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Für die CSU in Berlin: Hans-Peter Uhl vor der Münchner Parteizentrale an der Nymphenburger Straße. 

Bundestagswahl 2013

Das sind die Kandidaten für München-West

München - Am 22. September ist Bundestagswahl. 916.913 Münchner sind dann aufgerufen, in vier Wahlkreisen ihre Stimmen abzugeben. Doch wen mit der Erststimme wählen? Das sind die Kandidaten im Wahlkreis 221 München-West.

CSU: Hans-Peter Uhl  

In München galt er als harter Hund, im Bundestag musste er als Hinterbänkler beginnen. Heute wirkt der ehemalige Kreisverwaltungsreferent Hans-Peter Uhl umtriebig wie eh und je. Ein allerletztes Mal tritt er für den Bundestag an. 2017, sagt Uhl entschlossen, soll Schluss sein. So richtig vorstellen kann man sich das heute noch nicht.

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Hans-Peter Uhl, 69, steht immer noch jeden Morgen um 6 Uhr auf. „Ich habe mich noch nie gelangweilt“, sagt er. „Ich weiß gar nicht, wie das geht.“ 1987 hat er gegen einen Gegenkandidaten namens Christian Ude das Kreisverwaltungsreferat erobert, es sechs Jahre später trotz rot-grüner Mehrheit verteidigt. Der Konservative Uhl, der seine Worte bedächtig wählt, bekommt beinahe etwas Spitzbübisches, wenn er von dieser Zeit erzählt. „Rot-Grün wollte mich elf Jahre lang loshaben“, sagt er und grinst. „Aber ich habe Herrn Ude bis zum letzten Tag geärgert.“

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Für die Roten und Grünen in der Stadt war er eine Provokation. Mal dachte Uhl laut darüber nach, Stadtstreicher in „Arbeitshöfe“ zu bringen, mal wollte er Eltern junger krimineller Ausländer mit ausweisen. Auch heute noch schimpft Uhl über das „Gesäusel von der Willkommenskultur“.

Bundestagswahl 2013 in Zahlen und Fakten

Bundestagswahl 2013 in Zahlen und Fakten

1998 ging Uhl in den Bundestag – als Hinterbänkler. 1999 zog er in den OB-Wahlkampf, warf aber wieder hin, weil die CSU ihn nicht zum Bezirkschef wählen wollte. In dieser Zeit war viel vom „Abstieg des Hans-Peter Uhl“ die Rede. Aber er kämpfte sich zurück. „Uhl hat die rot-grüne Ausländerpolitik zu seiner Sache gemacht“, schrieb unsere Zeitung 2005. „Der 60-Jährige spielt den Chefankläger.“

Uhl ist präsent geblieben, auch und gerade mit seinen alten Herzensthemen. „Ich setze meine Arbeit als Kreisverwaltungsreferent in Berlin fort“, sagt er. Die liberalen Gesetze für Prostitution nennt er eine „Altlast der rot-grünen Regierung“, kritisiert die Armutseinwanderung. „Wir müssen Menschen, die die Freizügigkeit in Europa missbräuchlich nutzen, um Sozialhilfe zu bekommen, in ihre Heimatländer zurücküberweisen“, sagt Uhl. Als ersten Schritt müsse man „energischer kontrollieren“. „Wenn die Freizügigkeit missbraucht wird, ist der europäische Leitgedanke in Gefahr.“

In vier Jahren, sagt Uhl, ist Schluss mit der Bundespolitik. „Man muss die Zeit danach vorbereiten“, sagt er. Es klingt nicht so, als würde Uhl 2018 nicht mehr täglich um 6 aufstehen wollen. Felix Müller

SPD: Roland Fischer 

Neulich hatte Roland Fischer mal wieder so ein Wochenende, an dem ihm bewusst wurde, welch unterschiedliche Seiten sein Wahlkreis hat. Am Samstag, erzählt er, war er beim Christopher Street Day. Am Sonntag fuhr er zum Niederbayern-Verein nach Pasing. Fischer mag die Vielfalt des Stimmkreises. Wohl fühlt er sich vor allem im Zentrum.

Zum Beispiel im Bahnhofsviertel. „Es ist faszinierend!“, sagt er beim Spaziergang an den Dönerbuden und Gemüsegeschäften der Goethestraße entlang. „Nirgends in München funktioniert das Zusammenleben so gut wie hier!“

Fischer ist ein Linker. „Die Rente mit 67 und dieses ganze Zeugs“, sagt er abfällig, „das hat uns nur Probleme geschaffen.“ Er selbst kommt aus dem Arbeitnehmerflügel der SPD, hat lange für Gewerkschaften gearbeitet. Derzeit hat er zwei Wahlkämpfe zu führen: Fischer verdient sein Brot als Mitarbeiter im Wahlkreisbüro des SPD-Bundestagsabgeordneten Klaus Barthel in Miesbach. Dort organisiert er dessen Wahlkampf – und in München seinen eigenen.

