Kanzlerkandidat Armin Laschet im Interview
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Armin Laschet im Interview: Was sind die Ziele des CDU-Politikers im Kampf um das höchste politische Amt in Deutschland? (Archivbild)

„Viele haben sich verkalkuliert“

Laschet-Flop im Sommerinterview? FDP sieht Unions-Wortbruch - „Er streicht das mal eben raus“

  • Florian Naumann
    VonFlorian Naumann
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  • Veronika Silberg
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Die Bundestagswahl 2021 rückt immer näher. Im ARD-Sommerinterview in Berlin gibt sich Kanzlerkandidat Armin Laschet souverän und siegessicher.

Update vom 11. Juli, 21.30 Uhr: Das „Sommerinterview“ von Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet scheint zum gefundenen Fressen für Teil der Opposition zu werden: Die FDP wirft Laschet nach dem Gespräch im ARD-Vorabendprogramm Wortbruch vor - Anlass sind Äußerungen Laschets, denen zufolge Steuererleichterungen in der aktuellen Lage nicht möglich seien. Die Liberalen sehen darin einen Widerspruch zum Wahlprogramm von CDU und CSU.

„Die CDU schreibt Steuererleichterung ins Wahlprogramm, der Kanzlerkandidat Armin Laschet streicht das heute mal eben wieder raus“, twitterte FDP-Chef Christian Lindner am Sonntagabend. „Man kann sich ausmalen, wie sich der Text dann ‚leider‘ nach Koalitionsverhandlungen mit Annalena Baerbock anhören würde“, fügte er hinzu - und riet, wenig überraschend zur Wahl der FDP.

Tatsächlich hatten zuletzt Recherchen der Süddeutschen ergeben, dass ein konsequent umgesetztes Unions-Wahlprogramm einige finanzielle Erleichterungen zur Folge hätte* - allerdings vor allem für Bestverdiener.

Laschet im Sommerinterview: Ein Versprechen, ein Merkel-Schmunzler - und ein Seitenhieb für Söder?

Update vom 11. Juli, 16.55 Uhr: Als „Epochenwechsel“ bezeichnet Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet die Bundestagswahl 2021 im ARD-Sommerinterview. Er wolle diesen Wahlkampf fair angehen, in der Sache aber hart streiten, betonte er - wohl auch mit Blick auf die Aufregung um persönliche Kritik an Grünen-Kontrahentin Annalena Baerbock*. Im ersten Gespräch der „Bericht aus Berlin“-Reihe zur Wahl sprach der CDU-Politiker über seine politischen Ziele, meist allerdings ohne dabei ins Detail zu gehen.

Viel Zeit blieb Armin Laschet im 25-minütigen Gespräch mit der ARD-Hauptstadtstudioleiterin Tina Hassel über die Kernthemen Umwelt, Steuern, Mietpreise und Corona nicht. Der Kanzlerkandidat bekräftigte, er wolle keine Steuererhöhungen, in der Klimapolitik wünsche er sich mehr internationale Zusammenarbeit. Auch schnellere „Genehmigungsverfahren- und Plan-Verfahren“ seien in Deutschland etwa mit Blick auf die ökologische Umgestaltung der Verkehrsinfrastruktur wichtig - mittlerweile gebe es bereits Bürgerinitiativen „gegen Rad-Schnellwege“.

Laschet im „Sommerinterview“: Kanzlerkandidat gibt Versprechen ab - und berichtet von Corona-Streit mit Merkel

Immer wieder betonte der Kanzlerkandidat* der Union auch, wie wichtig ihm Diversität sei - im Bundestag* und im Kabinett. Wirtschaftliches Wachstum und mehr Beschäftigungen nach der Corona-Pandemie sollen wieder die Kassen füllen, bekräftigte Laschet auch bereits bekannte Maßgaben aus dem Unions-Wahlprogramm. Die Schuldenbremse fallenzulassen gehe aber zulasten der nächsten Generation und auch eine Steuererleichterung sei nicht möglich: „Dazu haben wir nicht das Geld.“

Immerhin in einem Punkt gab Laschet ein kleines Versprechen ab: Die Unionsfraktion hatte unlängst eine Neuverteilung der Klimakosten zwischen Mietern und Vermietern verhindert. Laschet deutete an, dass Vermieter künftig an den Zusatzkosten durch den CO2-Preis auf Öl und Gas beteiligt werden könnten. „Die jetzige Lösung, dass der Vermieter quasi gar nichts leistet, wird keinen Bestand haben“, sagte er. In der Kürze sei nur keine andere Lösung denkbar gewesen, fügte er hinzu.

