Gleichstand mit der Union

Bundestagswahl: Neue Umfrage lässt SPD träumen - wird Laschet vom Scholz-Zug überrollt?

  • Andreas Schmid
    VonAndreas Schmid
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Schlechte Umfragewerte für CDU und CSU: Die SPD liegt mittlerweile gleichauf mit der Union in Führung. Auch das Kanzlerranking fällt klar aus.

Berlin - Olaf Scholz war in den vergangenen Jahren eigentlich nicht dafür bekannt, Umfrageergebnissen eine allzu große Wichtigkeit beizumessen. Die schlechten Zustimmungswerte seiner SPD hielt er verbal ebenso klein wie die Umfragen zu seiner eigenen Person. Denn blickt man rund eineinhalb Jahre zurück, zeichneten die Umfragen ein gänzlich anderes Bild von Scholz als jetzt. Als sich der Finanzminister um den SPD-Parteisitz bewerben wollte, war der Rückhalt innerhalb seiner Partei sowie in der Bevölkerung generell desaströs. Nun sieht die Lage anders aus – und Scholz spricht liebend gern über die Zahlen. Auch eine aktuelle Umfrage zur Bundestagswahl dürfte dem Kanzlerkandidaten der SPD gefallen.

Bundestagswahl: Scholz ist weiterhin der beliebteste Kanzlerkandidat - Laschet hinter Baerbock

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Spiegel kann Scholz seine Führung im direkten Kanzlerranking behaupten. Könnten die Deutschen die Kanzlerin oder den Kanzler direkt wählen, würden sich laut Umfrage 29 Prozent für Olaf Scholz entscheiden. Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin der Grünen, landet auf dem zweiten Platz mit 17 Prozent und liegt ebenso deutlich hinter Scholz wie Armin Laschet. Der Kanzlerkandidat der Union kommt lediglich auf 14 Prozent Zustimmung.

Scholz scheint die Bevölkerung zum richtigen Zeitpunkt überzeugen zu können. Als Civey die Umfragereihe im Mai das erste Mal begann, landete der Finanzminister im Kanzlerranking noch abgeschlagen auf dem letzten Platz. Am stärksten wusste im Frühjahr Baerbock zu überzeugen. Im Zuge der Plagiatsvorwürfe rund um ihr Buch brach der Höhenflug der 40-Jährigen allerdings ein. CDU-Chef Laschet lag plötzlich in Führung, doch auch der Rheinländer konnte sich nicht dauerhaft an der Spitzenposition halten und fiel aufgrund persönlicher Patzer wie dem Lachen während der Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in ein Umfrageloch. Davon kann er sich aktuell (noch) nicht erholen. Was derweil gegen alle drei Kanzlerkandidaten spricht: Satte 40 Prozent entschieden sich für die Antwort „weiß nicht/Keinen der Genannten“. (Verspielt Laschet Merkels Erbe? Mit unserem Politik-Newsletter erfahren Sie stets alle Neuigkeiten zur Bundestagswahl.)

Im Rampenlicht: SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz blickt aktuell auf gute Umfragewerte.

Bundestagswahl: SPD in Umfragen gleichauf mit der Union - Grüne vier Prozentpunkte dahinter

In der sogenannten Sonntagsfrage kann die SPD derweil ebenso zulegen. Seit Wochen nähern sich die Sozialdemokraten der lange in den Umfragen in Führung liegenden Union an. Nachdem am Sonntag bereits eine andere Umfrage einen Gleichstand zwischen SPD und CDU/CSU prognostiziert hatte, kommt Civey nun zum selben Ergebnis – 22:22. Die aktuellen Regierungspartner liegen gleichauf. Das ist insofern bemerkenswert, weil es zwischen beiden vor vier Wochen in derselben Umfragereihe noch eine Zustimmunsdifferenz von zehn Prozentpunkten gegeben hatte (26:16). Wir haben für Sie einen Überblick über alle Umfragen der letzten Wochen und Monate zusammengefasst.

Hinter dem Führungsduo rangieren der Umfrage zufolge die Grünen mit 18 Prozent. Dahinter klafft eine kleine Lücke auf, AfD und FDP kommen beide auf 12 Prozent. Die Linke liegt mit 7 Prozent weiterhin nur knapp über der Fünf-Prozent-Hürde und muss gegebenenfalls um den Einzug in den Bundestag zittern. Unterdessen legt die SPD auch in den Umfragen vor den Landtagswahlen deutlich zu.

Hinweise zur Umfrage

Das Meinungsforschungsinstitut Civey mit Sitz in Berlin führte die Umfrage im Auftrag des Spiegel durch. Vom 18. bis 25. August wurden für die Frage nach der Kanzlerpräferenz insgesamt 5000 Personen befragt und für die sogenannte Sonntagsfrage rund 10.000. Der statistische Stichprobenfehler liegt bei +/- 2,5 Prozent.

Bundestagswahl: Olaf Scholz hält SPD-Kanzlerschaft für „realistisch“ und „sehr erreichbar“

Scholz spricht dieser Tage wieder häufiger über die aktuellen Umfragen. Der Finanzminister hält das Kanzlerziel zumindest für realistisch. „Ein Regierungswechsel, ein Aufbruch in Deutschland ist möglich. Eine Kanzlerschaft von einem Sozialdemokraten ist jetzt sehr erreichbar geworden“, sagte der gebürtige Osnabrücker jüngst am Rande eines Bürgergespräches. „Für mich sind die Umfragewerte sehr berührend, denn darin verbirgt sich ja auch eine wachsende Zustimmung der Bürgerinnen und Bürger zu mir als Person.“

Scholz stellt die aktuelle Situation gerne in den Fokus. „Viele trauen mir zu, die nächste Regierung zu führen und das ist ja kein einfaches Amt“, meint der 63-Jährige. „Insofern bin ich sehr bewegt davon, wie viele das tun.“ Es sei „etwas Besonderes zu sehen, dass sich jetzt auch die Zustimmung zur SPD erhöht.“ Der Trend sei eine Ermutigung, mit großer Demut die letzten Wochen des Wahlkampfes weiterzuführen. Zur Wahrheit gehört bei aller roter Euphorie aber auch: Das historisch schlechteste Ergebnis bei einer Bundestagswahl liegt nicht in allzu weiter Ferne. 2017 erreichte die SPD 20,5 Prozent. (as)

Rubriklistenbild: © Marius Becker/dpa

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