2011 hat Fischer Münchens SPD-Chef Hans-Ulrich Pfaffmann herausgefordert und bei der Kampfabstimmung einen Achtungserfolg errungen. Auch bei der Listenaufstellung für die Bundestagswahl konnte er nicht genügend SPDler überzeugen. Seine Chancen, über die Zweitstimmen nach Berlin zu kommen? Da lacht Fischer und nimmt einen langen Zug von seiner Zigarette. „Vergessen Sie’s!“ Platz 41 ist aussichtslos, er muss im Stimmkreis auf Sieg spielen.

Ein Profil zu entwickeln fällt ihm zumindest gegen Hans-Peter Uhl nicht schwer. „Uhl ist ein Vertreter der Überwachungsmentalität“, sagt er zum Beispiel. „Ich nicht.“ Uhl kann man sich auch nur schwer vorstellen, wie er davon schwärmt, wie „bunt und urban“ das Bahnhofsviertel sei.

Natürlich ist Fischer wie allen Münchner SPD-Kandidaten besonders das Wohnproblem ein Anliegen. Er wirbt zum Beispiel dafür, auch alte Mietverträge für den Mietspiegel zu berücksichtigen. Mieten sollten auch dann nicht um mehr als 15 Prozent erhöht werden können, wenn modernisiert wurde. Der Bund, sagt Fischer, müsse dringend auch selbst wieder Wohnungen bauen. Mit seinen Forderungen will er vor allem auch Senioren erreichen. „Die Leute, die nach dem Krieg alles aufgebaut haben, können sich ihre Heimatstadt im Alter nicht mehr leisten!“, sagt er. Felix Müller

Grüne: Dieter Janecek 

Dieter Janecek hat seinen Einzug ins Parlament lange vorbereitet. Seit 2008 ist er Grünen-Landeschef, hat sich in München und Berlin bestens vernetzt und ist öfter mit seinen Ansichten angeeckt. Jetzt dürfte der Sprung in den Bundestag gelingen. Platz 4 der Landesliste gilt als bombensicher.

Aus seinen Bundestags-Ambitionen hat er nie einen Hehl gemacht. „Bayern ist spannend, aber Berlin ist wichtiger“, sagt der 36-Jährige. „Es war nie mein Ding, in den Landtag zu kommen.“

Die Klimapolitik, die Energiewende, das sind seine Themen. Dabei scheut sich Janecek nicht, die alte Kernklientel der Grünen zu irritieren. Eher strebt er nach neuen Ufern – die Grünen nicht als Partei der Freaks, sondern für viele Menschen wählbar. Bundesweit ist er mit Gedankenspielen aufgefallen, die Partei stärker für Bündnisse mit CDU und CSU zu öffnen.

Auch abseits der Parteien hat Janecek keine Berührungsängste. Mit den Kirchen arbeitet er zusammen, sucht das Gespräch auch mit Konzernen wie BMW und Siemens.

In München sitzt er im Neuhauser BA, hat die Stadt 2008 mit einer Klage zur Umweltzone gezwungen. Janecek kann sich ziemlich ärgern über Anwohner, die sich wegen Kneipen-Lärm beschweren. „Wir sind doch in einer Großstadt und nicht auf einer Alm“, sagt er oft und gerne.

In München sieht er seine Partei nicht mehr als kleinen Partner. „Das Potenzial, auf Augenhöhe zu agieren, ist da.“ Dass er das ernsthaft sagen darf, hat wohl auch mit Grünen wie ihm zu tun. Wenn Janecek mal wieder zu einem Schafkopfturnier einlädt, erzählt er, schaut mancher zunächst noch verdutzt. „Die Leute sind skeptisch, ob die Grünen Schafkopf können. Ich kann.“ Felix Müller

FDP: Daniel Volk  

Mit dem Gemütszustand ist es so eine Sache. Man kann ihn so oft betonen, dass eher der Eindruck entsteht, das Gegenteil sei richtig. Wie bei Daniel Volk. Der FDP-Bundestagsabgeordnete schien auf dem besten Weg zum in Berlin profilierten Politiker. Dann ließ ihn seine Partei bei der Listenaufstellung durchrasseln. Da kann Volk noch so oft betonen, er sehe momentan „alles sehr entspannt“, man darf wohl davon ausgehen, dass die Enttäuschung groß ist.

