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Nach der Bundestagswahl der Steuer-Schock? – Parteien von Grüne bis Union im Check

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Lohn- und Gehaltsabrechnung
Mehr als die Hälfte der Deutschen hat Angst vor höheren Steuern oder Leistungskürzungen. © Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa

53 Prozent aller Deutschen haben Geldsorgen. Die Angst vor Steuererhöhungen ist groß – was haben die verschiedenen Parteien nach der Bundestagswahl vor?

Berlin - Vor ein paar Jahren war es noch Donald Trump, der vielen Deutschen Angst macht. Jetzt dominiert die Sorge ums Geld. 53 Prozent fürchten, dass der Staat wegen der hohen Corona*-Kosten die Steuern erhöht oder Leistungen kürzt. 50 Prozent treibt um, dass die Lebenshaltungskosten steigen und dass sie für die Schulden der EU zur Kasse gebeten werden – so eine Studie der R+V Versicherung.

Die Angst vor Steuererhöhungen ist groß – aber auch berechtigt? In Ihren Wahlprogrammen zur Bundestagswahl lehnen Union und FDP Steuer­erhöhung in jeder Form ab. SPD, Linke und Grüne wollen Spitzenverdiener belasten. Die AfD ist für ein vereinfachtes Steuersystem. Hier die Details:

Bundestagswahl 2021: Schuldenbremse Ja oder Nein? - Das sagen Union und SPD dazu

CDU/CSU: Trotz der Staatsverschuldung lehnt die Union Steuererhöhungen ab. Ihr Ziel bleibt aber ein ausgeglichener Haushalt ohne neue Schulden (Schuldenbremse). Eine Vermögensteuer lehnt die Union ab. Den Solidaritätszuschlag will die Union vollständig abschaffen, auch für Besserverdienende. Kleine und mittlere Einkommen sollen entlasten werden. Perspektivisch soll es auch für Kinder den vollen steuerlichen Grundfreibetrag (aktuell knapp 10.000 Euro) geben.

SPD: Die Partei will Schulden machen – allerdings im Rahmen der in der Verfassung verankerten Schuldenbremse. Vor allem kleine und mittlere Einkommen sollen profitieren. Spitzenverdiener (ab 250.000 Euro) werden zur Kasse gebeten – mit drei Prozentpunkten mehr bei der Einkommensteuer. Außerdem soll der Soli für Spitzenverdienende bleiben. Große Vermögen sollen mit einem Prozent besteuert werden, außerdem will die SPD eine Finanztransaktionssteuer einführen.

Bundestagswahl: FDP und AfD einer Meinung - Einkommenssteuer abschaffen!

Die AfD schlägt in ihrem Wahlprogramm vor, sich auf Umsatzsteuer und Einkommensteuer zu konzentrieren und andere Verbrauchssteuern zu streichen. Auch Grundsteuer, Grunderwerbsteuer, die Vermögensteuer, Erbschaft- und Schenkungsteuer sind für die AfD überflüssig. Tech-Konzerne wie Google & Co. sollen eine Digitalsteuer zahlen. Entschädigt werden sollen alle Branchen, die von den Corona-Maßnahmen besonders betroffen sind. Die AfD will raus dem Euro und zurück zur D-Mark.

FDP: Kleine und mittlere Einkommen sollen entlastet, die Abgabenquote für Arbeitnehmer und Arbeitgeber wieder auf unter 40 Prozent gesenkt werden. Die Schuldenbremse soll bleiben. Beim Einkommensteuertarif soll der Mittelstandsbauch bis 2024 abgeschafft werden. Heißt: Der Spitzensteuersatz soll erst bei 90.000 Euro/Jahr greifen (bisher 56.000 Euro), den Soli will auch die FDP komplett streichen. So würden nicht zuletzt Gutverdiener besser dastehen.

Bundestagswahl 2021: So wollen Linke und Grüne das Steuersystem umbauen

Die Linke: Untere Einkommen entlasten, hohe Vermögen (ab 2 Mio.), Einkommen, Erbschaften und Gewinne aus Kapital und Aktien stärker besteuern – das sind die Ziele der Partei. Zudem soll die Schuldenbremse fallen. Von der Vermögensteuer befreit wären sog. Papier-Millionäre, also etwa Besitzer von Eigentumswohnungen. Entlastet werden soll, wer als Single weniger als 6500 Euro brutto/Monat verdient. Jahreseinkommen unter 14.400 Euro sollen ganz steuerfrei bleiben. Ab 70.000 Euro soll der Steuersatz bei 53 Prozent liegen. Eine Reichensteuer hat zwei Stufen: 60 Prozent für Einkommen über der Reichensteuergrenze (liegt aktuell bei 260.533 Euro), 75 Prozent für mehr als eine Million Euro.

Die Grünen wollen laut Wahlprogramm* Vermögende stärker belasten und das Steuersystem so umbauen, dass Umweltbelastung und Ressourcenverbrauch stärker besteuert werden. Für kleine und mittlere Einkommen soll der Grundfreibetrag erhöht werden. Der Spitzensteuersatz soll steigen: Ab 100.000 Euro (Singles) sind 45 Prozent fällig, ab 250.000 Euro 48 Prozent. Eine neue Vermögensteuer (ab 2 Millionen Euro) soll ein Prozent betragen*. Konzerne wie Google sollen eine Digitalsteuer zahlen. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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