Armin Laschet, Unions-Kanzlerkandidat, und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sitzen nebeneinander an einem Tisch
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Armin Laschet, Unions-Kanzlerkandidat, und Kanzlerin Angela Merkel (CDU)

Meinungsforscher sieht „Potenzial“

Schicksalstage für Laschet: Wende dank Merkel oder „Countdown des Machtverfalls“?

  • Cindy Boden
    VonCindy Boden
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Armin Laschet hat sich schon einmal hochgekämpft - gelingt es ihm wieder? Er setzt jedenfalls erneut auf die „gute Tradition“. Sie heißt Angela Merkel.

Berlin - Ein freudestrahlender Armin Laschet steht in Düsseldorf auf der Bühne, vor ihm jubeln seine Anhänger. Die Wahl ist gewonnen. Szenen aus dem Jahr 2017 - Landtagswahl in NRW. Genau so wünscht es sich der CDU-Chef jetzt wieder. Dieses Mal aber bei der Bundestagswahl. Doch aktuell kämpft die Union mit einem Umfragetief. Für Laschet keine unbekannte Situation.

Auch 2017 kämpfte sich die CDU in Nordrhein-Westfalen in den letzten Wochen des Wahlkampfes noch nach oben. Am Wahltag landeten die Christdemokraten vor der SPD. Laschet erinnert sich daran vermutlich immer wieder, wenn er auf Journalistenfragen zu den schlechten Umfragewerten gelassen reagiert. Doch geht diese Strategie erneut auf? Oder droht Laschet und Union der große Absturz? Experten haben dazu unterschiedliche Einschätzungen parat.

Bundestagswahl: Laschet setzt auf „gute Tradition“ - Merkel kommt nach Aachen

Personen, die schon 2017 eine Rolle spielten: Kanzlerin Angela Merkel und Friedrich Merz. Der frühere Fraktionschef ist mittlerweile öfter an Laschets Seite zu sehen. Vergleichsweise früh holte der Kanzlerkandidat ihn ins Team, präsentiert ihn immer wieder als Gesicht für Wirtschafts- und Finanzpolitik. Bei Merkel sieht das etwas anders aus. Sie hielt sich lange sehr bedeckt. Sie wollte sich nicht in den Wahlkampf einmischen, wenn sie selbst schon nicht mehr antritt. Doch dann, spätestens bei ihrer voraussichtlich letzten Rede im Bundestag, stellte sie sich doch offensiv hinter ihren möglichen Nachfolger.

Laschet freut das. Vor allem, weil er noch eine „gute Tradition“ mit ihr fortführen kann: Es wird mehrere gemeinsame Auftritte in der Schlussphase des Bundestags-Wahlkampfes geben. „Die Bundeskanzlerin greift in den Wahlkampf ein, das ist ein gutes Signal“, sagte er am Montag. Und sie kommt wieder zu ihm in seine Heimat nach Aachen. Dort feierte er schon 2017 am letzten Tag vor der Wahl ein Heimspiel. „Ich will Ministerpräsident werden“, rief er damals. Dieses Mal wird es wohl: „Ich will Kanzler werden.“

Laschet weiß von der Strahlkraft solcher Auftritt - schließlich gelang es Merkel, insgesamt vier Bundestagswahlen zu gewinnen. „Da das erfolgreich war, das Rezept, werden wir das jetzt noch einmal einsetzen“, sagte er am Montag über ihren Besuch 2017. Auch in Bayern wird Laschet noch einmal Wahlkampf machen. Die Abschlusskundgebung findet dann mit Merkel, CSU-Chef Markus Söder und ihm am Freitag vor der Bundestagswahl auf dem Nockherberg statt.

Umfragen vor der Bundestagswahl: „Es kommen einige Unentschlossene und Wähler zur Union zurück“

Zuletzt stellte Laschet auch sein „Sofortprogramm“ vor. Ein paar wenige Präzisierungen, vieles war aber schon aus dem Wahlprogramm der Union bekannt. Ob die Auftritte und inhaltlichen Aufschläge am Ende reichen, wird sich am 26. September zeigen. „Die Union hat noch ein zusätzliches Potenzial von 16 Prozentpunkten“, sagt zumindest Chef des Meinungsforschungsinstituts Insa, Hermann Binkert, der Bild. Eine Jamaika-Koalition aus Union, Grünen und FDP bleibe eine Chance für Laschet, Kanzler zu werden.

Video: Hoffnung für Laschet? Umfragewerte steigen erstmals seit Wochen

Im „Trendbarometer“ ging es am Dienstag immerhin für die Union wieder etwas nach oben. „Es kommen einige Unentschlossene und Wähler zur Union zurück, die mit der FDP geliebäugelt hatten“, hält immerhin Forsa-Chef Manfred Güllner gegenüber Bild fest.

„Countdown des Machtverfalls“: Kann Armin Laschet dennoch mit seiner früheren Sieges-Strategie punkten?

Auch der Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte hält den Ausgang der Bundestagswahl noch für offen. Seine Prognose geht allerdings in die andere Richtung.

„Wir werden einen Wahlabend haben mit mehreren Kanzlermöglichkeiten - nicht nur mit einem“, sagte er der Rhein-Zeitung. Es werde eine historische Wahl, bei der es am Wahlabend zwei mögliche Kanzler geben könne. Die Frage sei dann, wer ein Regierungsbündnis schmieden könne. „Auch der Zweite kann am Ende Sieger sein, wenn er Mehrheiten gestalten kann.“ Zur Union mit Kanzlerkandidat Laschet sagte Korte: „Es gibt auch einen Countdown des Machtverfalls, nach 16 Jahren ist das nicht unerwartet. Da hätte ein Kaiser kandidieren können, der hätte das auch nicht aufgehalten.“ (cibo/dpa/AFP)

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