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Steht vor komplizierten Verhandlungen: Angela Merkel muss ein neues Kabinett bilden.

Union koaliert wohl mit FDP und Grünen

Jamaika-Runde: So könnte das neue Kabinett unter Merkel aussehen

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Nach der Bundestagswahl deutet alles auf eine Premiere im Bundestag hin. Doch wer könnte in einer Jamaika-Koalition welches Amt übernehmen?

München - Die Bildung einer neuen Bundesregierung wird schwierig wie nie! Denn auf der einen Seite steht die CSU, die nach rechts rücken will. Auf der anderen Seite stehen die Grünen, die Horst Seehofers Obergrenze-Kurs keinesfalls mittragen werden. Ob Jamaika gelingt oder nicht, wird letztlich auch an Personen hängen, die miteinander können. Die tz schaut, wer in einer Jamaika-Koalition welche Position übernehmen könnte.

Jamaika-Koalition: Kann das überhaupt funktionieren?

Kanzlerin: Angela Merkel (CDU, 63)

Die Regierungschefin hat schon in der Vergangenheit bewiesen, dass sie im Prinzip mit jeder demokratischen Partei kann - es wird auch hier gelingen. Allerdings: Die CDU-Chefin ist nach dem historisch schlechten Ergebnis angezählt - das, was man in den USA eine „lahme Ente“ (lame duck) nennt. Im Hintergrund werden in der CDU die Strippen gezogen, wer nach einem Scheitern von Jamaika in eventuellen Neuwahlen die CDU-Führung übernimmt.

Finanzminister und Vize-Kanzler: Wolfgang Kubicki (FDP, 65)

Die FDP hat immer klargemacht, dass ihr das Finanz-Ressort wichtiger ist als der (traditionell dem Vize-Kanzler zufallende) Außenminister-Posten. Da FDP-Überflieger Christian Lindner lieber die Schlüsselposition des Fraktionschefs übernehmen wollte, muss wohl der zweite wichtige Mann in der FDP ran. Kubickis Hauptvorteil: Er ist der Einzige mit „Jamaika-Erfahrung“.

Superministerin für Verbraucher, Umwelt, Klimaschutz, Agrar, Energie: Katrin Göring-Eckardt (Grüne, 51)

Entgegen aller Kritik hat der ruhige, sachliche Stil der Grünen-Spitzenkandidatin zum Erfolg geführt - die Grünen schnitten am Ende besser als in den Umfragen ab - und sogar ein halbes Prozent besser als 2017. Die wichtigsten Wahlkampfthemen der Grünen Klimaschutz, Insektensterben und Massentierhaltung könnte die 51-Jährige am besten in einem Agrar-Umwelt-Super­ministerium umsetzen.

Verkehr und Digitales: Toni Hofreiter (Grüne, 47)

Der linke Flügel der Grünen wird ein Ministerium beanspruchen. Der Münchner hat eine Schlüsselfunktion, weil er den linken Flügel für Jamaika begeistern muss. Der Lohn wäre das einstige Dobrindt-Ministerium – um das grüne Kernanliegen E-Mobilität voranzutreiben.

Bildung: Katja Suding (FDP, 41)

Bessere Schulen waren für die FDP ein Hauptthema im Wahlkampf. Deshalb werden die Liberalen höchstwahrscheinlich das Bildungsministerium beanspruchen. Sudings interne Konkurrentin um den Posten ist FDP-Generalsekretärin Nicola Bär.

Innenministerium: Joachim Herrmann (CSU, 61)

Eigentlich schien das einstige De-Maizière-Ressort schon gesetzt für Herrmann. Doch jetzt scheint nichts mehr sicher. Weil er nur ein Listenmandat hat und die CSU-Direktkandidaten alle CSU-Sitze belegen, schaffte es der Spitzenkandidat noch nicht einmal in den Bundestag. Trotzdem: Innere Sicherheit ist das CSU-Kernanliegen. Wenn Jamaika klappt, wird’s Herrmann machen.

Entwicklungsministerium: Gerd Müller (CSU, 62)

Ein liberaler CSU-Politiker, der eine Politik verfolgt, die auch Grüne gut finden. Müller wäre für Jamaika gesetzt.

Außenminister: Wolfgang Schäuble (CDU, 75)

Der bisherige Finanzminister schien zuletzt agil wie in jungen Jahren - Merkels wichtigster Minister wird in dieser schwierigen Phase ein Schlüsselressort übernehmen wollen. Letztlich hängt es aber daran, ob er sich den körperlich aufzehrenden Job auch gesundheitlich zutraut.

Verteidigungsministerin: Ursula von der Leyen (CDU, 58)

Zwar gilt sie in der künftigen, wieder konservativeren CDU nicht mehr als Merkels Kronprinzessin. Aber ihren - ungeliebten - Job darf sie wohl weitermachen.

Kanzleramtsminister: Thomas de Maizière (CDU, 63)

Wenn Herrmann ihm seinen Job als Innenminister wegnimmt, könnte de Maizière wieder ins Kanzleramt zurückkehren, wo er von 2005 bis 2009 schon saß.

Christian Lindner (38): FDP-Fraktionschef

Der FDP-Star wurde am Montag zum neuen Fraktionschef gewählt - eine bessere Ausgangsposition, wenn Jamaika scheitert.

Cem Özdemir (51): Grünen-Fraktionschef

Der wichtigste Mann des Grünen-Erfolges würde sicher auch gerne Verkehrsminister werden - aber den Posten muss er wohl einem Partei-Linken wie Hofreiter überlassen.

Volker Kauder (68): Unions-Fraktionschef

Eine Personalie zumindest steht schon fest: Merkel hat den amtierenden Unions-Fraktionschef Kauder zur Wiederwahl an diesem Dienstag vorgeschlagen. Dieser Vorschlag sei in den CDU-Spitzengremien auf breite Zustimmung gestoßen.

Alexander Dobrindt (47): CSU-Landesgruppenchef

Der bisherige Bundesverkehrsminister scheint als neuer Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag fest gesetzt. An diesem Dienstag wird der Ex-Verkehrsminister wohl zum Nachfolger von Gerda Hasselfeldt gewählt werden.

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Klaus Rimpel

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