Armin Laschet auf einer Wahlkampfveranstaltung in Osnabrück.
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Armin Laschet auf einer öffentlichen Wahlkampfveranstaltung in Osnabrück - ein eher seltener Anblick.

Seevetal-Hittfeld statt Köln und München

Will die Union Armin Laschet verstecken? CDU-Planung wirkt vielsagend

  • Florian Naumann
    VonFlorian Naumann
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Während Annalena Baerbock und Olaf Scholz Kilometer machen, bleibt Armin Laschet im Hintergrund. Die aktuellen Wahlkampf-Pläne der Union scheinen vielsagend.

Berlin/München - Zuletzt ging es für Armin Laschets Beliebtheitswerte sogar wieder leicht aufwärts: Im jüngsten ZDF-„Politbarometer“ hat der Unionsbewerber im Beliebtheitsranking acht Prozentpunkte auf Olaf Scholz gutgemacht. Aber dass 21 Prozent der Deutschen den Mann der ewigen Kanzlerparteien bevorzugen und 48 Prozent den der SPD - es ist nach wie vor nichts anderes als eine demoskopische Ohrfeige.

Stellt sich weiterhin die Frage: Wollen CDU und CSU im Wahlkampfendspurt ihren Anwärter auf das Kanzleramt verstecken? Schon vor Wochen wurde darüber gespottet, dass Plakate mit dem Konterfei Laschets vielerorts nur unter größeren Mühen aufzufinden sind. Nun kommt ein weiteres Indiz hinzu.

Denn während Scholz zumindest an einzelnen Wahlkampf-Tagen geballt den Auftritt auf den Marktplätzen sucht und die Grünen Annalena Baerbock (aber auch Co-Chef Robert Habeck) auf Dauertour durch Deutschland schicken, ist Laschet im Endspurt vor der Bundestagswahl auf offener Straße kaum noch anzutreffen. Zwar hat die CDU auf ihrer Homepage eine „Deutschlandreise“ Laschets prominent platziert. Tatsächlich ist der Kalender aber nicht zuletzt mit Presseterminen, Verbandsreden und Parteiveranstaltungen aufgeplustert. Ganze zwölf im engeren Sinne öffentliche Termine sind für Laschet im gesamten heißen Wahlkampf-Monat September vermerkt. Im August waren es sechs.

Bundestagswahl: Baerbock und Scholz tingeln über die großen Plätze - Laschets Plan füllen Pressekonferenzen

Zum Vergleich: Olaf Scholz wird allein in den zwei Wochen von 11. bis 24. September 16 Mal auf Marktplätzen und in ähnlichen Kontexten auftreten. Annalena Baerbock wird am Ende in August und September wohl knapp 40 Mal auf Stadtplätzen zu sehen gewesen sein. Habeck steuert eine sogar noch etwas größere Zahl an Wahlkampfveranstaltungen bei - was für sich genommen natürlich auch einen durchaus interessanten Fakt darstellt. Gerade zu Beginn der Sommerpause hatte die Partei Habeck in den Fokus gerückt.

Die Liste der Grünen-Auftritte wirkt jedenfalls beinahe unüberschaubar lang. Laschets Tour lässt sich trotz bilderreichem Layout schnell überscrollen und beinhaltet dabei noch zahlreiche Programmpunkte wie „Pressekonferenz Konrad-Adenauer-Haus“, die geplante Rede bei CSU-Parteitag oder auch ein „Redaktionsgespräch“ in Nürnberg. Ebenfalls bemerkenswert: Offenbar finden sich nicht alle Termine auf der Homepage: Mindestens ein weiterer Termin in Warendorf bei Münster wurde gar nicht erst auf der CDU-Webseite vermerkt. Eine Merkur.de-Anfrage vom Freitagnachmittag (10. September) zur Vollständigkeit der Listung ließ die Partei zunächst unbeantwortet.

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Ebenfalls auffällig: Während Scholz und Baerbock wohl durchaus gezielt noch Metropolen wie München und Köln oder Stuttgart, Düsseldorf und Leipzig ansteuern, lässt Laschet die Großstädte im Sommer-Wahlkampf beinahe komplett links liegen. Berlin stand bereits auf dem Tourplan des Unions-Kanzlerkandidaten, öffentliche Termine in Bremen und Augsburg folgen noch. Vor allem aber ist Laschet mit Parteikollegen in der Provinz anzutreffen. Vier der verbleibenden Auftritte finden statt in Seevetal-Hittfeld, Kappeln, Uelzen, Kulmbach. Ein legitimer Ansatz - aber ein so auffallender wie ungewöhnlicher.

Laschet lieber im Hintergrund? Unions-Kandidat vor der Bundestagswahl kaum sichtbar - Plakat-Debatte hält an

Womöglich setzen die Wahlkampfstrategen der Union also tatsächlich darauf, Laschet nicht allzu stark ins Schaufenster zu stellen, beispielsweise auf den großen Plätzen der Medienmetropolen. Ein seltener Wahlkampf-Tag in Osnabrück endete im August zudem für Laschet mit einem eher peinlichen Blackout. Passen würde zur These des im Hintergrund versteckten Kandidaten auch, dass die Debatte um den augenscheinlichen Mangel an Laschet-Plakaten einfach nicht abebben will.

So hat am Freitag Spiegel Online das Thema noch einmal aufgegriffen: Eine - natürlich nicht repräsentative - anekdotische Umfrage unter Lesern ergab, dass selbst längere Auto- und Radfahrten durch Deutschland kaum Hinweise auf Werbetafeln mit Laschets Gesichts lieferten. Ein Mann aus Südhessen berichtete demnach gar, nach Aussagen eines CDU-Mitglieds habe der lokale Parteiverband absichtlich auf Laschet-Tafeln verzichtet - mehr als 80 Prozent seien für Söder als Kanzlerkandidat gewesen. Zu lesen war zuletzt auch schon wieder von Spekulationen über ein Kanzlercomeback Söders. Aus Nordbayern und NRW gab es gleichwohl durchaus auch Plakat-Sichtungen.

Die Frage nach dem Plakataufkommen des Unions-Kanzlerkandidaten bleibt letztlich wohl offiziell ungeklärt: Die CSU ließ zuletzt jedenfalls eine Anfrage von Merkur.de zur diesbezüglichen Strategie dauerhaft unbeantwortet. (fn)

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