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Lindner sieht sich als „Teil einer Mehrheit“ - und rätselt über das „Mysterium“ München

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Von: Cindy Boden

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Christian Lindner, Parteivorsitzender der FDP, spricht im Plenum im Deutschen Bundestag, während CDU-Chef Laschet im Hintergrund zuhört (Archivbild).
Christian Lindner, Parteivorsitzender der FDP, spricht im Plenum im Deutschen Bundestag, während CDU-Chef Laschet im Hintergrund zuhört (Archivbild). © Michael Kappeler/dpa

Nach der Bundestagswahl könnte es passieren, dass SPD und Union um die FDP buhlen. Parteichef Lindner baut schon einmal in eine Richtung vor.

Berlin - Nach der Bundestagswahl am Sonntag bleibt es spannend. Oder wie es Christian Lindner formuliert: In diesem Jahr wird die Koalitionsbildung „besonders interessant sein“. Im ZDF-„Morgenmagazin“ machte der FDP-Chef am Freitag indirekt Druck Richtung Regierungsbeteiligung. Schließlich wird seine Partei immer wieder als Kanzlermacher gesehen.

FDP-Chef Lindner vor der Bundestagswahl: „Wir sind Teil einer Mehrheit“

Doch mit diesem Titel wollte er sich erst einmal gar nicht schmücken. „Ich mag das Wort Königs- oder Kanzlermacher nicht wirklich gerne, weil wir leisten ja nur einen Beitrag“, sagte Lindner. Trotz all solcher Bescheidenheit schob er aber einen Wink für die Koalitionsbildung hinterher: „Wir sind Teil einer Mehrheit und wir werden Teile unseres Programms umsetzen, aber man darf das nicht überhöhen.“

Umfragen zufolge könnte nach dem 26. September unter anderem eine „Jamaika“- oder eine „Ampel“-Koalition möglich werden. In beiden Fällen ist die FDP beteiligt - aber auch die Grünen. Das ZDF-„Politbarometer“ sieht die SPD kurz vor der Bundestagswahl als stärkste Kraft, aber bei gerade einmal 25 Prozent. „Selbst die stärkste Partei wird von über 70 Prozent der Menschen nicht gewählt worden sein“, führte Lindner mit Blick auf die Werte aus. Dies mache die Koalitionsfrage besonders entscheidend: „Da ist unser Ziel: Möglichst nahe an die Grünen ran, dann können wir einen Ausschlag geben, zum Beispiel in Richtung Jamaika“, so Lindner.

Um noch etwas aufzuholen, brachte Lindner auch die Großstädter ins Spiel: „Für mich ist es ein Mysterium, dass in Großstädten wie München viele sehr bürgerliche Menschen, die eigentlich eine Politik der Mitte wollen, die Grünen wählen“, sagte
er der Münchner Abendzeitung. „Vermutlich, weil ihnen Klimaschutz wichtig ist oder bessere Bildung.“ Das bekämen sie mit der FDP doch auch, sagte er.

Wenige Tage vor der Bundestagswahl: „Ich setze eher auf Jamaika, wenn es geht“

„Es ist kein Wunschkonzert. Aber richtig ist, dass mit Union und Grünen es einfacher ist als mit SPD und Grünen“, erklärte sich Lindner in der ZDF-Sendung. Im „Politbarometer“ konnte die Union ihren Rückstand zur SPD verkleinern, liegt bei 23 Prozent. Die SPD wolle die Steuern erhöhen, die Grünen wollten die Schuldenbremse aufweichen: Lindner ist deshalb zurückhaltend. „Beide haben sehr viel Bevormundung, Bürokratismus und Verbote im Gepäck. Das ist für uns keine Verheißung, weil wir wollen ja den Gedanken der Freiheit stärken.“ Seine Schlussfolgerung: „Deshalb setze ich eher auf Jamaika, wenn es geht.“

Die FDP kommt im „Politbarometer“ des ZDF auf 11 Prozent. Die Liberalen bleiben damit wie in den Wochen davor stabil. Die Grünen verbessern sich um 0,5 Prozentpunkte und kommen damit auf 16,5 Prozent, belegen den dritten Rang. (Scholz oder Laschet? Letzte Prognosen und erste Ergebnisse bekommen Sie in unserem Politik-Newsletter.)

Bundestagswahl 2021: Mit wem wäre Laschet in Corona-Quarantäne gegangen?

Ein „Jamaika-Bündnis“ ist derweil nicht nur bei der FDP präsent. Auch der Unions-Kanzlerkandidat schielte in derselben Sendung in diese Richtung - wobei eine ganz andere Frage Grundlage war. Der ZDF-Journalist Andreas Wunn wollte von Armin Laschet wissen, mit welchem Spitzenkandidaten in Corona-Quarantäne gegangen wäre.

Nach einem kurzer Lacher entschied er sich rasch: „Wenn es so gewesen wäre, glaube ich, dass mit Christian Lindner - mit dem ich befreundet bin - ich gerne in der Quarantäne wäre. Wir hätten eine Menge zu streiten, aber auch sich auszutauschen“, sagte Laschet. Und er schob noch eine weitere Person hinterher: „Annalena Baerbock muss ich noch besser kennenlernen, und ich glaube, in so einer Quarantäne könnte man eine Menge miteinander diskutieren.“ (cibo/dpa)

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