Volk wäre nicht Volk, wenn er nicht trotzdem kämpfen würde vor der Wahl. Seit 20 Jahren sei er „Parteisoldat“, so sagt es Volk, 43, der lange dem Bezirksverband vorstand.

Also wirbt er für seine FDP in diesen Wochen und für eine Fortsetzung der schwarz-gelben Koalition. „Ich bin da sehr zuversichtlich“, sagt er. 1998, als Rot-Grün gewann, „da gab es eine Wechselstimmung. 2013 nicht.“

Sein Steckenpferd sind die Finanz- und Steuerpolitik. Keine Themen, mit denen man die Wähler begeistert. „Ich kann nicht wie ein Verkehrspolitiker sagen: Hier, die Umgehungsstraße habe ich für euch gebaut.“ Kommunale Gewerbesteuer, Gemeindefinanzreform: solche Worte sprudeln aus Volk heraus, am Info-Stand sind sie eher untauglich. Im Wahlkampf versucht Volk trotzdem, den Blick auf seine Sachthemen zu richten. „Die Steuererhöhungspläne von Rot-Grün sind natürlich ein Geschenk des Himmels“, sagt Volk und grinst.

Sein größtes Problem in den letzten Jahren waren Plagiatsvorwürfe, mit denen er konfrontiert wurde. Die Anschuldigungen sind mittlerweile vom Tisch. Was Volk ab Herbst macht? Der Rechtsanwalt wird wohl als selbstständiger Berater arbeiten. Und ehrenamtlich für die Partei, so viel ist klar. Felix Müller

Freie Wähler: Reinhold Herbert

Reinhold Herbert will in den Bundestag. Und er will, dass der Bundestag weniger zu entscheiden hat. „Wir sind ein föderales Land“, sagt er. Vieles, was in Brüssel, in Berlin oder auch im Landtag entschieden werde, gehöre eigentlich vor Ort, zu den Kommunen.

Oder gleich direkt zum Bürger. Herbert, 52, ist wie viele Freie Wähler ein Befürworter von Bürger- und Volksentscheiden. Herbert ist Gewerkschaftsfunktionär, arbeitet bei Verdi. Zu den Freien Wählern kam er, weil er mit den etablierten Parteien nichts anfangen konnte. „Wenn man gewählt wird, sollte man Bürgerinteressen vertreten, nicht Parteiinteressen.“

Den ESM würde er am liebsten abschaffen. „Jeder Staat haftet selbst für seine Schulden“, sagt Herbert, der auf keinen Fall als Anti-Europäer verstanden werden will. „Wir haben letztlich auch den Griechen und Portugiesen keinen Gefallen getan.“

Ein Einzug in den Bundestag ist unwahrscheinlich, Herbert steht auf Listenplatz 11. Wenn es klappt, will sich der Gewerkschafter für einen Mindestlohn einsetzen – aber nicht für einen bundesweiten, sondern für regionale Werte. „8,50 Euo reichen in Thüringen einigermaßen“, sagt er. „In München nicht.“ Felix Müller

Wer noch antritt

Die Direktkandidaten der kleinen Parteien für München- West/Mitte im Überblick:

ÖDP: Mechthild von Walter. Die 74-jährige pensionierte Gymnasial-Lehrerin saß lange im Stadtrat. „Die ÖDP nimmt keine Spenden von Konzernen und juristischen Personen an“, betont sie, „auch kein Sponsoring. Dadurch können wir uns unabhängig und mit voller Kraft für das Gemeinwohl einsetzen.“

Piraten: Ronald Heinrich. Seit 2010 ist Heinrich Mitglied bei den Freibeutern. Der 37-Jährige sagt: „Ich sehe eine wichtige Herausforderung für mich darin, dass Politik wieder einen Weg findet, um Bürger anzusprechen. Klare Kommunikation von Sachverhalten und das Werben dafür, in der Zukunft viel mehr die Chancen für den Einzelnen zu erkennen anstatt eine ständige Bedrohung“, sei sein Plan.

Linke: Nicole Fritsche. Die 33-jährige Buchhalterin versucht die Bürger im Wahlkreis mit ihren pazifistischen Positionen zu überzeugen. Sie stehe für eine „verlässliche Friedenspolitik“, sagt sie. Fritsche hat radikale Ansichten, sie möchte „das heutige Wirtschaftssystem überwinden“.

Büso: Werner Zuse, Verwaltungsangestellter.

BB: Robert Mertel, Ingenieur.

Pro Deutschland: Stefan Ludwig Werner, Kaufmann.

NPD: Björn-Christopher Balbin, Gärtner.

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