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Rücktritt oder Kanzler? Für Laschet ist plötzlich alles drin - erste Forderungen nach „Konsequenzen“

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Von: Patrick Mayer

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Offenbar geknickt: CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet nach der Bundestagswahl 2021.
Offenbar geknickt: CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet nach der Bundestagswahl 2021. © Michael Kappeler/dpa

Nach der Unions-Schlappe bei der Bundestagswahl 2021 wächst der Druck auf Kanzlerkandidat Armin Laschet. Eine CDU-Spitzenpolitikerin fordert „Konsequenzen“. 

München/Berlin - Machtkampf mit Markus Söder (CSU), Foto-Lacher im Flutgebiet, Stimmzettel-Fauxpas - für CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet war es ein Wahlkampf voller Pleiten, Pech und Pannen. Bei der Bundestagswahl 2021 bekam der 60-jährige Rheinländer die Quittung - die Union erzielte das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte.

Stand Sonntagabend, 26. September, 22.10 Uhr, holten die konservativen Schwestern CDU und CSU nur 24,3 Prozent der Stimmen. Ein Debakel! Als Laschet in einem ersten Statement um 18.55 Uhr die Bundestagswahl kommentierte, kamen dennoch einflussreiche Unions-Politiker mit auf die Bühne.

Armin Laschet: Bitteres Ergebnis für CDU-Kanzlerkandidat und Union bei Bundestagswahl 2021

Allen voran Noch-Kanzlerin Angela Merkel, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier oder der saarländische Landeschef Tobias Hans (alle CDU). Einer aber fehlte: der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder. Weil er nicht neben dem Wahl-Verlierer stehen wollte? Eine beiläufige Beobachtung? Wohl kaum. Sticheleien aus München in Richtung Düsseldorf und Berlin hatten den Wahlkampf begleitet.

Die CDU ist ohne das CSU-Ergebnis in Bayern unter 20 Prozent.

CSU-Chef Markus Söder

Jetzt wird es richtig spannend. Stützt die bayerische Schwester den Noch-NRW-Ministerpräsidenten? Lässt sie ihn fallen? Söder sprach später, um 22.40 Uhr, in der ARD. „Die CDU ist ohne das CSU-Ergebnis in Bayern unter 20 Prozent“, meinte der 54-jährige Franke wenig freundlich in Richtung Laschet. Immerhin sagte er: „Wir wollen jetzt eine Regierung bilden, damit Armin Laschet Kanzler wird.“ Der Frage, ob er der bessere Kanzlerkandidat gewesen wäre, wich er aus, verneinte sie aber auch nicht.

Armin Laschet: Kann er für CDU und CSU eine Jamaika-Koalition holen?

Für Laschet war zu diesem Zeitpunkt plötzlich alles drin - vom Rücktritt bis zum Kanzleramt. „Er ist der Parteivorsitzende. Er ist unser Kanzlerkandidat. Wir als Partei werden mit den anderen Parteien sprechen“, sagte CDU-Spitzenpolitiker Norbert Röttgen in der ARD und versprach dem angeschlagenen Laschet das Mandat, „dass wir mit Grünen und Liberalen ein überzeugendes Bündnis bekommen“. Wie das aber gehen soll, ergo ein sogenanntes „Jamaika“-Bündnis, blieb am Sonntagabend völlig undurchsichtig. Auch, ob sich die CDU eine Bundesregierung als nur zweitstärkste Kraft in Deutschland wirklich zutraut.

HochrechnungUhrzeitSPDCDU/CSUDie GrünenFDPAfDDie LinkeSonstige
Infratest Dimap/ARD22.10 Uhr25,924,314,511,510,55,08,3
Forschungsgruppe/ZDF22.35 Uhr25,924,114,711,510,45,08,4

Stand Sonntagabend, 26. September, 23.30 Uhr

Die Wahlparty wurde kurzerhand abgesagt, ein DJ musste seine Plattenteller wieder abbauen, CDU-Kanzlerkandidat Laschet verließ das Konrad-Adenauer-Haus Bildern zufolge völlig geknickt. Dass er trotzdem Bundeskanzler werden kann, hat mit den Mehrheitsverhältnissen im Bundestag zu tun. Sowohl das „Jamaika“-Bündnis aus CDU/CSU, den Grünen und der FDP hätte anhand der Sitze für die Fraktionen eine Mehrheit im deutschen Parlament als auch eine „Ampel“-Koalition aus SPD, Grünen und FDP.

Armin Laschet: Trotz Niederlage bei Bundestagswahl ist das Kanzleramt für CDU/CSU weiter drin

Aber kann ein Wahl-Verlierer wirklich Kanzler werden? Muss Laschet selbst Schlussfolgerungen ziehen und sogar als CDU-Parteichef zurücktreten? Ebensolche „persönliche Konsequenzen“ forderte zumindest Gitta Connemann, die Vizechefin der Unionsfraktion im Deutschen Bundestag. „Dieses Ergebnis lässt sich nicht beschönigen“, sagte Connemann dem Nachrichtenportal t-online: „Wir sind auf dem Weg, den Status der Volkspartei zu verlieren. Deshalb darf es kein Weiterso geben.“

Deutlicher wurde der CDU-Kandidat für das Direktmandat im sächsischen Görlitz. „Für mich sind der Generalsekretär und der Spitzenkandidat im Bund mitverantwortlich. Eine Neuausrichtung muss ohne die Beiden stattfinden“, sagte Florian Oest der ARD.

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Hinzukommen verheerende Umfragen unmittelbar nach der Wahl. In einer Wahlstudie des Meinungsforschungsinstituts Forsa in Kooperation mit RTL/ntv gaben 53 Prozent der Befragten Armin Laschet die Schuld für die historische Wahlschlappe von CDU/CSU, weil er der falsche Kanzlerkandidat gewesen sei. 62 Prozent meinten sogar, er solle die Verantwortung übernehmen und als CDU-Vorsitzender zurücktreten. Laut Umfrage von Infratest Dimap für die ARD gaben indes nur zehn Prozent der CDU-Wähler an, die Partei wegen Kandidat Laschet gewählt zu haben. Und: Wie die Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF ermittelte, gaben sogar 56 Prozent der befragten CDU-Wähler an, ein Kanzlerkandidat Laschet habe ihrer Partei bei der Bundestagswahl geschadet.

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„Wir werden alles daran setzen, eine Bundesregierung unter Führung der Union zu bilden“, meinte dieser dennoch trotzig. Wirklich überzeugt sah er dabei selber nicht aus, in der folgenden „Elefantenrunde“ der Spitzenkandidaten in ARD und ZDF wirkte er zeitweise regelrecht dünnhäutig. Das Erste kommentierte zum Abschluss des Tages schließlich vielsagend: „Es ist Laschets einzige Chance, sich an der Parteispitze zu halten - Kanzler oder Katastrophe.“ (pm)

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