Kommantar-Montage: links CSU-Chef Markus Söder, rechts Merkur-Redakteur Christian Deutschländer
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Söder hat für die Trendwende kaum mehr Zeit, kommentiert Merkur-Redakteur Christian Deutschländer.

Merkur-Kommentar

Bundestagswahl: Die CSU um Söder kommt mit ihrer plötzlichen Laschet-Liebe zu spät

  • Christian Deutschländer
    VonChristian Deutschländer
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Die neue Haltung der CSU zum Unions-Kanzlerkandidaten ist wenig glaubwürdig – und eine weitere Idee ihres Parteichefs kaum besser, kommentiert Christian Deutschländer.

München - In der Politik gilt fast immer eine simple Regel: Sei ganz dafür – oder ganz dagegen. Wischiwaschi dazwischen führt zu nix. Das merkt auch die auf 20 plus x geschrumpfte CSU-Spitze. Söder hätte Laschet im April verhindern müssen, wenn er ihn für den verheerend falschen Kanzlerkandidaten hält. Oder ihn, nach kurzem Schlucken, ohne Wenn und Aber unterstützen müssen, falls er ihn als geringstes Übel akzeptiert.

Für beides hätte es gute Argumente gegeben, auch dafür, dass Söder der Bessere gewesen wäre. Aber monatelang ein bisschen unterstützen, ein bisschen kritisieren oder die freundlichen Sätze ironisch brechen – das zog die CSU mit in Laschets Abwärtssog. Die Wahlkämpfer vor Ort – die mit dem Plakatkleister und dem Infostand – wissen seit Wochen nicht: Ist mein Kanzlerkandidat Wicht oder Wucht?

Bundestagswahl: Söder denkt über GroKo nach – um Himmels Willen!

Deshalb kommt jetzt der übereuphorische Jubelparteitag der CSU für Laschet zu spät. Das wirkt nicht glaubwürdig. Zwei Wochen vor dem Wahltag, die Briefwahl in vollem Gange, lässt sich keine neue Erzählung erfinden, wie und warum in der CSU plötzlich Laschet-Liebe entflammt. Vor ein paar Wochen, im Juli noch, wäre das gegangen. Natürlich auch nur, wenn Laschet da so pointiert und wach aufgetreten wäre wie nun in Nürnberg, mit klaren Sätzen zu konservativen Kernthemen.

Selbst wenn’s für eine Trendwende reicht, ist die Zeit zum Aufholen kurz. Zumal Söder schon wieder um die Ecke schielt. Nun denkt er laut über eine neue Große Koalition nach. Um Himmels Willen! Die gleichen Ministertröten nochmal, Maas, Scheuer, Karliczek, Altmaier, nur diesmal geführt von einem Kanzlerneuling? Es mag eine Machtoption sein, besser als gar keine, aber als Verheißung werden Wähler und Wahlkämpfer das kaum empfinden.

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