Der Kontext zum Aufreger

Nach Wahlvideo nächste Diskussion: Laschet-Satz zu Mord an Tankstelle erhitzt die Gemüter

  • Anna-Katharina Ahnefeld
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Der tödliche Angriff in Idar-Oberstein sorgt für Entsetzen. Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet stolperte in seiner Reaktion auf die Tat über eine Formulierung.

Stralsund – Der tödliche Angriff auf einen 20-jährigen Studenten und Tankstellenmitarbeiter im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein löst landesweites Entsetzen aus. Die mutmaßlichen Hintergründe machen fassungslos. Als Motiv gab der 49-jährige Tatverdächtige der Staatsanwaltschaft zufolge an, ihn hätten die Umstände aufgrund der Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie dazu getrieben, „ein Zeichen setzen“ zu wollen. Offenbar hatte der 20-Jährige ihn wegen des fehlenden Mund-Nasen-Schutzes nicht bedienen wollen.

Eine Tat, die kurz vor der Bundestagswahl eine durchaus politische Dimension hat. Malu Dreyer, Ministerpräsidentin des Bundeslandes, kritisierte, dass der Mord im Internet von Corona-Leugnern und Querdenkern instrumentalisiert werde. „Wer einen Mord rechtfertig oder begrüßt, bereitet den Nährboden für Gewalt“, äußerte sich Dreyer deutlich. Auch die Kanzler-Kandidierenden reagierten auf die erschreckende Tat. Annalena Baerbock (Die Grünen) und Olaf Scholz (SPD) veröffentlichten Statements, in der sie ihrer Betroffenheit Ausdruck verliehen. Doch die Reaktion von Armin Lasche erhitzte teilweise die Gemüter. (Scholz oder Laschet? Letzte Prognosen und erste Ergebnisse bekommen Sie in unserem Politik-Newsletter.)

 Laschets Satz zum tödlichen Angriff in Idar-Oberstein erhitzt Gemüter - der Kontext zum Aufreger

Zuerst ein CDU-Wahlkampfvideo, dann eine missglückte Formulierung bei einem Auftritt. Die Woche vor der Bundestagswahl am Sonntag verläuft für Laschet holprig. Ein neues YouTube-Video des offiziellen Parteikanals, in dem ein Querdenker zu sehen ist, sorgte für einen Eklat. Von anderen Politikerinnen und Politikern hagelte es daraufhin Kritik. Janosch Dahmen von den Grünen schrieb: „Am selben Tag, an dem ein Bürger für die Durchsetzung der Maskenpflicht in Idar-Oberstein ermordet wird, veröffentlicht die CDU einen Spot mit einem Querdenker. Dieses Video ist ein Hohn für alle, die mit Solidarität und Engagement gegen das Virus kämpfen.“

Auf das Video folgte ein Wahlkampfauftritt Armin Laschets am Dienstag (21. September) in Stralsund, Mecklenburg-Vorpommern, gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Für den Unions-Politiker ein wichtiger Termin mit der bislang im Wahlkampf sehr zurückhaltenden Kanzlerin. Der Versuch, auf den letzten Metern vor der Wahl noch die Unentschlossenen für sich zu gewinnen. Doch es ist besonders ein Satz, der hängen bleibt: „Heute (Anm. der Red.: Die Tat ereignete sich bereits am Samstag, 18. September) ist an einer Tankstelle in Idar-Oberstein ein 20-jähriger junger Mann, der nur an der Kasse saß und jemand drauf aufmerksam gemacht hat, er solle bitte eine Maske tragen, von dem ermordet worden. Diese Gewalt wollen wir in unserem Land nicht. Wir verurteilen diese Aggression und fordern jeden auf, das zu lassen.“

Tankstellen-Tag in Idar-Oberstein: CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet für Äußerung kritisiert

„Fordern jeden auf, dass zu lassen“ – diese Formulierung war Stein des Anstoßes. Bildblog-Journalist Lorenz Meyer twitterte: „Man könnte über die unbedarfte Äußerung eines kognitiv überforderten Politikers lachen, wenn es nicht so traurig wäre: Armin #Laschet hat über die Ermordung des Tankstellen-Kassierers durch einen Maskenverweigerer gesprochen und gesagt: ‚Wir fordern jeden auf, das zu lassen‘.“ Credo vieler Kommentare: Eine solche Formulierung angesichts der Schwere der Tat ist unangebracht. Seine Kritikerinnen und Kritiker empfanden seine Aussage als zu lasch.

Gleichwohl: Zu anderer Gelegenheit machte Laschet klar, dass er dem tödlichen Angriff in Rheinland-Pfalz ernst nimmt. „Eine schreckliche Aktion. Ich denke an die Familie des Opfers. Und das zeigt, dass wir die Debatten in Deutschland sachlich führen müssen – und dass all diese Aggression und all diese Gewalt, auch im Ton, ein Ende haben muss“, sagte der Unions-Kanzlerkandidat gegenüber dem Welt-Fernsehsender. Weiter ergänzte er: „Gewalt ist kein Mittel. Das ist abscheulich, was wir da erlebt haben.“ (aka)

Rubriklistenbild: © ODD ANDERSEN

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