Von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wollte sich Laschet trotz des mehrfach angekündigten „Epochenwechsels“ nicht deutlich absetzen. Über Merkel „richtig aufgeregt“ habe er sich noch nicht, sagte er auf eine Zuschauerfrage. „Wir hatten manchmal leichte Meinungsunterschiede in der Corona-Zeit, aber immer in gegenseitigem Respekt“, berichtete er. Man habe sich ausgetauscht und die verschiedenen Argumente beiderseitig verstanden.

Laschet lässt bei Frage zu Merkel aufhorchen - Seitenhieb auch für Markus Söder?

An anderer Stelle betonte der Unions-Politiker, er sehe sich gleichermaßen in der Tradition der CDU-Regierungschefs Helmut Kohl und Merkel. Für ein Schmunzeln bei einigen Zuschauern könnte allerdings Laschets Reaktion auf die Frage gesorgt haben, was Angela Merkel besser könne als er - nach mehrsekündigem Nachdenken in einer „Schnell-Fragerunde“ erklärte Laschet: „Das weiß ich nicht.“

Auch einen Seitenhieb für CSU-Chef Markus Söder* und interne Kritiker schien der Nordrhein-Westfale zu äußern: „Ich habe darüber nie nachgedacht, ob andere mich unterschätzen oder überschätzen. Viele haben sich jedenfalls verkalkuliert in den letzten Jahren“, erklärte er. Söder und Laschet hatten sich vor der Nominierung des Unions-Kanzlerkandidaten in einem mehrtägigen Wettkampf befunden - in dem die CSU, aber auch viele CDU-Politiker Partei für Söder ergriffen. Zuletzt stiegen die Umfragewerte von CDU und CSU vor der Bundestagswahl allerdings deutlich an.

Am Ende wurde Laschet dann doch noch deutlich: Er will Bundeskanzler werden, dafür werde die Union alles versuchen. Und Italien werde das anstehende EM-Finale gegen England mit 3:1 gewinnen, prophezeite er. „Ich bin großer Italien-Fan und war es schon immer!“

Laschet muss als Erster ins Sommer-Interview - Heikelster Part schon vor dem TV-Auftritt?

Vorbericht vom 11. Juli, 16.00 Uhr: Berlin - Sechzehn Jahre Kanzlerschaft Angela Merkels neigen sich ihrem Ende entgegen und zum ersten Mal seit vier Wahlperioden hieß es auch für die Union: umsatteln. Nach ersten Startschwierigkeiten und Kommunikationsdifferenzen heißt der neue Hoffnungsträger nun Armin Laschet* - geht es nach CDU und CSU soll der Nordrhein-Westfale neuer Kanzler werden.

Doch wie wird seine Politik aussehen, sollte er sich bei der Bundestagswahl im September gegen Annalena Baerbocks* Grüne und Olaf Scholz‘* SPD durchsetzen? Klimaschutz, Steuererleichterungen und Wohlstand für alle gehören zu den Themen des NRW-Ministerpräsidenten. Wie viel Merkel wird dabei in seiner Politik stecken und wo wird das „Stehaufmännchen“ der CDU neue, eigene Akzente setzen? Im Sommer-Interview des ARD-„Bericht aus Berlin“ muss sich der CDU-Politiker am Sonntagabend wichtigen Fragen zu seinen Zielen und Vorhaben im Wahlkampf 2021 stellen.

Laschet macht den Anfang: Die „ARD-Sommerinterviews“

In den „Sommerinterviews“ empfangen Tina Hassel, Studioleiterin und Chefredakteurin Fernsehen im ARD-Hauptstadtstudio, sowie ihr Stellvertreter Matthias Deiß von Mitte Juli bis Ende August alle Kanzlerkandidaten oder Parteivorsitzenden von CDU, CSU, SPD*, AfD*, FDP*, Die LINKE* und Bündnis 90/Die Grünen*. Auf der Terrasse des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses im Berliner Regierungsviertel soll es live um die Ziele und Vorhaben der Parteien im Wahlkampf gehen. Auch Zuschauer können ihre Fragen auf Facebook und Youtube stellen.

Um 18.05 Uhr im Ersten ist das Gespräch zu sehen. Zuvor beantwortet Laschet ab 17.00 Uhr über tagesschau.de Fragen von Zusehern - für den TV-erfahrenen CDU-Kanzleranwärter womöglich der schwierigere Part. (vs) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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