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Jubelsturm: FDP-Bayern-Chef Albert Duin (r.) mit Spitzenkandidat Daniel Föst.

Bundestagswahl

Liberale Glückseligkeit bei der FDP

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Um kurz nach 18 Uhr taumelt die FDP ins Glück. Im Münchner Hofbräukeller am Wiener Platz werden Fäuste geballt, Arme hochgerissen, verschwitzte Körper fallen ineinander.

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München/Berlin – Der bayerische Spitzenkandidat Daniel Föst ruft von der Bühne, wie sehr sie alle sich das alles verdient haben. Und man sieht ihnen allen an, dass sie das ganz genauso sehen. „Die FDP ist wieder zurück“, ruft Föst. Liberale Glückseligkeit unter Kronleuchtern.

Es ist das politische Comeback des Jahres. 10,5 Prozent wirft der Projektor bei der ersten Hochrechnung an die Wand. Was sich in den Umfragen über Monate abgezeichnet hat, ist jetzt offiziell. „Bombastisch“, nennt Lukas Köhler – Listenplatz 6 – das Ergebnis. Er wird künftig im Bundestag sitzen. Zu zehnt werden sie als bayerische FDP-Abgeordnete sein, vielleicht sogar zu elft. Das hängt letztendlich am genauen Bayern-Ergebnis, das in den Hochrechnungen bei knapp 10 Prozent liegt.

Wer hätte das vor vier Jahren gedacht? Am 22. September 2013 musste ein versteinerter Christian Lindner „die bitterste Stunde der Partei seit 1949“ einräumen. 4,7 Prozent sagte die Prognose. Die Wähler hatten die FDP von der Regierungsbank in die Bedeutungslosigkeit gejagt. Das war’s. Vielleicht für immer? Eine Partei ganz unten.

Und auch wenn Lindner selbst an diesem Abend noch wie die wandelnde Frustration persönlich wirkte, leitete er vielleicht damals schon den Triumph von 2017 ein. Die Niederlage sei so grundlegend, sagte Lindner, dass die FDP „neu gedacht werden muss“. Vier Jahre später stand genau das auf den Plakaten der Partei – „Denken wir neu“. Es stand auch über dem Programm, mit dem die Partei die Wähler überzeugen wollte.

„4 Jahre, 48 Monate, 1463 Tage, 35 112 Stunden“, der bayerische FDP-Chef Albert Duin hat die Leidenszeit auch an diesem euphorischen Abend nicht vergessen. Er hat sich die Zahlen auf einen kleinen Zettel geschrieben, den er in seiner Tasche trägt. Duin glaubt: „Wir haben diesmal vor allem die Stimmen zurückgeholt, die wir damals verloren haben.“ Auch Martin Zeil, 2013 bayerischer Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident, erinnert sich noch genau an dieses grausame Jahr, in dem die FDP auch aus dem Landtag fiel. „Es tut auch persönlich gut“, sagt er.

Und nun? Geht es vielleicht sogar bis in die Bundesregierung für die FDP? Am Sonntagabend ist schnell klar, das geht nur gemeinsam mit den Grünen und der Union. Als Jamaika-Bündnis. Die SPD will in die Opposition.

Man müsse nicht um jeden Preis regieren, sagt Parteichef und designierter Fraktionschef Christian Lindner auch an diesem Abend wieder in jede Kamera. Doch wenn die SPD nicht regieren will, steht man dann nicht auch in der Verantwortung?

Alle, die man an diesem Abend in München danach fragt, bejahen das. Der junge Neu-Abgeordnete Köhler, der frühere Minister Zeil, der Bayern-Chef Duin und auch der Spitzenkandidat Föst. Aber alle sagen sie auch, dass sie eine Koalition nur befürworten, wenn die FDP darin ihre Anliegen durchbringt. Bildungsausbau, Infrastruktur, Digitalisierung, Steuersenkungen, ein Einwanderungsgesetz – darum soll es den Liberalen gehen. Besonders mit den Grünen dürfte es teils schwierig werden. Zum Knackpunkt könnte die Umweltpolitik geraten: Die Grünen wollen das Ende des Verbrennungsmotors 2030, die FDP ist strikt dagegen.

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