Armin Laschet bei ProSieben im Gespräch mit den Kinder-Interviewern Pauline und Romeo.
+
Armin Laschet bei ProSieben im Gespräch mit den Kinder-Interviewern Pauline und Romeo.

Heikle Fragen

„Ich sage doch gerade ...“: Laschet von Kinder-Reportern genervt

Armin Laschet und Olaf Scholz haben sich auf ProSieben zwei Kinder-Reportern gestellt. An einigen Stellen waren die Fragen offensichtlich heikler als bei den TV-Triellen.

Berlin - Erst das Triell, dann harte Fragen von zwei elfjährigen Kinderreportern: Die Kanzlerkandidaten von Union und SPD, Armin Laschet und Olaf Scholz, sind - jeder für sich - in einer am Dienstag ausgestrahlten TV-Show auf die nächste harte Prüfung gestellt worden.

In der ProSieben-Sendung „Late Night Berlin“ mit Klaas Heufer-Umlauf hatten Pauline und Romeo das Wort. Sie erwiesen sich als unnachgiebige Interviewer, die nur scheinbar naive Fragen stellten, aber auch mal unterbrachen, um dann hartnäckig nachzubohren. In den sozialen Netzwerken wurden die beiden Jung-Reporter für die jeweils rund zehnminütigen Einspieler gefeiert. Nächste Woche soll dann in der „Late Night Berlin“ das Interview mit der Spitzenkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, ausgestrahlt werden.

Bundestagswahl: Laschet gerät bei Kinderfragen zu Maaßen ins Schwitzen - „Ich sage doch gerade ...“

Pauline und Romeo haben mit Interviews bereits Erfahrung. Sie stellten beispielsweise einige Rapper bereits vor Probleme - etwa mit der Frage, warum sie dicke Autos fahren. Nun also, kurz vor der Bundestagswahl, die Politiker. Die ließen sich in einem mit Kuscheltieren ausstaffierten Zelt auf einem kleinen Kinderstuhl nieder - und sollten sich dann unter anderem zu Themen wie der Flut in Nordrhein-Westfalen, Migration, dem Fall Nawalny, dem Wirecard-Skandal, Homo-Ehe, Maskenaffäre oder dem Hambacher Forst äußern, aber auch zu „weichen Themen“.

Auf die Frage, ob er aufhören wolle, Zigarillos zu rauchen, antwortete Laschet: „Ich rauche die nicht auf Lunge.“ Dann ging es um den Hambacher Forst und die Gerichtsentscheidung, dass die Räumung der Baumhäuser rechtswidrig sei. Laschet sagte, es sei nicht gegen das Gesetz. Es gebe noch ein Obergericht, dass das nochmals angucken müsse. Daraufhin meinte Romeo: „Lügt das Gericht?“

Ein weiteres Thema für Laschet war der umstrittene Thüringer CDU-Politiker Hans-Georg Maaßen. Auf die Frage, ob dieser ein Rechter sei, antwortete Laschet mit der Gegenfrage, ob Romeo Maaßen kenne. „Was findest du gut an ihm“, setzte Pauline nach. „Ich sage doch gerade, er ist in Thüringen aufgestellt“, erwiderte ein leicht gereizter Kanzlerkandidat - in einer Partei gebe es eben unterschiedliche Meinungen. „Warum soll an ihm etwas gut sein?“, fügte Laschet auf Insistieren Paulines hinzu. Auch beim Thema Homo-Ehe gab es einen Disput: Laschet stritt ab, gegen die Ehe von Männern gewesen zu sein. Romeo berief sich auf ein älteres Spiegel-Interview. Daraufhin sagte Laschet: „Du hat schon den Spiegel vor so langer Zeit gelesen, das ist aber toll.“ Darauf Romeo: „Nee, ich hab‘s gegoogelt.“

Kanzlerkandidaten in der Mangel: Scholz stockt bei Frage zu ertrunkenen Kindern im Mittelmeer

Auch Scholz musste sich mit für ihn unangenehmen Fragen auseinandersetzen. Ob der russische Präsident Wladimir Putin ein Mörder sei, fragte Romeo. Putin habe die Verantwortung, dass viele Menschen in Russland mit dem Leben bedroht seien, sagte Scholz.

Dann wollte Romeo wissen, warum Kinder im Meer ertrinken müssten, weil sie nach Deutschland wollten und warum ihnen nicht einfach ein Flugzeug geschickt werde. Scholz antwortete, viele suchten Wege, die nicht sicher seien, man müsse versuchen, sie zu retten und ihre Heimat sicherer zu machen. Bei der Frage, warum er dann „kein Flugzeug“ besorge, geriet der SPD-Kandidat kurz ins Stocken. Pauline sagte: „Kinder ertrinken“. Scholz entgegnete, deshalb müsse man etwas zu ihrem Schutz tun. Dennoch es brauche Regeln „um zu gucken, wer da kommen kann und wer da nicht kommen kann“ - das finde er auch „richtig“.

Ob er den Wirecard-Skandal hätte verhindern können, wollten die Kinder wissen. „Nein, das haben die zuständigen Behörden nicht verhindern können“, sagte Scholz. Der SPD-Kanzlerkandidat hatte sich am Dienstag auch im ZDF Bürgerfragen gestellt. Laschet ist am Mittwoch in der ARD-„Wahlarena“ zu Gast.

Der Moderator und Journalist Louis Klamroth, der am heutigen Mittwoch (15. September) in seiner Sendung „ProSieben-Bundestagswahl-Show“ Scholz begrüßen wird, sagte als Gast der „Late Night Berlin“ nach den Interviews zu Heufer-Umlauf: „Ich glaube, das waren die zwei härtesten Interviews im Wahlkampf, die ich bisher gesehen habe.“ Auf große Resonanz stießen diese auch in den sozialen Netzwerken. „Finde, Politiker*innen sollten in Zukunft nur noch von Kindern interviewt werden“, meinte eine Nutzerin. „Die stellen bessere Fragen als beim Triell, Laschet schwitzt“, meinte eine andere. Und eine weitere Reaktion: „Ich lege mich fest! Das ist mit Abstand das Beste im ganzen Wahlkampf!“ (dpa/fn)

Auch interessant

Kommentare