Klimaaktivistin Luisa Neubauer spricht beim ersten digitalen Debattencamp der SPD
+
Klimaaktivistin Luisa Neubauer übte harte Kritik an der Regierung.

„Verlogene Klimadebatte“

Neubauer sauer auf Merkel und die Wahlkämpfer: „Menschen für dumm verkaufen“

  • Kai Hartwig
    VonKai Hartwig
    schließen

Mit ihren Plänen für den Klimaschutz polarisieren die Grünen und ihre Chefin Annalena Baerbock. Klimaaktivistin Luisa Neubauer sieht die Regierungsparteien in der Pflicht.

Berlin – Der Streit um eine Erhöhung der Benzinpreise und ein mögliches Aus für Billigflüge erhitzt die Gemüter. Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hatte Anfang Juni erklärt, ihre Partei wolle zugunsten des Klimas bis zum Jahr 2023 den Spritpreis um insgesamt 16 Cent anheben. Die Kernfrage: Geht Klimaschutz nur mit höheren Kosten für die Bevölkerung?

Für Deutschlands wohl bekannteste Fridays-for-Future-Aktivistin, Luisa Neubauer, tobt im Wahlkampf eine „verlogene Klimadebatte“. Ärmere Menschen würden schlicht „als Ausrede genutzt“, um aus vermeintlich sozialer Verantwortung weniger Klimaschutz betreiben zu können, sagte sie der dpa.

Tatsächlich habe die Politik in Deutschland „jahrzehntelang soziale Ungerechtigkeit befürwortet und eine Politik für die Wirtschaft und nicht für die Menschen gemacht“. Die Klimaaktivistin forderte einen angemessenen sozialen Ausgleich durch die Bundesregierung um Kanzlerin Angela Merkel - und ihre Nachfolger. „Die Regierung muss anfangen, mit den Leuten Klartext darüber zu sprechen, vor welchen Herausforderungen wir stehen.“

Fridays for Future-Aktivistin Neubauer: „Parteien wollen Menschen für dumm verkaufen“

Die Grünen nahm Neubauer in Schutz. Die Attacken der politischen Gegner gegen Baerbock und ihre Partei hätten einen anderen Hintergrund. „Man könnte meinen, einige Parteien versuchen, ihre fehlenden Klimaschutzprogrammatiken durch Kritik an den Grünen zu verdecken“, befand Neubauer. Dabei gerate aus dem Blick, dass die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD längst einen Anstieg des CO2-Preises beschlossen habe. Dies führe automatisch zu höheren Benzinpreisen.

„Einige Parteien wollen anscheinend die Menschen für dumm verkaufen“, meinte Neubauer. Vielmehr sei es Aufgabe der Regierung, für die Einhaltung internationaler Klimaabkommen zu sorgen. Zudem müsse das Kabinett die Bedingungen schaffen, um einen „sozial gerechten Klimaschutz für alle zu gestalten“.

Dafür wolle sich Fridays for Future in den kommenden Wochen in Zusammenarbeit mit Gewerkschaften und Sozialverbänden einsetzen, erklärte Neubauer. Für den heutigen Freitag (18. Juni) plant Fridays for Future eine Kundgebung, um genau 100 Tage vor der Bundestagswahl für die Einhaltung der Klimaziele zu demonstrieren. Die Grünen passen unterdessen ihren Tonfall in der schwelenden Klimadebatte an. (kh/dpa)

Auch interessant

Kommentare