„Es wird kein Team geben“

Söder soll „jetzt mal aufhören“: Merz rügt CSU-Chef - und lässt mittelgroße Laschet-Bombe platzen

  • Anna-Katharina Ahnefeld
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Friedrich Merz wirft dem CSU-Chef Sticheleien gegen Armin Laschet vor. Zugleich verkündet er einen überraschenden Sinneswandel des Kanzlerkandidaten.

Berlin – Friedrich Merz (CDU) geht CSU-Chef Markus Söder mitten im Wahlkampf hart an. Der frühere Unionsfraktionschef warf dem bayerischen Ministerpräsidenten vor, der Union mit seinen Sticheleien gegen Kanzlerkandidat Armin Laschet gezielt zu schaden. Er erwarte, „dass Markus Söder jetzt mal aufhört und dass er auch den gemeinsamen Wahlsieg mit uns will und er kämpft“, sagte Merz laut Tagesspiegel vom Dienstag bei einer Veranstaltung im sauerländischen Sundern. „Ich habe ihm das auch gesagt“, fügte Merz hinzu.

Bundestagswahl 2021: Merz zweifelt daran, dass Söder Wahlsieg der Union will

Am vergangenen Samstag (21. August) hatte Söder beim offiziellen Wahlkampfauftakt von CDU/CSU eine engagierte Rede gehalten – und sein Image als Antreiber erneut gepflegt. Kritik erhielt er für seine Spitzen gegen Laschet und die Überschreitung seiner Redezeit. Bereits zuvor wurde dem Bayern von CDU-Mitgliedern vorgehalten, er könne seine Rolle als Nummer zwei in der Schlacht um die Kanzlerkandidatur nicht verwinden. Manche werfen ihm gar eine Sabotage des Wahlkampfes von Laschet vor.

Söder hatte sich in seiner Rede unzufrieden mit dem bisherigen Unionswahlkampf vor der Bundestagswahl am 26. September gezeigt und mehr Kampfgeist gefordert. Mit Lob für Laschet hatte er sich zurückgehalten, dafür am Rande die breit kritisierten Lacher-Fotos des Kanzlerkandidaten aus den Flutgebieten angesprochen - seine Unterstützung sicherte Söder ihm jedoch zu.

Laschet will offenbar „kein Team“: Merz verkündet überraschende Entscheidung

Auch Merz, der bereits als künftiger Bundesminister gehandelt wird, zeigte sich mit dem Auftritt Söders am Wochenende in Berlin nur „eingeschränkt zufrieden“. Der CSU-Politiker hätte dabei „auf manche Bemerkung verzichten können“, ist Merz überzeugt.

Zudem teilte Merz mit, dass der unter Druck stehende Kanzlerkandidat Laschet kein Team oder Schattenkabinett mehr vorstellen werde. „Armin Laschet hat sich entschieden, kein Team vorzustellen“, sagte Merz dem Tagesspiegel. „Es wird ein Team oder eine Mannschaft um ihn herum nicht geben. Sondern es wird allenfalls noch einzelne Auftritte geben mit einzelnen Abgeordneten, Bewerbern und einzelnen Ministern oder Ministerpräsidenten zu einzelnen Themen.“

Im Wahlkampf war wiederholt - unter anderem von Söder - gefordert worden, die Union müsse frische Gesichter zeigen. Auch angesichts der schlechten Umfragewerte für Laschet könnte der Schritt überraschen. Zuletzt war gar spekuliert worden, ob CDU und CSU in manchen Regionen bewusst auf großflächiges Plakatieren des Kanzlerkandidaten verzichten. Laschet will nun offenbar das Rampenlicht im Endspurt des Wahlkampfes nicht teilen. Noch vergangene Woche hatte er erklärt, er wolle nun „mehr auf Team setzen“.

Friedrich Merz mit Forderung an Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet

Merz forderte entsprechend von Laschet, dass die Union jetzt „deutlich zulegen“ müsse. Laschet sei der Spielführer. „Und er muss jetzt zeigen, wie die Strategie geht, der muss zeigen, wie die Taktik geht und der muss vor allem zeigen, wie die Tore geschossen werden.“ (aka/AFP)

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