linkspartei“.

Ausführliche Informationen rund um die Bundestagswahl 2021 finden sich hier. Dort wird auch erklärt, wie die Wahl genau funktioniert und die Parteien werden vorgestellt. Im Bayernressort findet sich ein Überblick über die 46 Wahlkreise und die Direktkandidaten und wo man am Wahlabend die Ergebnisse finden kann.

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